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Stürmer der Bundesliga: Lewandowskis Stärke ist Werners Schwäche

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Der große Vergleich  

So steht es wirklich um die Stürmer in der Bundesliga

27.02.2018, 08:32 Uhr | Constantin Eckner, t-online.de

Stürmer der Bundesliga: Lewandowskis Stärke ist Werners Schwäche. Werner, Lewandowski und Batshuayi (v. li.): Die Stürmer der Bundesliga haben unterschiedliche Stärken. (Quelle: imago)

Werner, Lewandowski und Batshuayi (v. li.): Die Stürmer der Bundesliga haben unterschiedliche Stärken. (Quelle: imago)

Ablagenstürmer, Drifter und Alleskönner: Die Bundesliga hat die verschiedensten Stürmertypen. Welche es gibt und wer seine Torgefährlichkeit opfert. 

Der Transfermarkt ist äußerst überschaubar und viele Klubs sind teils verzweifelt auf der Suche nach dem passenden Kandidaten, der Torgefahr ausstrahlt und auch spielerische Qualitäten mitbringt. Ohne einen oder mehrere kompetente Angreifer ist der sportliche Erfolg jeder Mannschaft bedroht. 

Auch in der Bundesliga ist die Gruppe an Mittelstürmern recht klein, aber umso artenreicher. Je nach finanziellen Möglichkeiten und taktischer Ausrichtung verfügen die Klubs über spezielle Stürmertypen, die im besten Fall perfekt zum Spielsystem passen. Um die Mittelstürmer der Bundesliga zu kategorisieren, lohnt sich ein Blick auf statistische Werte.

  (Quelle: Grafik: spielverlagerung.de) (Quelle: Grafik: spielverlagerung.de)

Grafik 1: Diese Grafik stellt Schuss- und Passproduktion dar. Unter „kurzen Pässen“ sind Zuspiele von einer Länge kürzer als 23 Meter zu verstehen. Die Werte basieren nur auf Einsatzminuten, in denen die Spieler taktisch als Mittelstürmer agierten. Die Daten stammen von Whoscored.com.

Natürlich sollte die höchste Priorität für jeden Angreifer sein, Torschüsse zu erarbeiten und selbst abzugeben. Ohne Torschüsse sind keine Treffer möglich. Aber manche Stürmer opfern ihre eigene Torgefährlichkeit zugunsten der offensiven Durchschlagskraft des gesamten Teams. Sie bringen sich stärker ins Kombinationsspiel ein und tauchen tendenziell häufiger im Mittelfeld auf. Andere konzentrieren sich auf die Arbeit im gegnerischen Strafraum und versuchen um jeden Preis, Schüsse auf den Kasten abzugeben.

 (Quelle: Grafik: spielverlagerung.de) (Quelle: Grafik: spielverlagerung.de) 

Grafik 2: Diese Grafik stellt die Anzahl an Dribblings und Luftzweikämpfen dar. Die Werte basieren nur auf Einsatzminuten, in denen die Spieler taktisch als Mittelstürmer agierten. Die Daten stammen von Whoscored.com.

Körperliche Komponenten und technische Fähigkeiten haben einen erheblichen Einfluss auf das Spiel der Mittelstürmer. Manche können sich sehr gut in der Luft behaupten und werden dementsprechend häufiger mit langen Bällen gesucht. Andere sind agiler und forcieren bevorzugt Zweikämpfe am Boden, gehen vermehrt ins Dribbling und suchen dafür offene Räume außerhalb des zumeist dicht besetzten Spielfeldzentrums.

Alleskönner und Bewegungsstürmer

Selbstverständlich hat eine Mannschaft in ihren Reihen am liebsten einen Alleskönner, der in nahezu jedes Spielsystem integriert werden kann. Ein Paradebeispiel außerhalb der Bundesliga ist Karim Benzema von Real Madrid. Stürmertypen wie der vielseitige Franzose sind rar. Benzema nahe kommt Bayerns Robert Lewandowski. Der 29-Jährige hat sich in den letzten Jahren zu einem beweglichen und gleichzeitig abschlusssicheren Spieler entwickelt, den der Tabellenführer je nach Bedarf einbindet.

Borussia Dortmund verfügt ebenso über einen solchen Mittelstürmer, wenn auch nur auf Leihbasis. Winterneuzugang Michy Batshuayi konnte bereits in den ersten Partien unter Beweis stellen, dass er vielseitig und in jeder Rolle auf hohem Niveau spielen kann – ob als Zielspieler an der Abseitslinie, verkappter Spielmacher hinter André Schürrle und Marco Reus oder Tempostürmer bei Konterangriffen.

Zwei Angreifer, die auch in diese Kategorie fallen können, aber unter dem Radar fliegen sind Niclas Füllkrug von Hannover 96 und Jann-Fiete Arp vom Hamburger SV. Naturgemäß ist Letzterer noch am Anfang seiner Entwicklung auf Bundesliganiveau und wird sicherlich in seinen Fähigkeiten als Bewegungsstürmer nicht unbedingt vom Offensivsystem des HSV begünstigt. Aber in den kommenden Jahren könnte sich Arp als nächster Alleskönner entpuppen. Die technischen und taktischen Qualitäten besitzt er allemal.

Tiefenläufer und Drifter

Weniger variabel sind jene Angreifer, die vor allem über ihre Dynamik – und in manchen Fällen Endgeschwindigkeit – offensive Durchschlagskraft erzeugen möchten. Diese Stürmertypen müssen ins Spielsystem passen. Andernfalls könnten sie komplett wirkungslos bleiben. Ein perfektes Beispiel ist Timo Werner in Diensten von RB Leipzig. Die Sachsen suchen insbesondere nach Ballgewinnen oftmals das steile Zuspiel hinter die gegnerische Abwehrreihe. Werner ist dafür der Abnehmer, der sich mit seinem Tempo von den Verteidigern absetzen kann.

Nicht selten tut er das in den Halb- oder Flügelräumen, wo sich mehr Platz für ihn und seine Läufe ergibt. Ein solcher „Drifter“ ist auch der Ex-Leipziger Ante Rebić, der mittlerweile das Trikot von Eintracht Frankfurt trägt. Der Kroate durchlebte in den letzten Jahren eine Transformation vom Flügel- zum Mittelstürmer. Doch die spielerischen Elemente aus der Anfangszeit seiner Karriere sind nicht verschwunden. Er bringt sie stattdessen immer wieder ein, indem er nach außen driftet und es von dort mit Dribblings versucht.

Schalkes Embolo (li.): Der Schweizer spielt variabel im Angriff. (Quelle: imago)Schalkes Embolo (li.): Der Schweizer spielt variabel im Angriff. (Quelle: imago)

Eine ähnliche Rolle könnte auch Breel Embolo bei Schalke 04 übernehmen, da der Schweizer im Verlauf seiner bisherigen Karriere zwischen Flügel- und Mittelsturm pendelt und die notwendige Dynamik mitbringt. Aber nach einem schlechten Start mit viel Verletzungspech bei den Königsblauen wird der hochbegabte 21-Jährige sicherlich noch etwas Zeit benötigen, um sich endgültig zu akklimatisieren. Aber die letzten Auftritte waren bereits vielversprechend.

Einen etwas andersartigen Typ des dynamischen Tiefenläufers verkörpert Daniel Ginczek. Der Stuttgarter Angreifer sucht vor allem die Wege im Zentrum und probiert mit viel Energie die gegnerische Innenverteidigung auf dem falschen Fuß zu erwischen und zu überwältigen.

Ablagen- und Zielstürmer

Spieler wie Werner und Rebić werden in einem System mit Zwei-Mann-Sturm am besten mit physischen Angreifern gepaart, die lange Anspiele zunächst verwerten, um anschließend den Pass auf den Tiefenläufer vorzubereiten oder Raum für den Dribbler kreieren. In Leipzig agiert Werner oftmals zusammen mit Yussuf Poulsen im Offensivzentrum. Der Däne kann seinen Körper zwischen Ball und Gegner bringen und beispielsweise Zuspiele aufnehmen und ins Mittelfeld ablegen, während sich Werner in Position bringt.

Bei der Frankfurter Eintracht stellt Trainer Niko Kovač zumeist Rebić zusammen mit Sébastien Haller im 3-1-4-2 auf. Haller ist ein klassischer Zielstürmer, der aufgrund seiner Größe die notwendige Durchschlagskraft im Strafraum hat und zugleich die Aufmerksamkeit der Verteidigung auf sich zieht – ganz zum Wohlwollen von Rebić.

Physisstürmer

Eine etwas andersartige Variante des Zielstürmers wird beispielsweise von Sandro Wagner verkörpert. Der 30-Jährige, der im Winter von 1899 Hoffenheim zu Bayern München wechselte, ist ein exzellenter Kopfballspieler. Es gibt nicht viele Angreifer, die in der Luft einen klaren Vorteil gegenüber den meisten Innenverteidigern der Bundesliga haben. Wagner ist jedoch einer von ihnen. Dieses Attribut unterscheidet ihn vom Rest, während er in anderen Bereichen recht limitiert ist.

Bayerns Sandro Wagner: Der Torjäger verkörpert den Physisstürmer. (Quelle: imago)Bayerns Sandro Wagner: Der Torjäger verkörpert den Physisstürmer. (Quelle: imago)

Mario Gómez ist ebenso ein Mittelstürmer, der erfahrungsgemäß nicht der technisch versierteste und eleganteste Spieler ist, aber seine Physis einzusetzen weiß. Zu seiner Glanzzeit gab es nahezu keinen Neuner, der eine ähnliche Urgewalt in Strafraumzweikämpfen entwickelte. Interessanterweise scheint sich Gómez seit Tayfun Korkuts Amtsübernahme in Stuttgart in eine andere Richtung weiterzuentwickeln. Im Zusammenspiel mit Ginczek lässt er sich häufiger nach hinten fallen und schirmt den Ball mit seinem Körper ab. Physisstürmer sind nicht nur in Tornähe zu gebrauchen.

Das gilt allerdings nur bedingt für Simon Terodde. Schon zu Zweitligazeiten fiel der heutige Profi des 1. FC Köln nicht durch seine Qualitäten bei Ballannahmen oder Passstafetten auf. Terodde war manchmal eher ein Risikofaktor für seine Mannschaft, wenn er sich allzu weit vom Tor entfernt ins Spiel einbrachte. Aber im Strafraum besitzt er physische Qualitäten und den notwendigen Instinkt, die ihn zu einem wertvollen Abschlussspieler machen.

Spielmachende Neuner

Das krasse Gegenteil von den Teroddes und Wagners sind die Akteure, die nur auf dem Papier als Mittelstürmer fungieren, aber eigentlich verkappte Spielmacher sind. Ein Paradebeispiel ist Max Kruse in Diensten von Werder Bremen. Auf dem Spielberichtsbogen ist der ehemalige Nationalspieler als Neuner im 4-3-3 geführt, aber in der Realität lässt er sich regelmäßig ins Mittelfeld fallen und empfängt sogar Pässe der Innenverteidiger, um den Spielaufbau anzukurbeln. Diese Rolle funktioniert allerdings nur, wenn beispielsweise die Flügelangreifer oder offensiven Mittelfeldspieler gleichzeitig in die offenen Zonen starten und sich daraus eine gewisse Dynamik innerhalb der Formation entwickelt. Gleichzeitig kann ein Kruse eventuell einen mannorientierten Verteidiger aus der Abwehrkette herausziehen und zusätzlich Platz kreieren.

Bremens Kruse (m.) ist ein spielmachender Neuner. (Quelle: imago)Bremens Kruse (m.) ist ein spielmachender Neuner. (Quelle: imago)

Eine ähnliche Rolle füllt Lars Stindl bei Borussia Mönchengladbach aus. Es ist ein entscheidender Bestandteil des Fohlen-Systems, in welchem beide Mittelstürmer im 4-4-2 vielfach nach hinten fallen oder auf die Flügel ausweichen. Stindl tut dies aber teils noch regelmäßiger als Thorgan Hazard oder Raffael.

Auch Schalkes Franco Di Santo neigt dazu, im Mittelfeld aufzutauchen und am Passspiel teilzunehmen. In seinem Fall wird deutlich, dass es nicht immer taktische Anweisungen sein müssen, die zu einem solchen Spielstil führen. Di Santo möchte schlichtweg nicht in der Nähe der Abseitslinie auf Anspiele warten. Schalke-Trainer Domenico Tedesco versuchte diese Facette in Di Santos Spiel zuletzt ganz bewusst zu nutzen, indem er den Argentinier auf der Zehnerposition hinter Guido Burgstaller und Breel Embolo aufstellte.

Fazit

Die Suche nach dem für ein Spielsystem perfekten Mittelstürmer kann über Wohl und Wehe eines Vereins entscheiden. In dieser Saison verdeutlichten Klubs wie Mainz 05 oder der VfB Stuttgart, was passiert, wenn nicht nur der Spielaufbau hakt, sondern auch ganz vorn keiner ist, der die Kugel über die Linie bringt. Die Entwicklung weg vom Zwei-Mann-Sturm seit den 1990ern und ein größerer Fokus auf technische Qualitäten in der Ausbildung haben gewiss die Kandidatendichte für die Mittelstürmerposition verringert.

Aber junge Talente wie Hamburgs Arp, Johannes Eggestein oder Alexander Isak beweisen, dass der Neuner nicht etwa ausstirbt. Er verändert sich nur. Die Anforderungen werden facettenreicher. Die althergebrachten Abstauber ohne jegliche Qualitäten am Ball können im heutigen Fußball nur noch schwerlich überleben. Ein Mindestmaß an Technik ist erforderlich, was jedoch nicht bedeutet, dass der physisch imposante Hüne im Sturmzentrum nicht weiter seine Berechtigung hat. Alles hängt von der Spielidee ab.

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