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Terceira: Urlaub auf den Azoren abseits des Massentourismus

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Terceira  

Urlaub auf den Azoren abseits des Massentourismus

22.08.2016, 14:23 Uhr | Christian Boergen/srt

Terceira: Urlaub auf den Azoren abseits des Massentourismus. Die Hauptstadt Angra do Heroísmo. (Quelle: C. Boergen/srt)

Die Hauptstadt Angra do Heroísmo. (Quelle: C. Boergen/srt)

Die Azoren profitieren vom Trend zu sicheren Reisezielen. Zwar steht das legendäre Azorenhoch keineswegs für permanenten Sonnenschein, dafür wird es auf der 56.000-Einwohner-Insel nie richtig kalt. Und es locken bunte Heiliggeistkapellen, Höhlen und Seen in Vulkankratern. Schauen Sie sich das Kleinod Terceira auch in unserer Foto-Show an.

Über 90 Meter tief hinab geht es im Inselzentrum in die "Kohlegrube". Die Höhle Algar do Carvão ist ungewöhnlich, da normale Vulkane einzustürzen pflegen und hier die Möglichkeit besteht, einen richtigen Schlot von innen zu erleben. Das ist nur möglich, weil beim Ausbruch vor 2000 Jahren zurückfließende Lava die Magmakammer versiegelt hat, erklärt Führer Ramiro. Nun geht es zu den Klängen psychedelischer Musik 320 Stufen unter von der Decke hängenden Stalaktiten in die Tiefe. Licht fällt von oben durch den grün bewachsenen Krater, in den sogar Bäume keck hineinragen. Unten erhellen Lichter die Basalttropfen der zweiten Eruption an den Wänden.

Konzerte in der natürlichen "Kathedrale"

Hinab tröpfelndes Wasser sorgt dafür, dass die Stalaktiten und Stalagmiten weiter wachsen. Ramiro zeigt auf eine große Gasblase sowie Vorkommen von Trachyt und dem vulkanischen Steinglas Obsidian. Unter einer vom Eisenoxyd geröteten Kuppel, der "Kathedrale", finden wegen der guten Akustik sogar Konzerte statt. Hier ist auch gut zu sehen, wie sich die Lava einen Nebenausgang gebahnt hat. Noch ein paar Stufen tiefer, dann schimmert dunkel, aber klar der von Regen- und Sickerwasser gespeiste, bis zu 15 Meter tiefe Kratersee vor den Augen staunender Urlauber. 

Fisch, Fleisch, Bier und Wein gibt es hier in Gourmetqualität. Vulkangestein ist auf der Insel, die ihren Namen "die Dritte" portugiesischen Seefahrern verdankt, die sie nach Madeira und den Kanaren als dritte entdeckten, der reinste Naturdünger. Auf der mit 402 Quadratkilometern Fläche zugleich drittgrößten Azoreninsel sind Ställe ein Fremdwort. Also grasen die Kühe den ganzen Tag mit Meerblick auf den Weiden. "Das schmeckt man beim Verzehr von Steaks und Käse", weiß Erik Bergmüller, Air-Berlin-Touristikmanager. Und Ramiro ergänzt: "Unsere Kühe haben Muskeln, weil sie den ganzen Tag laufen müssen." 

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Entdecken Sie die Heiliggeistkapellen

Für Farbtupfer sorgen etwa 70 über Terceira verteilte Heiliggeistkapellen. Sie werden "Imperio" genannt und dürfen in keinem Dorf fehlen. Bereits von Weitem sind sie an Krone, Taube und Zepter erkennbar. Diese drei Symbole stehen für Espirito Santo, den Heiligen Geist. Mindestens eines ziert den Giebel der ganz überwiegend bunt gestrichenen Kapellen. Ihr Innenraum mit dem Altar bleibt verschlossen und wird lediglich anlässlich des Heiliggeistfests, das jedes Dorf an einem anderen Tag feiert, einmal im Jahr geöffnet. Oft endet das Feiern mit einem "Stierkampf am Strick", wie es ihn nur auf Terceira gibt. Bei dem Tauziehen zwischen Wagemutigen und dem Stier, dessen Tradition auf das 16. Jahrhundert zurückgeht, bleibt der Paarhufer stets am Leben.

Weltwunder und Weltkulturerbe ist Angra do Heroísmo, dessen vom Neujahrsbeben 1980 schwer beschädigte Renaissance-Altstadt in Rekordzeit wieder aufgebaut wurde. Die als schönste Stadt der Azoren geltende Inselkapitale hat die Unesco 1983 in ihre Welterbeliste aufgenommen. Zweimal war Angra sogar portugiesische Hauptstadt. Vor den Habsburgern floh Thronfolger Dom António 1580 dorthin, bis die Spanier drei Jahre später auch Terceira unterwarfen. Philipp II. von Spanien und I. von Portugal ließ die vier Kilometer langen Mauern der auch Castelo de São João Baptista genannten Burg São Filipe auf dem Monte Brasil errichten. 

Eine wundervolle Aussicht erleben

Ein auf dem Tuffvulkan stationiertes Regiment macht die imposante Anlage zur ältesten, ständig mit portugiesischen Truppen belegten, Festung. Dennoch ist das Gelände mit der wunderbaren Aussicht auf Angra tagsüber frei zugänglich. Angra wurde 1828 erneut Hauptstadt Portugals, als Terceira auf Seiten des Liberalen Dom Pedro IV. im Bürgerkrieg um die Thronfolge gegen dessen absolutistischen Bruder Dom Miguel I. kämpfte. Das sollte Königin Dona Maria II. später mit dem Beinamen "do Heroísmo" für die heldenhafte Inselhauptstadt würdigen. Ein Obelisk, unter dem sich Angra malerisch ausbreitet, erinnert bis heute an die Befreiung vom Militärregime. 

Die Natobasis Lajes, wo Air Berlin bis Ende Oktober landet, gilt als einer der sichersten Flughäfen weltweit, freut sich derweil Bergmüller. Der angeschlossene Zivilairport mit dem Kürzel TER dient auch als Ausweichflughafen bei Transatlantikflügen, die Flugsicherung besorgt das Militär. Führer Ramiro hebt derweil ganz andere Sicherheitsaspekte hervor: "Dass Sie auf Terceira keine Polizeiwagen sehen, liegt daran, dass sie nicht gebraucht werden." 

Der ideale Ort zum Wandern

Einig sind sich beide, dass die Azoreninsel ideal zum Wandern, Radfahren, Reiten und Tauchen, für Wiederholer, die keinen Massentourismus wollen, sowie als Sprungbrett nach Faial und Pico ist. Auf Faial machen Segelcrews bei Transatlantiküberquerungen Station. Dort locken der Riesenkrater Caldeira sowie die 1957/58 durch einen unterseeischen Vulkanausbruch entstandene Halbinsel Ponta dos Capelinhos. Die Weininsel Pico dominiert hingegen der 2351 Meter hohe gleichnamige Vulkan. 

Vier Walarten tummeln sich das ganze Jahr über in den Gewässern um Terceira, wo der Walfang erst Anfang der 80er Jahre eingestellt wurde. Heute befindet sich hier eines der größten Walschutzgebiete der Welt. Solange die See nicht aufgewühlt ist, lassen sich die Meeressäuger vor den Azoren kaum verfehlen. Insgesamt ein Drittel des weltweiten Vorkommens und 24 Arten sind auf "halben Weg nach Amerika" im Atlantik unterwegs, oder ziehen je nach Saison an Terceira vorbei. 

Weitere Informationen: 

  • Tourismusverband der Azoren, Avenida Infante D. Henrique 33, 1D, 9500-150 Ponta Delgada, Portugal, Tel. 00351/296/288082, www.visitazoren.com
  • Die Vulkanhöhle Algar do Carvão öffnet von Juni bis September täglich von 14.45 bis 17.45 Uhr, im April, Mai und Oktober von 15.00 bis 17.30 Uhr. Der Eintritt kostet 4 Euro pro Person. 
  • Walbeobachtung ist auf Terceira das ganze Jahr über möglich. Im Sommer kommen häufiger Atlantische Fleckendelfine, Pott-, Sei- und Bartwale vor. Blauwalsaison ist Ende Winter. Ausfahrten ab Angra do Heroísmo und Praia da Vitória; Anbieterliste unter www.visitazores.com.

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