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1200 Kilometer pro Sekunde: So schnell ist Stern US 708 unterwegs

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1200 Kilometer pro Sekunde  

Der schnellste Stern der Galaxis

07.03.2015, 13:06 Uhr | AFP

1200 Kilometer pro Sekunde: So schnell ist Stern US 708 unterwegs. Seit einer thermonuklearen Supernova hat der schnellste Stern der Milchstraße mit dem Namen US 708 eine solch hohe Geschwindigkeit, dass er sogar unsere Galaxie verlassen wird.  (Quelle:  ESA/Hubble, NASA und Sebastian Geier)

Seit einer thermonuklearen Supernova hat der schnellste Stern der Milchstraße mit dem Namen US 708 eine solch hohe Geschwindigkeit, dass er sogar unsere Galaxie verlassen wird. (Quelle: ESA/Hubble, NASA und Sebastian Geier)

Der schnellste Stern der Milchstraße ist mit 4,32 Millionen Kilometern pro Stunde unterwegs, das sind 1200 Kilometer pro Sekunde. Diesem rund 27.000 Lichtjahre entfernten Raser im Sternbild Großer Bär ist nun ein internationales Forscherteam auf die Spur gekommen. Von dem Stern namens US 708 berichteten Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) in der Fachzeitschrift "Science".

Der unscheinbare Stern US 708 sei so schnell, dass er die Milchstraße auf Nimmerwiedersehen verlassen werde. Eine wichtige Rolle im ungewöhnlichen Leben des Rekordhalters spielte eine Supernova-Explosion, erklärten die Forscher.

Derart schnelle Sterne sind sehr selten

Der Schnellläufer wurde bereits vor zehn Jahren entdeckt. Seine genaue Geschwindigkeit wurde nun von Wissenschaftlern um Stephan Geier von der Europäischen Südsternwarte (ESO) in Garching, der Dr.-Karl-Remeis-Sternwarte der FAU sowie aus den Niederlanden, Großbritannien, den USA und China gemessen.

Laut FAU kennen die Astronomen derzeit unter den 100 Milliarden Sternen unserer Milchstraße gerade mal zwei Dutzend ähnlich schnelle Sterne - doch so schnell wie US 708 ist keiner von ihnen.

Üblicherweise entstehen die stellaren Raser, wenn sich ein Doppelstern dem supermassiven Schwarzen Loch im Zentrum der Milchstraße nähert und dabei zerrissen wird. Einer der Sterne fällt ins Schwarze Loch, der Partnerstern wird aus der Galaxie katapultiert und so zum Hochgeschwindigkeitsstern.

US 708 ist ein Heliumstern

Anders verhält es sich bei US 708. Denn Geier und seinen Forscherkollegen konnten nun dessen Flugbahn rekonstruieren. Dabei kam heraus, dass der Tempo-Rekordhalter nicht aus dem Zentrum der Milchstraße stammen kann und damit das dortige Schwarze Loch als Katapult ausscheidet.

Rätsel gab den Forschern zudem auf, dass US 708 anders als andere Hochgeschwindigkeitssterne aus Helium besteht. Heliumsterne sind laut FAU äußerst seltene, alte Sterne von nur halber Masse unserer Sonne.

Explosion vor rund 14 Millionen Jahren

Dann entdeckten die Forscher, dass sich US 708 viel schneller um seine Achse dreht als jeder andere bekannte Heliumstern. Damit kamen sie der Lösung des Rätsels näher. Denn dies deutet nach FAU-Angaben darauf hin, dass der Stern einmal einen sehr nahen Doppelsternpartner hatte, dessen Gezeitenkräfte ihn wie einen Brummkreisel aufgezogen haben. Der Doppelsternpartner muss demnach ein Weißer Zwerg gewesen sein, ein sehr kompakter Stern von Erdgröße.

US 708 und sein Doppelsternpartner kamen sich schließlich immer näher. Dabei entriss der Weiße Zwerg seinem Partner so viel von seiner Hülle, dass dessen Heliumkern sichtbar wurde. In der Folge strömte Helium von US 708 zum Weißen Zwerg. Bevor der Weiße Zwerg seinen Partnerstern komplett schluckte, explodierte der Zwergstern und wurde bei dieser sogenannten thermonuklearen Supernova komplett zerstört. "Diese Explosion hat sich vor rund 14 Millionen Jahren ereignet", sagte Geier.

Mit der Explosion des Weißen Zwergs fiel mit einem Schlag auch dessen Anziehungskraft auf US 708 weg. Dieser behielt seine ohnehin bereits immense Geschwindigkeit bei und wurde durch die Supernova sogar noch etwas beschleunigt. Seither ist er als schnellster Stern der Milchstraße unterwegs.

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