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Plötzlicher Kindstods: So können Eltern das Risiko mindern

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Wenn das Atmen einfach aufhört  

Risiko des plötzlichen Kindstods mindern

22.05.2013, 11:45 Uhr | Nicola Wilbrand-Donzelli, t-online.de

Plötzlicher Kindstods: So können Eltern das Risiko mindern. Es gibt Maßnahmen, die Sie ergreifen können, um Ihr Babys so gut wie möglich vor dem plötzlichen Kindstod zu schützen. (Quelle: imago)

Es gibt Maßnahmen, die Sie ergreifen können, um Ihr Babys so gut wie möglich vor dem plötzlichen Kindstod zu schützen. (Quelle: imago)

Meist nachts und völlig unbemerkt kommt er, der plötzliche Kindstod. Er nimmt Eltern ihr größtes Glück und hinterlässt verzweifelte und ratlose Familien - so wie bei Hardy Krüger jr. und seiner Frau, als sie ihren acht Monate alten Sohn verloren. "Sudden Infant Death Syndrome" (SIDS) nennen die Mediziner das rätselhafte Phänomen, das in Deutschland noch immer verantwortlich ist für die meisten Todesfälle im ersten Lebensjahr eines Babys, und Jungs häufiger als Mädchen betrifft. Die genauen Ursachen für den stillen Tod, der stets im Schlaf und ohne Warnzeichen kommt, sind jedoch nicht bekannt.

Aber Wissenschaftler gehen mittlerweile davon aus, dass es bestimmte Faktoren gibt, die SIDS begünstigen. Die Unsicherheit macht es besorgten Eltern nicht leichter, mit ihren Ängsten umzugehen. Der plötzliche Kindstod scheint unvorhersehbar und unkalkulierbar zu sein. Dennoch können Eltern einiges tun, um das SIDS-Risiko für ihr Baby erheblich zu senken. Wir sagen, welche Maßnahmen man ergreifen kann, um Babys so gut wie möglich vor dem plötzlichen Kindstod zu schützen und was man unbedingt vermeiden sollte

Austausch von Erfahrungen in Internetforen

Diejenigen, die ihr Baby durch SIDS verloren haben, trauern ein Leben lang. Einige Mütter und Väter gehen jedoch offensiv mit ihrem Schmerz um und tauschen ihre Erfahrungen im Internet aus, erzählen ihre traumatischen Erlebnisse und suchen nach Rat und Trost bei anderen betroffenen Eltern.

So beschreibt Clara vom Abend, wie das Schreckliche passierte: "Als ich in Max' Zimmer trat, war es so still. Ich hatte sofort ein eigenartiges Gefühl. Max lag auf dem Bauch in seinem Schlafsack, ganz unten am Fußende, irgendwie eigenartig zusammengekauert. Er hatte sich seine Kuscheldecke über den Kopf gezogen. Als ich ihn hochhob, fühlte er sich noch ganz warm an. Doch trotzdem wusste ich sofort, was los war. Ich habe dann nach meinem Freund geschrien, der hat gleich versucht Max wiederzubeleben. Aber es war zu spät."

Die Babys vergessen zu atmen

So ähnlich wie bei Max ist die Situation bei den meisten Säuglingen, die am plötzlichen Kindstod sterben. Es passiert immer während des Schlafes. Wissenschaftler vermuten, dass eine Atemstörung zu Sauerstoffmangel und damit zu einem verlangsamten Herzschlag führt. Da keine frische Luft eingeatmet wird, steigt die Kohlendioxid-Konzentration im Blut, was bei älteren Kindern und Erwachsenen normalerweise der stärkste Anreiz wäre, sofort aufzuwachen und Luft zu holen. Doch dieser Atemreflex scheint bei den betroffenen Säuglingen zu versagen. Sie "vergessen" zu atmen.

Stattdessen verfallen sie in eine abrupte flache Schnappatmung, die allerdings die Sauerstoffversorgung nicht verbessert und die Kinder auch nicht aufweckt. Schließlich werden die Kleinen bewusstlos und ersticken im Schlaf. Mediziner nehmen an, dass die Ursache dafür in der Entwicklung des Gehirns liegt. Das Atemzentrum ist möglicherweise bei den betroffenen Babys noch nicht genug ausgereift, um im Notfall reflexartig zu reagieren. Doch dies ist bislang nur eine Theorie.

Bestimmte Faktoren begünstigen plötzlichen Kindstod

Dennoch kann man heute sagen, dass es trotz fehlender, eindeutiger Diagnose offenbar zahlreiche äußere Faktoren gibt, die den Kindstod begünstigen. Besonders gefährlich ist es, wenn die Mutter während und nach der Schwangerschaft raucht, das Kind bei der Geburt weniger als zwei Kilo wiegt oder es sich um eine Früh- beziehungsweise Mehrlingsgeburt handelt.

Außerdem steigt, so medizinische Statistiken, das SIDS-Risiko, wenn die Mutter nicht stillt oder vor dem sechsten Monat abstillt. Denn Muttermilch stärkt bekanntlich das Immunsystem und möglichen Atemweginfektionen kann so entgegengewirkt werden. Besonders gefährdet sind zudem Kinder von Müttern, die jünger als zwanzig Jahre sind, sowie Säuglinge, wo ein Geschwisterkind bereits am plötzlichen Kindstod gestorben ist.

Einfache Maßnahmen reduzieren das Risiko

Doch abgesehen von solchen negativen Vorausetzungen können Eltern durch relativ einfache Maßnahmen bei der Schlafsituation ihres Babys das SIDS-Risiko deutlich verringern. Auch die wichtigsten Vorbeugemöglichkeiten können nie garantieren, dass SIDS hundertprozentig vermieden werden kann. Hier finden Sie wichtigsten Empfehlungen zur Prävention.

Technische Überwachungshilfen suggerieren Sicherheit

Neben diesen praktischen Tipps gibt es zusätzlich auch technische Hilfsmittel, um die Gefahr von SIDS zu bannen. Besonders häufig genutzt werden die Überwachungsmatten zum Beispiel von "Angelcare", die ähnlich wie Bewegungsmelder funktionieren und circa 150 Euro kosten. Diese Kontrolle, die über eine mit Sensoren ausgestattete Matte funktioniert, registriert Druckunterschiede, die von den Atembewegungen des Kindes ausgehen. Bleiben diese aus, schlägt ein mit der Matte verbundenes Gerät, das einem Babyphon ähnelt, Alarm.

Viele Eltern äußern sich im Internet sehr zufrieden über diesen zusätzlichen Schutz. Und bei manchen kam die Bewegungsmatte sogar im Ernstfall zum "Einsatz". So berichtet Ariane: "Meine Kleine lag nachts in ihrem Bettchen und war eigentlich kein Risikokind. Und trotzdem ging dann, als sie drei Monate alt war, der Alarm der Matte eines Nachts los. Und die Kleine atmete und reagierte tatsächlich nicht mehr. Ich habe sie dann beatmet und nach zwei Atemstößen lächelte sie mich wieder an. Danke… danke von ganzem Herzen. Das Gerät hat meiner Tochter das Leben gerettet."

Weitere positive Berichte finden sich zuhauf. Doch Fachleute äußern sich eher kritisch. Hildegard Jorch, Vizepräsidentin der "Gemeinsamen Elterninitiative Plötzlicher Säuglingstod“ (GEPS), bemängelt, dass die Matten nicht direkt mit dem Kind verbunden seien und dadurch Fehlmeldungen möglich sind: "Der Nachteil dieser Mattenüberwachung ist, dass unter Umständen das System aus dem externen Umfeld der Wohnung etwas registriert und daher kein Anlass für das Auslösen eines Alarms gegeben scheint, das Kind aber dennoch nicht atmet." Außerdem, so die Expertin weiter, werde der Alarm erst ausgelöst, wenn das Gerät überhaupt keine Bewegung mehr registriert - dann könne es schon zu spät sein. Deshalb seien derartige Matten vor allem für Risikokinder nicht geeignet.

Auch Baby-Monitore überwachen nicht zuverlässig

Neben den Überwachungsmatten werden auch Babymonitore angeboten. Doch die herkömmlichen preiswerteren Geräte für den Hausgebrauch haben nicht das Niveau wie entsprechende Krankenhaustechnik. Echte Vitalfunktionen können nicht gemessen werden.

Der Augsburger Kinderarzt Martin Lang warnt vor solchen Geräten, vor allem bei Risikobabys: "Diese Monitore neigen in beträchtlichen Maße zu Fehlalarmen. Die Überwachungsgeräte sind ja über Kabel und Hautklebeelektroden mit dem Baby verbunden. Die Fehlalarme entstehen, wenn die Elektroden zum Beispiel nicht ideal am Körper positioniert sind, verrutschen oder sich ablösen." Außerdem könnten sich die Fehlmeldungen mit der Zeit noch steigern, wenn die Kinder nach dem fünften Lebensmonat immer mobiler werden. Grundsätzlich, so der Kinderarzt, sei seit langem bekannt, dass der Einsatz von solch einfachen Monitoren ohne Datenspeicher nicht das Risiko für einen plötzlichen Kindstod senke.

Auch der österreichische Mediziner Peter Voitl ist skeptisch: "Überwachungsgeräte, die lediglich die Atmung, nicht aber die Herzfrequenz erfassen, sind als SIDS-Vorbeugung nicht geeignet, da sie eine nicht vorhandene Sicherheit versprechen." Entkräften lassen sich solche Urteile nur schwer. Es gibt nämlich noch keine Untersuchung, die den Nutzen von Monitoring und Bewegungswächtern wissenschaftlich bestätigt. Babys sind schon am plötzlichen Kindstod gestorben, obwohl sie zuhause von Schutztechnik überwacht wurden.

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