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Rätsel um U-Boot-Wrack aus dem Ersten Weltkrieg gelöst

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"Mit Mann und Maus gesunken"  

Rätsel um gefundenes Weltkriegs-U-Boot gelöst

04.12.2017, 10:39 Uhr | Marc von Lüpke, t-online.de

Deutsches U-Boot-Wrack vor belgischer Küste entdeckt und jetzt identifiziert. (Screenshot: Thomas Termote)
Deutsches U-Boot-Wrack identifiziert

Die Forscher können das U-Boot jetzt zuordnen.

Neue, spektakuläre Bilder zeigen das U-Boot-Wrack vor der belgischen Küste ziemlich genau. Forscher konnten das U-Boot jetzt genau identifizieren. (Quelle: t-online.de / Thomas Termote)


Fast 100 Jahre lag es unentdeckt auf dem Meeresgrund, nun ist das gesunkene deutsche U-Boot vor dem belgischen Ostende identifiziert. Es handelt sich um ein bedeutsames Kriegsschiff.

Im vergangenen Juni hatte der belgische Archäologe Tomas Termote das U-Boot-Wrack entdeckt, t-online.de berichtete ausführlich über diesen Ausnahmefund. Um welches Unterseeboot es sich aber genau handelt, blieb zunächst ungewiss. Nun gelang Termote die Identifizierung: Es handelt sich um "UB 29" aus dem Ersten Weltkrieg. Ein mittelgroßes U-Boot vom Typ "UB II" mit regulär 23 Mann Besatzung, das feindliche Handelsschiffe im Ärmelkanal und in der Biskaya angreifen sollte.

Bei der Identifizierung war vor allem Glück im Spiel. "Dreimal sind wir im Oktober zum Wrack hinunter getaucht", erklärt Termote gegenüber t-online.de. "Wir hatten große Hoffnung, das Schiff mittels der Schiffsschraube zu identifizieren."

Deutsches U-Boot vom Typ "UB II": Der Archäologe Tomas Termote konnte das besterhaltene Exemplar am Grund der Nordsee identifizieren. (Quelle: Tomas Termote/Deutsches U-Boot-Museum Cuxhaven)Deutsches U-Boot vom Typ "UB II": Der Archäologe Tomas Termote konnte das besterhaltene Exemplar am Grund der Nordsee identifizieren. (Quelle: Tomas Termote/Deutsches U-Boot-Museum Cuxhaven)

Enttäuschung am Meeresgrund

Bei allen U-Booten war in dieser Zeit eine Nummerierung eingestanzt. Bei diesem Wrack war die Suche allerdings vergeblich. Das Metall der Schiffsschraube war zu sehr korrodiert. Auch die Nummer des Periskops, "417", ließ keine Rückschlüsse auf die Identität zu. "Wir waren sehr enttäuscht", sagt Termote. "Wir wussten nicht, was wir machen sollten."

Zugang zum Inneren wollte sich der Forscher, der mit dem Buch "Krieg unter Wasser. Unterseebootflottille Flandern 1915-1918" ein Standardwerk geschrieben hat, auf keinen Fall verschaffen. Die sterblichen Überreste der ertrunkenen Besatzung befinden sich noch an Bord. Eine kleine Plakette, keine zehn Zentimeter lang, sollte das Rätsel schließlich doch noch lüften. "Ich bin zum oberen Torpedorohr getaucht", so Termote. "Und da war sie." Was er in diesem Augenblick empfunden hat? "Das war unbeschreiblich, noch besser als der Fund des U-Boots selbst", so der Unterwasserforscher. "Es war eine Art Gottesgeschenk."

Verhängnisvoller Angriff

Wie sich herausstellte, hat Termote mit "UB 29" ein ganz besonderes U-Boot gefunden. Bei der Werft A.G. Weser in Bremen gebaut und am 31. Dezember 1915 in Dienst gestellt, lief das deutsche Unterseeboot unter Kapitän Herbert Pustkuchen Anfang 1916 in den Ärmelkanal aus, um im Ersten Weltkrieg britische Handelsschiffe zu versenken.

Angriff mit Folgen: Die Attacke von "UB 29" auf die britische Fähre "Sussex" löste 1916 eine schwere Krise mit den USA aus. (Quelle: Tomas Termote)Angriff mit Folgen: Die Attacke von "UB 29" auf die britische Fähre "Sussex" löste 1916 eine schwere Krise mit den USA aus. (Quelle: Tomas Termote)

Bereits am 24. März 1916 sorgte es für eine weltpolitische Krise: Die Besatzung griff ohne vorherige Warnung die britische Fähre "Sussex" an und sprengte ihren Bug mit einem Torpedo weg. Rund 50 Passagiere starben, zahlreiche andere wurden verletzt – darunter viele Amerikaner.

Kein Angriff ohne Vorwarnung

In den USA erhob sich ein wütender Proteststurm, Präsident Woodrow Wilson stellte den Deutschen in der sogenannten "Sussex-Note" ein Ultimatum zur sofortigen Einstellung des uneingeschränkten U-Bootkriegs. "Fortan durften die deutschen U-Boot-Kommandanten kein Schiff mehr ohne Vorwarnung angreifen", erklärt der Archäologe Termote.

"UB 29" lief hingegen im November 1916 zu einer erneuten Feindfahrt aus. Und sollte niemals in den Heimathafen zurückkehren. Das letzte Schiff, welches das Unterseeboot unter seinem neuen Kommandanten Erich Platsch gesehen hat, war die belgische "SS Keltier". "Die Mannschaft beobachtete ein untertauchendes U-Boot mit der Nummer 29 auf dem Turm", so Termote.

Berichtigung der Geschichsbücher

Seit dem 27. November 1916 galt "UB 29", das selbst 32 Schiffe versenkt hatte, als vermisst. Bislang vermutete die Forschung, dass es etwas später bei den Goodwin-Sands, einer Sandbankkette in der Straße von Dover, von einem britischen Zerstörer versenkt worden ist.

Tatsächlich scheint die Besatzung einer Auseinandersetzung knapp entkommen zu sein. Das Periskop von "UB 29" ist eingedrückt – als wenn das Schiff gerammt worden wäre. Fast in Sicherheit lief das U-Boot kurz vor dem sicheren Heimathafen Zeebrugge in Belgien schließlich mit großer Sicherheit auf eine Seemine. "Sie sind mit Mann und Maus gesunken", sagt Termote.

Ein Rätsel bleibt offen

Für die Militärgeschichte und auch für die Nachfahren der deutschen Besatzung löste sich mit der Identifizierung des Schiffs ein Rätsel. "Jetzt können wir das Kapitel abschließen", sagt Termote. Wie der deutsche Botschafter in Belgien ist auch der Entdecker der Überzeugung, dass das Wrack von "UB 29" als Seemannsgrab und archäologische Stätte unter Schutz gestellt werden muss.

Ein Besatzungsmitglied von "UB 29" ist dem Schicksal seiner Kameraden an Bord allerdings entkommen. Auf seiner letzten Fahrt hatte das Unterseeboot nur 22 Mann Besatzung. Warum einer der Matrosen fehlte? Bislang ist es unbekannt.

Zum Weiterlesen:

Tomas Termote: Krieg unter Wasser. Unterseebootflottille Flandern 1915-1918, Hamburg 2015

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