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"Tatort"-Faktencheck: ARD-Sonntagskrimi aus Ludwigshafen

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Der "Tatort"-Faktencheck  

Ist die italienische Mafia auch in Deutschland aktiv?

08.01.2018, 11:05 Uhr | Barbara Schaefer

"Tatort"-Faktencheck: ARD-Sonntagskrimi aus Ludwigshafen. Nie passte das Auto besser zum Kommissar und zum Film: Kopper (Andreas Hoppe) in seinem FIAT, an dem lehnt ein Freund aus Kindheitstagen, Sandro (Michele Cuciuffo).  (Quelle: SWR/Roland Suso Richter)

Nie passte das Auto besser zum Kommissar und zum Film: Kopper (Andreas Hoppe) in seinem FIAT, an dem lehnt ein Freund aus Kindheitstagen, Sandro (Michele Cuciuffo). (Quelle: SWR/Roland Suso Richter)

Treffen sich zwei Jugendfreunde auf der Straße wieder. Kurz danach fließt viel Grappa, und es fällt ein Schuss. Koppers letzter Fall im "Tatort" fängt nicht gut an, und endet mit einem Todessprung. Sizilianische Verhältnisse, und das mitten in Ludwigshafen.

UMFRAGE
Welche Schulnote geben Sie dem "Tatort: Kopper"?

Am Beginn dieses "Tatorts" fährt ein Auto eine heiße, staubige Straße entlang. Das ist nicht Ludwigshafen! Die Staatsbeamten, die aussteigen, sind Carabinieri. Sie schicken wackelige Handy-Bilder von halbverrotteten Leichen ins Kommissariat nach Ludwigshafen. Ein italienischer Mafia-Jäger sitzt dort zusammen mit einem Kronzeugen. Der kurz danach in seiner Zelle verblutet. Selbstmord – aber womöglich nicht freiwillig.

Kommissar Mario Kopper, Halbsizilianer, feiert derweil mit einem Freund in einer Bar. Der Rückblick zeigt zwei Jungs in Ludwigshafen, 70er-Jahre, Schlaghosen, eine geklaute Gitarre. Die Jungs sind Kopper und sein Jugendfreund Sandro, der ihm nun wieder über den Weg gelaufen ist. Nicht so zufällig, wie es erst scheinen mag. Ein Toter kommt selten allein, zumindest wenn es um die Mafia geht: Aus der Waffe von Kopper fällt ein Schuss.

Sandro (überzeugend: Michele Cuciuffo, Ensemblemitglied im Münchner Residenztheater) macht sich Kopper zum Komplizen, ob für die gute Sache oder nicht, darüber bleiben die Zuschauer lange im Unklaren. Er will als Kronzeuge gegen den Mafia-Zweig Stidda aussagen, wenn Kopper ihm hilft, ins Zeugenschutzprogramm zu kommen.

Die Jugendfreunde Sandro (Michele Cuciuffo) und Mario (Andreas Hoppe) haben eine ganze Menge aufzuholen, als sie sich viele Jahre später in Ludwigshafen wiedertreffen. (Quelle: SWR/Roland Suso Richter)Die Jugendfreunde Sandro (Michele Cuciuffo) und Mario (Andreas Hoppe) haben eine ganze Menge aufzuholen, als sie sich viele Jahre später in Ludwigshafen wiedertreffen. (Quelle: SWR/Roland Suso Richter)

Wie die Faust aufs Auge passt dies zu dem Fall des Toten in der JVA, an dem sich Lena Odenthal (souverän: Ulrike Folkerts) abarbeitet. Weil Kopper für Sandro ein ähnliches Schicksal befürchtet, versteckt er ihn. Die Faust entpuppt sich als Erkennungszeichen der Stidda, ein Tattoo auf der Hand, das sowohl der JVA-Tote als auch der Tote aus der Bar tragen.

Sandro erzählt einer Videokamera alles, was er von den Stidda-Machenschaften in Deutschland weiß. Es geht um die illegale Entsorgung von Giftmüll – ausgerechnet GREEN heißt die Recyclingfirma –, um Tricksereien mit EU-Subventionen und um Drogen: "Fällt hier ein Sack Koks um, fallen in Italien ein paar Männer um."

Die neue Mafia operiere mit großbürgerlicher Fassade. Sandro setzt Kopper unter Druck, fordert Loyalität ein: "Gefängnis, Krankheit und Mord, da zeigt sich das Herz der Freunde." Kopper mit seinem Al-Pacino-Blick geht schließlich zum Beichten, die Not ist groß. Sogar Johanna Stern (Lisa Bitter) und ihre Kinder werden bedroht.

Mario Kopper hilft seinem Freund Sandro, eine Aussage über die neue Mafia und deren Verbindungen nach Ludwigshafen aufzunehmen. (Quelle: SWR/Roland Suso Richter)Mario Kopper hilft seinem Freund Sandro, eine Aussage über die neue Mafia und deren Verbindungen nach Ludwigshafen aufzunehmen. (Quelle: SWR/Roland Suso Richter)

Weil "Kopper" (Regie: Roland Suso Richter) nach 21 Jahren der letzte Einsatz von Andreas Hoppe in Ludwigshafen ist, kommt es zum Showdown. Mit noch einem Toten, einem komplett ramponierten Fiat und dem Kommissar in Handschellen. Am Ende sitzt Kopper entspannt am Meer, umgarnt von seiner sizilianischen Liebe.

Der Faktencheck:

Fragen an David Schraven, Gründer von "Correctiv"; das journalistische Recherchezentrum recherchiert auch im Mafia-Mileu. Schraven ist Autor (mit Maik Meuser) des aktuellen Buches: "Die Mafia in Deutschland. Kronzeugin Maria G. packt aus."

t-online.de: Stimmt es, dass die Stidda ihr Geld mit illegaler Müll-Entsorgung macht?

David Schraven: Die Stidda macht mit allem Geld, auch mit der Giftmüllentsorgung. Allerdings nicht im großen Stil. Das hat eher die Camorra gemacht. Eine Zeit lang lief es über Schiffe, die im Meer mitsamt der Ladung versenkt wurden. So hat die Mafia (Camorra und 'Ndrangetha) vom italienischen Festland aus unter anderem Atommüll entsorgt. Aber die Stidda und die sizilianische Mafia (Cosa Nostra) haben wenig in Giftmüll gemacht. In Sizilien sind kaum große Chemie- oder Industriebtriebe, die Giftmüll zur Entsorgung haben. Das, was in Italien anfiel, stand schon unter Kontrolle der Camorra, und wurde in Campanien oder im Meer verklappt. Es machte einfach keinen Sinn, den Scheiß bis nach Sizilien über das Meer und bis ans Ende der Welt zu verfrachten. 

Womit macht also dieser sizilianische Mafia-Zweig sein Geld?

Die Stidda, eine Abspaltung der Cosa Nostra, ist vor allem in Südsizilien rund um Agrigento und Palma di Montechiaro aktiv. In Sizilien kontrolliert sie alle illegalen Geschäfte. Von Drogenhandel bis Erpressung. Entführungen sind selten geworden, Subventionsbetrug häufiger.

Ist die Stidda auch in Deutschland aktiv?

Klar. In Deutschland ist die Stidda auf Schwarzarbeit und illegale Baugeschäfte spezialisiert. Dazu kommt gewerbsmäßiger Versicherungsbetrug in großem Stil. Zudem agieren Stiddari für die 'Ndrangetha im Kokaingeschäft in NRW rund um Köln und in Baden-Württemberg rund um Stuttgart. Ich habe ein paar von denen in Köln getroffen.

Laut Drehbuch heißt es: Den Straftatbestand der Mafia-Zugehörigkeit gibt es in Deutschland nicht, geschweige denn der bloßen Unterstützung der Mafia – stimmt das?

Das stimmte bis zum Sommer 2017. Aufgrund des großen politischen Drucks – den auch wir unter anderem durch die jahrelangen Recherchen aufgebaut haben – wurde das Gesetz verschärft. Heute ist die Mitgliedschaft in der Mafia in Deutschland strafbar. Davor konnte man eine Kneipe aufmachen, "Hier ist das Vereinsheim der Mafia" draufschreiben und blieb unbehelligt. Es stand einfach nicht unter Strafe, der Mafia anzugehören oder sie zu fördern. 

Ein Satz aus dem Drehbuch: "Für euch gibt es ja hier keine Mafia – weil ihr es nicht sehen wollt!"

Das stimmt leider. Jahrzehntelang wurden die Augen zugekniffen. Unter anderem deshalb, weil Übersetzer für die italienischen Dialekte, in denen sich die Mafiosi unterhalten, teuer sind. Die Polizei wollte und konnte nicht ermitteln. Die Staatsanwälte hatten keine Gesetze, auf deren Basis sie Verurteilungen anstreben konnten. Und wenn ein Mafioso verurteilt wurde, war es in Deutschland nicht möglich, das Vermögen der Mafia zu beschlagnahmen. Außerdem drängte die Öffentlichkeit auf die Verfolgung der Rocker, und alle Kraft wurde gegen die Islamisten mobilisiert. Da die Mafia in Deutschland nicht tötet, schaute man lieber weg – und die Mafia gedeiht prächtig. Die Lage war ziemlich mies. Heute ist Mafia-Angehörigkeit strafbar, und ihr Geld kann beschlagnahmt werden. Ich hoffe, dass die härteren Gesetze jetzt genutzt werden, die gut 1000 Mafiosi und Mafia-Zuarbeiter, die alleine wir in Deutschland identifiziert haben, anzugreifen. 

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