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"Homo naledi": Forscher entdecken neue Menschenart

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Fund in verborgener Höhle  

Überreste einer neuen Menschenart entdeckt

11.09.2015, 10:06 Uhr | dpa

"Homo naledi": Forscher entdecken neue Menschenart. Der Palaeontologe John Gurch hat eine Rekonstruktion des Homo naledis angefertigt - so könnte die neue Menschenart ausgesehen haben. (Quelle: Mark Thiessen/National Geographic)

Der Palaeontologe John Gurch hat eine Rekonstruktion des Homo naledis angefertigt - so könnte die neue Menschenart ausgesehen haben. (Quelle: Mark Thiessen/National Geographic)

In einer Höhle in Südafrika haben Forscher Fossilien entdeckt, die wohl zu einer bislang unbekannten Menschenart gehören. Den ausgestorbenen Verwandten des modernen Menschen haben sie Homo naledi genannt. Er war etwa 1,50 Meter groß und wog 45 Kilogramm. Einen "sehr grazilen Körperbau" bescheinigen ihm die Wissenschaftler - und ein nur etwa orangengroßes Gehirn.

Die Überreste der Art gehören zu einem umfangreichen Fund von Fossilien, den die Forscher in einer Höhle in Südafrika machten. Geborgen sind bislang mehr als 1550 Knochenteile - wie viele noch in der Höhle liegen, ist derzeit noch unklar.

War der Fundort eine Bestattungskammer?

Für die Bergung benötigten die Wissenschaftler besonders schlanke Helfer, denn die Fossilien lagen in einer abgelegenen Kammer der Höhle, die nur über eine sehr schmale Rinne zugänglich war. Wegen des Fundorts nehmen die Forscher an, dass die Toten bewusst abgelegt wurden. Dass Verstorbene bestattet werden, galt bislang als Ritual des modernen Menschen, Homo sapiens.

Doch andere Szenarien als eine Bestattung sind wohl ausgeschlossen: Da die Knochen relativ unbeschadet sind, gilt als unwahrscheinlich, dass Raubtiere oder Wasser die menschlichen Körper in die Kammer befördert haben könnten. Die wenigen nichtmenschlichen Fossilienteile dort stammen von zufällig in die Kammer geratenen Mäusen und Vögeln.

"Überraschend menschliche" Eigenschaften

Besonders erfreulich für die Wissenschaft: In der Kammer fanden sich fast alle Knochen von Homo naledi mehrfach, berichtet Teamleiter Lee Berger von der University of the Witwatersrand. Daher sei er der Wissenschaft schon jetzt besser bekannt als alle anderen fossilen Vertreter der menschlichen Abstammungslinie.

Der Schädel, die Zähne, Schultern und das Becken des Homo naledi ähnelten zwar den frühesten Vertretern unserer Gattung. In anderen Punkten sahen die Forscher aber auch "überraschend menschenähnliche" Eigenschaften: So etwa seien die Füße kaum von denen eines modernen Menschen zu unterscheiden. Mit den Händen war er wohl geschickt genug, um Werkzeuge zu benutzen. Die vergleichsweise stark gebogenen Finger deuteten zudem darauf hin, dass Homo naledi klettern konnte, mutmaßen die Paläo-Anthropologen.

Warnung vor "Überinterpretation"

Unterdessen gibt es auch Zweifel an der Einschätzung, dass es sich um eine neue Menschenart handeln könnte: "Das Material ist fantastisch", sagte der Anthropologe Christoph Zollikofer von der Universität Zürich zu dem Fund. "Die daraus abgeleiteten zwei Hauptthesen allerdings sind fragwürdig." Dass eine neue Art gefunden wurde, die zudem auch noch ihre Toten beerdigte, sei eine tolle Geschichte - die aber auf tönernen Füßen stehe. "Einer wissenschaftlichen Überprüfung hält das nicht stand."

Die Knochen zeigten "verblüffende Übereinstimmungen" zu denen, die bei Fossilien des frühen Homo erectus in Georgien gefunden wurden - etwa bei Beinen und Füßen. Wahrscheinlich seien die Knochen aus der Höhle dieser Art zuzuordnen, vermutet Zollikofer.

Auch an der These, es habe eine Art Bestattung der Toten gegeben, zweifelt der Züricher Forscher. "Seit deren Tod ist extrem viel Zeit vergangen, auch relativ unwahrscheinlich Wirkendes kann in so langer Zeit passieren." Das habe sich schon bei anderen zunächst spektakulär wirkenden Fundsituationen gezeigt. Es sei fatal, Hinweise so vorschnell überzuinterpretieren.

Genaues Alter wird derzeit bestimmt

Die gefundenen Überreste in der Höhle dürften von mindestens 15 Individuen stammen, berichten die Wissenschaftler im Fachblatt "eLife". Das exakte Alter werde nun untersucht. Dann lassen sich wohl auch fundierte Aussagen darüber treffen, wie der Fund einzuschätzen ist.

Der Name der neuen Art ist übrigens eine Hommage an ihren Fundort: Die Höhle in Südafrika heißt "Rising Star", zu deutsch aufgehender Stern. "Naledi" bedeutet in der regional gesprochenen Sprache Sesotho "Stern".

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