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Die neuen Abzocktricks der Autovermieter

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Die neuen Abzocktricks der Autovermieter

27.08.2012, 12:35 Uhr | Fabian von Poser/srt

Die neuen Abzocktricks der Autovermieter. Vorsicht bei Mietwagen. (Quelle: Thorben Wengert/srt)

Vorsicht bei Mietwagen. (Quelle: Thorben Wengert/srt)

Es ist diese Dreistigkeit, die Gerhard Schlegel so ärgert. Wenn er an den Tag Ende Juni zurückdenkt, kann er sich immer noch in Rage reden. Damals hatte der 32-Jährige in Jerez de la Frontera an der Costa de la Luz einen Renault Mégane gemietet. 300 Euro für drei Wochen. Ein Schnäppchen. Obwohl Schlegel schon bei der Buchung in Deutschland alle nötigen Versicherungen abgeschlossen hatte, versuchte der Vermieter in Spanien ihm ein Komplettpaket anzudrehen. "Sie haben mir regelrecht Angst gemacht", sagt der Münchner. "Meine Versicherung sei nicht ausreichend. Glasschäden, kaputte Reifen, fehlende Radkappen, Kratzer und Beulen: Ich hätte im Schadensfall mit enormen Kosten zu rechnen." Zu seinem Glück willigte Schlegel nicht ein - und sparte mehr als hundert Euro, die er sonst doppelt bezahlt hätte.


Vorsicht vorzusätzlichen Versicherungen

Es geht konkret um einen Fall des Vermieters Goldcar. "Wir sind die Nummer eins in der Vermietung von preiswerten Mietwagen in Spanien", wirbt das Unternehmen auf seiner Webseite. Und "Experten darin, Ihre Bedürfnisse zu befriedigen." Man biete besten Service. Gleichzeitig betreibt Goldcar eine aggressive Preispolitik - und fällt in letzter Zeit immer häufiger durch Kundenbeschwerden auf. Und da ist das Unternehmen aus Alicante nicht alleine. Auch bei anderen Anbietern häufen sich die Klagen. Die neueste Masche ist genau die: Egal, ob der Kunde in Deutschland schon Versicherungsschutz gebucht hat oder nicht, versucht der Vermieter ihm zusätzliche Policen aufs Auge zu drücken. Einige Anbieter schulen ihre Mitarbeiter regelrecht darauf, Verunsicherung beim Kunden zu schüren und so möglicherweise ein und dieselbe Versicherung ein zweites Mal zu verkaufen.

Mallorca - Insel der Mietwagen

Besonders betroffen ist Spanien, und dort vor allem Mallorca, denn die Baleareninsel ist nicht nur die Insel der Deutschen, sondern auch die der Mietwagen. Mehr als 45.000 Leihautos rollen jeden Sommer durch Palma, Sóller, Andratx und Co. Die Ferieninsel ist ein gigantischer Markt: 2011 landeten am Flughafen von Palma 22,7 Millionen Gäste, damit ist Mallorca nach Madrid und Barcelona der drittgrößte Flughafen des Landes. Von diesem Kuchen will jeder etwas abhaben. Der Wettbewerb ist so hart wie an keinem anderen Ort in Europa. Es herrscht ein enormer Preiskampf. Erst im Frühjahr musste die Firma Aurigacrown den Betrieb einstellen. Dazu kommt diesen Sommer ein Überangebot an Fahrzeugen. Schon in den Osterferien sanken die Preise rapide. Der Grund: Die Nachfrage besonders britischer und spanischer Kunden ist wegen der Wirtschaftskrise stark zurückgegangen.

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Große Firmen setzen kleine unter Druck

"Das Problem sind die Großen", sagt Ramón Reus i Llobera, Präsident der Vereinigung mittelständischer Autovermieter (AEVAB) auf den Balearen. "Sie haben Flotten von 20.000 Fahrzeugen und mehr, die nur zur Sommersaison auf die Insel geschifft werden, und nötigen die Kleinen dazu, mit niedrigen Preisen in den Markt zu gehen." Seit Jahren koste ein Kleinwagen im Schnitt 25 Euro am Tag. Zu wenig, wie Reus i Llobera findet, auch weil die Margen um 50 Prozent gesunken seien. Auf den Balearen gibt es derzeit etwa 340 Autovermieter. Allein in den vergangenen fünf Jahren haben 70 der kleineren Firmen Pleite gemacht. Die, die überlebt haben, halten es wie die Billigflieger: Sie streichen Leistungen, um beim Preis wettbewerbsfähig zu bleiben. "Natürlich leidet darunter der Service", gibt der Verbandschef zu. Es gebe auch einige Anbieter, die ihren Kunden bewusst Informationen vorenthalten, wie Reus i Llobera es umschreibt. Diese seien bekannt. "Aber eine ganze Branche unter Generalverdacht zu nehmen, ist nicht angebracht."

Transfer zum Mietwagen

Ein großer Teil der Mietwagen-Buchungen in Deutschland läuft heute über Broker wie Auto Europe, Sunny Cars, Holiday Autos, Drive FTI und Car del Mar. Oder aber über Portale wie Billiger-Mietwagen.de, Mietwagenmarkt.de, Mietwagen-Check.de und Mietwagen-Auskunft.de. Sie versuchen ihre Kunden schon bei der Buchung zu warnen, aber nicht immer mit Erfolg. "Es gibt zwei Arten von Autovermietern", sagt Frieder Bechtel vom Internet-Preisvergleicher Billiger-Mietwagen.de. "Diejenigen, die höhere Preise haben und damit auch höhere Margen. Und die, die auf Masse setzen und niedrigere Raten anbieten." Durchforstet man die Kundenkommentare auf den Buchungsseiten, so ist das beliebteste Zubrot der Vermieter der Verkauf von Doppelversicherungen, dicht gefolgt vom verpflichtenden Kauf einer kompletten Tankfüllung. Grund für Beschwerden sind immer öfter auch veraltete Fahrzeuge. Und selbst davon wird berichtet: Einige Billiganbieter sparen sich mittlerweile das Büro am Flughafen und fahren ihre Kunden per Shuttle zu einer billigen Mietwagenstation im Industriegebiet. Das kann den Gast dann schnell zwei Stunden kosten, wenn der Transfer schlecht organisiert ist.

In Portalen vergleichen

Natürlich: Nicht alle Vermieter versuchen ihre Kunden auszutricksen. Doch das Hauptproblem wird offensichtlich: Auf Mallorca tummeln sich unzählige Anbieter, da ist es für den Kunden schwer, den Überblick zu behalten. So gibt es neben bekannten Marken wie Sixt, Hertz, Avis, Budget, Europcar und Alamo/National Dutzende hierzulande weitgehend unbekannte Namen wie Goldcar, Record, Hiper, BK Rent a Car und Marbenjo. Selbst einige Große haben mittlerweile Billigmarken gegründet, zum Beispiel Hertz mit Advatage und Europcar mit Interrent. Wer sich nicht durch die Bewertungsportale klicken möchte, um herauszufinden, welcher Vermieter vertrauenswürdig ist, dem rät Frieder Bechtel dazu, nicht nur nach dem Preis, sondern nach der Anzahl der Sterne zu gehen. Denn die Mietwagenportale nennen oft nicht explizit den Namen des Anbieters, zeigen aber immer die Kundenbewertungen an: "Ein paar Euro mehr können eine Menge Ärger ersparen", sagt Bechtel. Bei den internationalen Marken gelte zum Beispiel immer die Tankregelung "vollgetankt übernehmen, voll zurückgeben". Die Billigmarken dagegen kassierten häufig saftige Gebühren für den ersten Tank. Dazu kämen weitere Stolpersteine, die den Kunden Geld und Nerven kosteten.

Nichts aufzwingen lassen

Um Kunden davor zu schützen, klärt Bechtels Unternehmen Urlauber, die über sein Portal buchen, neuerdings vor Reiseantritt über die Risiken vor Ort auf. So erhalten sie ein Infopaket, das individuell auf die Mietwagen-Buchung abgestimmt ist, sowie einen Handzettel, auf dem sowohl in deutscher als auch in der Landessprache die gebuchten Versicherungen aufgelistet sind. Auch andere Anbieter versuchen ihre Kunden über die Risiken an der Mietstation aufzuklären. Gerhard Schlegel hilft das nichts mehr. Zwar konnte der Münchner das Versicherungspaket bei Abholung des Wagens noch abwimmeln. Bei der Abgabe in Bilbao gelang es dem Vermieter aber doch noch, ihm zusätzliches Geld abzuknöpfen: 100 Euro für einen nicht gefüllten Tank. Außerdem berechnete er Schlegel 40 Euro für die Reinigung des Autos, obwohl er es vorher gründlich sauber gemacht hatte. "Viel Geld für ein paar Sandkörner", sagt der Münchner. Statt dem vermeintlichen Schnäppchen von 300 Euro plus 100 Euro Rückführungsgebühr zahlte er am Ende 540 Euro. Schlegels nüchternes Fazit: "Den Wagen hätte ich woanders wohl billiger bekommen."

(Erstmals veröffentlicht am 27. August 2012)

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