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Tour de France 2016: Sprintstar Marcel Kittel ist wieder ganz der Alte

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"Mistjahr" 2015 vergessen  

Sprintstar Kittel ist wieder ganz der Alte

06.07.2016, 17:38 Uhr | sid

Tour de France 2016: Sprintstar Marcel Kittel ist wieder ganz der Alte. Glanzvolles Comeback: Marcel Kittel jubelt nach seinem Sieg auf der vierten Etappe. (Quelle: imago/Belga)

Glanzvolles Comeback: Marcel Kittel jubelt nach seinem Sieg auf der vierten Etappe. (Quelle: Belga/imago)

Marcel Kittel griff zum Küchenmesser und köpfte gekonnt die Champagner-Flasche, das gesamte Team feierte seinen Kapitän mit einem Klatschkonzert: Nach dem wichtigsten Sieg seiner Karriere brachte der deutsche Topsprinter die Stimmung im Mannschaftshotel zum Kochen.

"Das tut mir, das tut uns unglaublich gut", sagte Kittel und stieß noch einmal auf seinen Tour-Coup auf der vierten Etappe an.

"Erwartungshaltung riesig"

Der 28-Jährige in Diensten des belgischen Top-Rennstalls Etixx-Quick Step ist beleibe kein Frischling mehr in der Szene: Mit 70 Karriere-Siegen in Profirennen war Kittel in die Frankreich-Rundfahrt gegangen, 13 davon alleine bei großen Rundfahrten, acht bei der Tour. Der hauchdünne Triumph in Limoges aber, als er sich genau 28 Millimeter vor dem Franzosen Bryan Coquard ins Ziel rettete ("Der Strich hätte keinen Meter später kommen dürfen"), krempelte Kittels Gefühlsleben komplett auf links.

"Die Erwartungshaltung, auch von meiner Seite, war riesig, und das kann man nicht immer ausblenden", sagte Kittel: "Wahrscheinlich war ich deshalb auch so emotional im Ziel." Er jubelte, weinte, juchzte, wusste nicht, wohin mit seiner Freude. Um den coolen Sprintdominator, der wegen seiner Ähnlichkeit zum schwedischen Actiondarsteller in seinem Team den Spitznamen "Dolph Lundgren" weg hat, war es geschehen.

"Vom Mentalen her ist das sicher mein größter Erfolg", sagte Kittel: "2013 war ich bei der Tour Überraschungssieger. 2014 habe ich gezeigt, dass ich zu den Spitzenleuten gehöre. Und trotz meines Mistjahres 2015 bin ich mit genau dieser Erwartung wieder in die Tour gestartet."

"Wollte mich unbedingt zurückkämpfen"

In jenem Mistjahr war alles gegen Kittel gelaufen. Eine Viruserkrankung hatte ihn wochenlang außer Gefecht gesetzt, mühsam kämpfte er sich zurück, erreichte aber nicht sein Top-Niveau - sein damaliges Team Giant-Alpecin verzichtete schließlich darauf, Kittel ins Tour-Aufgebot zu berufen. Am Ende des Jahres standen die geräuschvolle Trennung von Giant und der Wechsel zu Quick Step.

"Ich habe schon einige Rückschläge im vergangenen Jahr kassiert, zum ersten Mal in meiner Karriere. Daher wollte ich mich unbedingt zurückkämpfen", sagte Kittel: "2016 lief ja bis zur Tour auch schon ganz gut, aber die ist einfach etwas anderes." Auf der ersten Etappe hatte er als Zweiter Sieg und Gelbes Trikot noch knapp verpasst, beim zweiten Massensprint am Montag war er chancenlos.

Nächste Etappensiege schon eingeplant

"Mir sind LKW-Ladungen an Steinen vom Herzen gefallen", sagte Kittel: "Für mich verschwindet damit eine Menge Druck. Die Erwartungen bei Quick Step sind hoch, das bringt die Geschichte des Teams mit sich." Kittel fährt schließlich für eine der erfolg- und traditionsreichsten Mannschaften. Seit mehreren Jahrzehnten prägt der mächtige Team-Boss Patrick Lefevere mit Quick Step und dem Vorgänger Mapei den Radsport.

"Dem will ich natürlich gerecht werden", sagte Kittel: "Ich glaube, mit dem Sieg in Limoges ist der Knoten geplatzt, es wird sich jetzt freier fahren." Am Donnerstag in Montauban, "da könnte für uns Sprinter wieder etwas gehen", sagte Kittel, "danach wird es in den Pyrenäen sehr schwer, und ich freue mich auf den Ruhetag."

Foto-Serie mit 6 Bildern

Fern am Horizont zeichnet sich aber das Finale am 24. Juli in Paris ab, bereits zweimal (2013, 2014) hat Kittel im Sprint auf den Champs-Élysées gewonnen. Und dort soll auch diesmal die Tour-Krönung folgen. "Deshalb war wichtig", sagte Kittel, "dass wir in Limoges gemerkt haben, was dieses Team kann, was jeder einzelne kann."

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