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Touristen in Island: Einheimische haben die Nase voll

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Erst Segen, dann Fluch  

Immer mehr Isländer haben die Touristen im Land satt

04.11.2017, 17:45 Uhr | Theresa Münch, dpa

Touristen in Island: Einheimische haben die Nase voll. Island besticht durch seine Naturschönheiten – ein Grund, weshalb viele Touristen ins Land kommen. (Quelle: dpa/Daniel Naupold)

Island besticht durch seine Naturschönheiten – ein Grund, weshalb viele Touristen ins Land kommen. (Quelle: Daniel Naupold/dpa)

Der Tourismus bringt Island ordentlich Geld ein. Doch die Stimmung im Inselstaat droht zu kippen – weil der Boom auch negative Seiten hat.

Bislang heißen die Isländer die wachsenden Touristenmassen herzlich willkommen – doch nach Brancheneinschätzung droht die Stimmung umzuschlagen. "Wir sehen Zeichen, dass die Toleranz gegenüber den Urlaubern abnimmt, vor allem in den beliebtesten Gegenden", sagte Helga Árnadóttir, Direktorin des isländischen Tourismusindustrieverbands. Das sei für den zweitwichtigsten Wirtschaftszweig auf der Vulkaninsel eine große Gefahr.

Tourismus in Island erst Segen dann Fluch

Der Tourismus sei für Island nach der schweren Finanz- und Bankenkrise ein "Lebensretter" gewesen, sagte Árnadóttir. Die Islandsbank prognostiziert für das Jahr 2017 rund 2,3 Millionen Besucher – ein sattes Plus von 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Seit 2010 hat sich ihre Zahl in dem kleinen 330.000-Einwohner-Land mehr als vervierfacht. In den Sommermonaten ist laut Islandsbank jeder fünfte Mensch im Land ein Tourist.

Deutsche sind nach US-Amerikanern die häufigsten Besucher

Im September zählte das Statistikamt 378.300 Übernachtungen. Deutsche sind nach US-Amerikanern die häufigsten Besucher. "Die meisten Isländer stehen dem Tourismus immer noch positiv gegenüber und verstehen seine Bedeutung", sagte Árnadóttir. Möglicherweise aber brauche die Branche Grenzen.

Wie viele Hotels, Restaurants und Ferienwohnungen verträgt Island?

"Wie viele Gebäude in Reykjavik dürfen Hotels sein? Wie viele Restaurants? Wie viele Wohnungen wollen wir vermieten? Diese Entscheidungen muss die Regierung treffen", forderte sie. Einheimische beschweren sich vor allem über Vandalismus, die Einführung von Eintrittsgeldern für Nationalparks, steigende Preise und Hotelbaustellen.

Touristen verrichten Notdurft in der Öffentlichkeit

Im vergangenen Jahr gab es wochenlange Diskussionen, weil öffentliche Toiletten fehlten und Touristen ihre Notdurft am Rand von Straßen und Privatgrundstücken verrichteten.Der Tourismus habe aber auch positive Seiten, betonte Árnadóttir: "Wir haben jetzt Restaurants überall im Land, wo es früher nur Hotdog-Buden gab. Das hat die Lebensqualität der Menschen bereichert."

Isländische Wirtschaft freut sich über Urlauberboom

Ziel von Regierung und Industrie sei, dass die Besucher das ganze Jahr über kommen – auch im dunklen Winter – und das ganze Land bereisen, nicht nur den Südwesten um die Hauptstadt Reykjavik. Dafür aber müsse sich die Regierung stärker engagieren. "Die Infrastruktur muss gestärkt werden. Straßen zu Touristenzielen müssen sicher und auch im Winter befahrbar sein", forderte Árnadóttir. "Leider konzentriert sich die Regierung weniger darauf, als wir wünschen."

Risiken: instabile politische Situation und Wechselkurs

Dabei bringen Touristen laut Islandsbank fast 40 Prozent der isländischen Deviseneinnahmen. Jeder Besucher trage umgerechnet rund 1600 Euro zur heimischen Wirtschaft bei. Die Hälfte der seit 2010 geschaffenen Jobs habe direkt oder indirekt mit dem Tourismus zu tun. Als Risiken für den Island-Tourismus sieht die Verbandschefin die in den vergangenen zwei Jahren instabile politische Situation und den Wechselkurs der isländischen Krone.

Preise in Island liegen 44 Prozent über EU-Durchschnitt

"Die Touristen bleiben nicht mehr so lange, weil es teuer wird", sagte Árnadóttir. Bereits 2015 lagen die Preise für Übernachtung und Verpflegung der Statistik zufolge 44 Prozent über EU-Durchschnitt. Sie erwarte deshalb, dass sich der Tourismusboom bald abschwäche und bei einem "normalen Wachstum" von drei bis fünf Prozent einpendele.

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