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TSV 1860 München: Die unendliche Geschichte der Löwen

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Chaos beim TSV 1860  

Die unendliche Geschichte der sehnsüchtigen Löwen

23.10.2014, 10:25 Uhr | t-online.de

TSV 1860 München: Die unendliche Geschichte der Löwen. Sinnbildlich für den ganzen Klub: Markus Steinhöfer am Boden. (Quelle: dpa)

Sinnbildlich für den ganzen Klub: Markus Steinhöfer am Boden. (Quelle: dpa)

Aus München berichtet Marc L. Merten

Die Farbe blau steht für Ruhe, Zufriedenheit und Harmonie, für inneren und äußeren Frieden. Sie wird in der Psychotherapie angewandt, um Stress zu bekämpfen und Konflikte zu lösen. Man müsste meinen, der TSV 1860 München wäre ein Meister darin. Doch die Weiß-Blauen tun mal wieder alles, um die Bedeutung ihrer Vereinsfarbe ad absurdum zu führen. Sie verklagen sich sogar gegenseitig und schicken sich per Gericht zum Psychiater. Selbst Papst Franziskus macht alles nur noch viel schlimmer. 

Aber dazu später mehr. Vordergründig geht es bei den Löwen ja noch immer um Fußball – um Zweitligafußball, aber immerhin. Sechzig gehört ohne Frage zu den großen Traditionsklubs im Profigeschäft, und so öffnete der Meister von 1966 im Sommer als erster Klub in der Geschichte der Bundesliga einem Kamerateam für eine volle Saison alle Türen und Tore. Der Gedanke: Zusammen mit dem Bezahlsender Sky sollte eine Dokumentation über die Löwen entstehen, die zeigt, wie sich Profifußball wirklich anfühlt, was wirklich hinter verschlossenen Türen passiert, was geschieht in der Umkleide, im Mannschaftsbus, in den Büros der Bosse und während Trainer-, Scouting- oder Teamsitzungen. 

Barceloneske Ziele, naive Umsetzung 

Die Dokumentation "57, 58, 59, Sechzig" soll in vier Teilen ausgestrahlt werden. Teil eins lief am Montag. Die Doku floppte. Gerade einmal 10.000 Zuschauer, an der Schwelle zur Quoten-Messbarkeit. Doch das ist nur das geringste Problem der Löwen. Die Doku, die eigentlich gut gemeint war und eine Chance für den Klub sein sollte, sich als authentischer – und seriöser – Verein zu präsentieren, entlarvte schon in ihrem ersten Teil die Naivität, mit der die Sechzger in diese Spielzeit gestartet waren. Dass die erste Folge ausgerechnet am Tag nach der blamablen 1:4-Klatsche in Aue, dem bisherigen Tiefpunkt der Saison, ausgestrahlt wurde, war nur die Kirsche auf dem Sahnehäubchen eines vergifteten Kuchens. 

Dabei hatte im Sommer große Euphorie geherrscht an der legendären Grünwalder Straße. Alles sollte besser werden. Gerhard Poschner, seit April der neue starke Mann in den Geschäftsräumen der Löwen, hatte dem Verein einen Umbruch verordnet. Weg vom defensiven Langweiler-Fußball, hin zu einem barcelonesken 4-3-3. Offensiv. Attraktiv. Zukunftsorientiert. Erstliga-orientiert. Bis in die Jugendmannschaften sollte so gespielt werden. Und bei den Profis sollte dies von Neu-Trainer Ricardo Moniz umgesetzt werden.

Vom Egozentriker zum ewigen Interimstrainer

Poschner entschied sich für den Niederländer und ehemaligen HSV-Coach wegen dessen Verrücktheit, Begeisterungsfähigkeit und Überzeugung des vom Sportchef vorgegebenen Spielsystems. Er sortierte zehn teils altgediente Spieler aus und holte zehn neue, die in Moniz’ und seine Vorstellung von Fußball passten. Was er zu dem Zeitpunkt noch nicht ahnen konnte: Moniz entpuppte sich als egozentrischer und unverbesserlicher Alleingänger, der die Zweite Liga nicht kannte und sich doch allen Ratschlägen verschloss. Weshalb Teil eins der Sky-Doku direkt mal zeigen konnte, wie eine Trainerentlassung abläuft. 

Teil zwei der Filmreihe wird sich nun mit der "Ära“ Markus von Ahlen befassen. Dessen Vita bei den Löwen ist eindrücklich. Er ist nicht einmal zwei Jahre im Verein, hat aber schon unter drei Cheftrainern als Assistent gedient und alle drei jeweils nach ihrer Demission als Interimstrainer vertreten. Nun ist er selbst Chef und alle fragen sich: Wie lange noch? Schon jetzt, nach der Haue in Aue vom Sonntag, musste sich Poschner fragen lassen, ob "MvA" der Richtige sei. Die Rechnung scheint einfach: Kriegt von Ahlen bis zur Winterpause die Kurve, wird er bleiben. Stehen die Löwen bis dahin weiter auf einem Abstiegsplatz (aktuell Rang 17), dürfte im Winter der dritte Übungsleiter der Saison in Obergiesing aufschlagen. 

Präsidiale Schizophrenie

Filmemacher Jürgen Müller, verantwortlich für die Sky-Doku, kann sich die Hände reiben. Mit Sechzig hat er das große Los gezogen. Denn mitnichten muss sich Müller einzig auf das Sportliche beschränken. Die Löwen wären nicht die Löwen, wenn sie sich nicht einen ganzen Zoo voller ausgefallener Tierarten halten würden. Eines der ganz besonders possierlichen Tierchen ist ein gewisser Helmut Kirmaier. Kirmaier ist Mitglied des TSV 1860. Und als solches hat er es geschafft, den Verein ins Chaos zu stürzen. Weil er und sein Anwalt findige Leute sind, ließen sie im Juli 2014 die Vorstandswahlen vom Vorjahr gerichtlich für ungültig erklären. 

Wie das funktionierte und was für rechtliche Konsequenzen das nun hat, wäre selbst in einer vierteiligen Löwen-Doku nicht aufzudröseln. Nur so viel: Der mit knapp 96 Prozent aller Stimmen gewählte Präsident Gerhard Mayrhofer ist heute nur noch ein Not-Vorstand. Zwischenzeitlich durfte er noch nicht mal mehr das Papier unterschreiben, auf dem sein Name als Präsident prangte. Dies brachte ihm eine weitere Klage Kirmaiers ein – und hier kommt Papst Franziskus ins Spiel. Dieser war von den Löwen zum Ehrenmitglied ernannt worden, wie schon sein Vorgänger Papst Benedikt XVI. Doch das Ausstellen eben jener Urkunde, die diese Ehrenmitgliedschaft attestierte, war laut Kirmaiers Anwalt "Urkundenfälschung". 

Die zwei anderen Bedeutungen der Farbe blau

Und weil sich Mayrhofer trotzdem nicht beirren lässt und daran festhält, eigentlich weiterhin Präsident des TSV 1860 zu sein – eben nur noch nicht wieder offiziell eingesetzt – erklärte ihn Kirmaiers Anwalt nun sogar zum Irren. In einem Schreiben an das Registergericht München unterstellte jener Anwalt Mayrhofer Wahnvorstellungen und Schizophrenie und forderte ihn auf, sich in der Psychiatrischen Klinik Münchens einer Untersuchung über seine "geistige und charakterliche Befähigung" zu unterziehen.

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Selbst der hartgesottenste Anhänger schüttelt bei solchen Unruhen, die den Klub aktuell umgeben, nur noch ungläubig den Kopf. Von der Aufbruchsstimmung des Sommers ist längst nichts mehr übrig geblieben. Von weiß-blauer Harmonie und Zufriedenheit auch nichts. Und bei all dem Gerede um psychiatrische Gutachten und Schizophrenie mag sich mancher Fan sogar an zwei weitere Bedeutungen der Farbe blau erinnern: Unendlichkeit und Sehnsucht. Schließlich ist Sechzig aktuell unendlich weit von den eigenen Zielen entfernt und wünscht sich sehnsüchtig bessere Zeiten herbei.

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