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Brustkrebs ist keine Frauenkrankheit: Männer können betroffen sein

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Diagnose häufig zu spät  

Brustkrebs: Es kann jeden Mann treffen

21.06.2016, 14:58 Uhr | Andrea Goesch

Brustkrebs ist keine Frauenkrankheit: Männer können betroffen sein. Veränderungen im Bereich der Brust sollten auch Männer ernst nehmen.  (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Veränderungen im Bereich der Brust sollten auch Männer ernst nehmen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Sieht man von werdenden Vätern ab, sind Männer eher seltene Gäste im Wartezimmer des Gynäkologen. Schließlich ist Männergesundheit die klassische Domäne der Urologen. Was viele nicht wissen: Brustkrebs ist keine Frauenkrankheit. Sie kann auch Männer betreffen. Das passiert zwar seltener, dafür sind aber die Prognosen schlechter.

"Bei Männern mit Brustkrebs liegt die Überlebensrate für zehn Jahre bei 65 Prozent. Bei betroffenen Frauen dagegen sind es 82 Prozent", sagt Peter Jurmeister, Selbst-Betroffener und Vorstandsvorsitzender des Netzwerks "Männer mit Brustkrebs e.V.." Er dient als Anlaufstellen für Männer und ihre Angehörigen, unterstützt und versorgt sie mit Informationen und bietet Gespräche mit anderen Betroffenen an.

Früherkennung für das männliche Mammakarzinom fehlt

"Dass Männer die schlechteren Prognosen haben, liegt daran, dass der Krebs bei ihnen meist erst spät entdeckt wird", sagt Jurmeister. Das habe mehrere Gründe: Zum einen gebe es für Männer, anders als bei Frauen, kein Früherkennungsprogramm. "Außerdem denken die meisten Männer und auch viele Ärzte nicht daran, dass hinter Veränderungen der männlichen Brust ein Tumor stecken kann." Hinzu komme, dass Männer aus falscher Scham den Weg zum Gynäkologen scheuten. 

Gute Heilungschancen bei früh erkanntem Tumor 

Das Paradoxe daran ist: Wird der Tumor früh diagnostiziert, sind die Heilungschancen sogar höher als bei Frauen. "Das liegt daran, dass Brustkrebs bei Männern in vielen Fällen hormonabhängig ist", erklärt Jurmeister. Dass eine gezielte Behandlung so früh wie möglich einsetzt, setzt jedoch voraus, dass die Krankheit aus ihrem Schattendasein tritt. 

Männer schämen sich, eine "Frauenkrankheit" zu haben 

Hier möchte Jurmeister mit seinem Verein Aufklärung leisten. "Jedem Mann muss bewusst sein, dass er Brustkrebs bekommen kann", sagt Jurmeister. Bei rund 600 Neuerkrankungen in Deutschland pro Jahr sei die Wahrscheinlichkeit zwar relativ gering, dennoch sollte jedem Mann bewusst sein, dass es auch ihn treffen kann.

Jurmeister weiß, dass viele Betroffene die Diagnose zunächst nicht wahr haben wollen. Sie schämen sich, eine "Frauenkrankheit" zu haben und gynäkologisch behandelt werden zu werden. Im schlimmen Fällen führt das dazu, dass eine lebensrettende Behandlung zu spät erfolgt.

Männer sollten die Brust regelmäßig abtasten 

Wie viele Männer entdeckte Jurmeister seinen Tumor zufällig. Beim Duschen war ihm vor acht Jahren ein Knubbel im Bereich der Brustwarze aufgefallen. Jurmeister hatte Glück: Sein Tumor wurde rechtzeitig erkannt und entfernt, bevor der Krebs streuen konnte. Heute gilt der 66-Jährige als geheilt. Er weiß: "Damit der Krebs im Frühstadium erkannt wird, ist es wichtig, dass auch Männer sich regelmäßg die Brust abtasten." Bei Veränderungen wie Knoten rund um die Brustwarze, Verformungen der Brustwarze oder Flüssigkeitsabsonderungen sollte unverzüglich ein Arzt aufgesucht werden. 

Auch die Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU) ruft Männer zu regelmäßiger Selbstkontrolle auf. "Vor allem Risiko-Patienten sollten sich darüber hinaus fachärztlich beraten lassen und Früherkennungsuntersuchungen der Brust wahrnehmen. Dazu zählen Männer mit Klinefelter-Syndrom sowie Männer, in deren Familien auch Frauen öfter von Brustkrebs betroffen sind", sagt die Pressesprecherin Professor Sabine Kliesch.

Ursachen für das männliche Mammakarzinom

Bei dem Klinefelter-Syndrom handelt es sich um eine genetische Veränderung der Geschlechtschromosomen. "Diese Männer sind Träger einer angeborenen genetischen Störung, bei der mindestens ein zusätzliches weibliches X-Chromosom vorliegt. Sie haben ein 15- bis 50-fach erhöhtes Risiko für ein Mammakarzinom", erklärt Kliesch. Das Syndrom äußert sich auch durch eine Unterentwicklung der Hoden. Sie sind in der Regel überdurchschnittlich klein.

"Brustkrebs-Gene" gibt es auch bei Männern

Auch sogenannte Brustkrebs-Gene (BRCA) können eine Erkrankung begünstigen. Besonders dann, wenn sie bereits unter Frauen ersten bis dritten Verwandtschaftsgrades in der Familie vorgekommen sind. Dann sollten Männer hellhörig werden und ein besonderes Augenmerk auf ihre Brust legen. Übrigens: Brustkrebs-Gene können auch von Männern an ihre Kinder weitergegeben werden - sowohl an Töchter als auch an Söhne.

Die Diagnose erfolgt im Brustzentrum

Bei Verdacht auf einen Tumor werden per Ultraschall, Röntgen und Mammographie untersucht. Zur endgültigen Abklärung ist jedoch eine Biopsie (Gewebeprobe) notwendig. Hierzu muss der Mann ein Brustzentrum aufsuchen und sich dort von einem Gynäkologen behandeln lassen.

Die Behandlungsmöglichkeiten gibt es 

Ist der Tumor bösartig, muss er herausoperiert werden. Dabei werden meist auch die Lymphknoten unter den Achseln entfernt. in der Regel erfolgt im Anschluss eine Hormontherapie, in einigen Fällen ist auch eine Bestrahlung oder Chemotherapie notwendig. 

Weitere Informationen zum Netzwerk "Männer mit Brustkrebs" erhalten Betroffene und Interessierte hier

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