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Jobsuche mit Kind: "Knallhartes Projektmanagement"

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Mütter auf Arbeitssuche  

"Jobsuche mit Kind ist knallhartes Projektmanagement"

22.02.2017, 09:26 Uhr | Silke Asmußen, t-online.de

Jobsuche mit Kind: "Knallhartes Projektmanagement". Mütter sollten die Rückkehr in den Beruf nicht zu lange herausschieben. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Mütter sollten die Rückkehr in den Beruf nicht zu lange herausschieben. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Für viele Mamas ist die Suche nach einer Arbeitsstelle ein anstrengender Kampf, verbunden mit der Angst, die Vielfachbelastung nicht stemmen zu können. Eine Personalexpertin macht Mut - und zwar mit einem perfekten Dienst-, Kosten- und Projektplan, ganz gleich, wie alt der Nachwuchs ist.

Ein aktueller Report des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) zeigt einen eindeutigen Trend: In Deutschland kehren immer mehr Mütter früher und mit mehr Arbeitsstunden ins Berufsleben zurück. Zwischen 2006 und 2015 kletterte demnach die Quote erwerbstätiger Mütter mit Kindern im Alter von zwei Jahren von rund 41 Prozent auf 58 Prozent.

Mütter wollen schneller zurück in den Job

Und das kommt nicht von ungefähr: Für 60 Prozent der Deutschen ist gemäß einer Umfrage im Auftrag der Expertenkommission Familie der Bertelsmann Stiftung das Bild des Mannes als Alleinverdiener der Familie ein Auslaufmodell.

Ein weiteres Ergebnis der Untersuchung: In immer mehr Haushalten muss die Frau mitverdienen, um den Lebensunterhalt zu sichern. Doch das ist sicher nicht die alleinige Motivation für Mütter, berufstätig zu sein. Auf die Anerkennung im Job und die mit einem eigenen Verdienst verbundene finanzielle Unabhängigkeit möchten viele nicht verzichten.

Ohne klare Strategie geht gar nichts

Regel Nummer eins für ein erfolgreiches Projekt "Job": Je früher Mütter es in Angriff nehmen, desto besser. Frauen, die ihren Beruf nach der Geburt ihres Kindes oder ihrer Kinder nicht für immer und ewig aufgeben möchten, sollten schon vor der Schwangerschaft einen detaillierten Karriereplan für "danach" austüfteln.

"Ich schaue einfach spontan, was sich ergibt" - das klappt selten. Mütter, die ihre Anstellung beim vorherigen Arbeitgeber wiederaufnehmen wollen, haben es da in der Regel etwas einfacher: Sie bewegen sich - in Bezug auf Ansprechpartner, Struktur und Zielsetzung des Unternehmens - auf bekanntem Terrain.

Und sie machen laut Nicole Fürst, freiberufliche Beraterin und Coach für Karriere und kompetenzorientiertes Talentmanagement aus Dreieich, garantiert nichts falsch, wenn sie Kontakt zu Vorgesetzten und zum Team halten, zum Beispiel an Feiern teilnehmen, sich mit Kollegen zum Mittagessen verabreden oder ihnen zum Geburtstag gratulieren.

Absprachen mit dem Chef schaffen Klarheit

Außerdem lohne es sich, mit dem Chef vor dem Abschied in den Mutterschutz die voraussichtliche Dauer der Abwesenheit und den Arbeitsumfang beim Wiedereinstieg in der Firma abzustimmen, sagt die Expertin. Möchte eine Frau zum Beispiel nach der Geburt ihres Kindes ein Jahr gar nicht und dann in Teilzeit arbeiten, sollte sie das kommunizieren und unmissverständlich Transparenz schaffen.

Kein Pardon für Mütter

Gerade nach einer längeren Jobpause überlegt manche Mutter, ob sie im Beruf nicht gleich vollkommen neu starten möchte. In dem Fall gelten der Spezialistin zufolge für Mütter grundsätzlich dieselben Bewerbungsregeln wie für alle anderen Jobkandidaten - von perfekt gestalteten Unterlagen bis hin zu einer umfassenden Vorbereitung auf das Bewerbungsgespräch. "Da gibt es kein Pardon für Mütter", sagt Fürst.

Aber Achtung: Die Entscheidung für einen temporäreren Ausstieg aus dem Arbeitsleben über Mutterschutz und Elternzeit hinaus kann in einigen Branchen schnell dazu führen, dass selbst top qualifizierte Mitarbeiterinnen den Anschluss verlieren. Im Zweifelsfall sei es dann sinnvoll, professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen, um die Bewerbungsformalitäten zu meistern und sich fachlich auf den neuesten Stand zu bringen - beispielsweise in Form von Vorträgen, Workshops oder einer Fortbildung, sagt Fürst.

Ausgewogener "Dienstplan" ist ein Muss

Beim Aufstellen einer konkreten Karrierestrategie spielt natürlich das Alter der Kinder eine entscheidende Rolle. Mit einem Baby gehe es vor allem darum, ein gutes Zeit- und Selbstmanagement zu entwickeln - für die Versorgung des Winzlings ebenso wie für die eigene, sagt Fürst.

Das funktioniert aus Sicht der Mutter von zwei Kindern im schulpflichtigen Alter nur mit exakten Absprachen der Eltern im Vorfeld: Wer übernimmt wann welche Aufgaben und Verantwortung, bereitet etwa das Frühstück zu, bringt das Kind in die Kita? Im Idealfall entsteht so ein "Dienstplan", der Mutter und Vater gleichmäßig und akzeptabel belastet und an den sich beide halten.

Kosten für Betreuung berücksichtigen

"Zur Planung gehört es selbstverständlich festzulegen, wie viel Zeit die Mutter für den Beruf aufwenden kann und will und für welche Zeiträume das Paar eine externe Betreuung für den Nachwuchs braucht", sagt die Personalberaterin. Und das am besten frühzeitig, da sich die Suche nach Krippenplatz, Tagesmutter & Co. oft schwierig gestaltet.

Ganz wichtig: In den ersten sechs Jahren bilde sich das Immunsystem der Kinder, sagt Fürst. Das bedeute im Durchschnitt einen Infekt pro Monat. Mütter und Väter sollten unbedingt vorab klären, wer in diesen unvermeidlichen Krankheitsphasen beim Kind bleibe, so die Karriereberaterin.

In den Teil der Planung einfließen kann etwa die jeweils maximal 25-tägige Freistellung vom Job, die Müttern und Vätern von Kindern unter zwölf Jahren jedes Jahr gesetzlich zustehe. Eine ausreichende Absicherung bildet der gesetzliche Anspruch allerdings nicht. Unbedingt geprüft werden muss zudem, ob das Familienbudget die durch eine außerfamiliäre Betreuung entstehenden Kosten hergibt. Zusätzlich zu einem "Dienstplan" empfiehlt Nicole Fürst deshalb, eine Kostenübersicht anzulegen, damit die Ausgaben den Eltern nicht über den Kopf wachsen.

Keine unnötige Transparenz

Planung abgeschlossen, Bewerbung abgeschickt, Einladung vom Wunscharbeitgeber in der Post: Wie nun im Interview überzeugen? Fürst rät Müttern davon ab, darin mit dem Thema Kinder und Kinderbetreuung allzu offensiv umzugehen.

Im Austausch mit Personalverantwortlichen genüge der Hinweis, das Elternpaar habe sich viel Zeit genommen, um gemeinsam eine detaillierte Organisationsstruktur für die Familie aufzustellen. Danach lenken clevere Jobkandidatinnen das Gespräch möglichst auf ihre Kompetenz als Fachkraft zurück.

Ihrer Erfahrung nach hätten viele Personalmanager die Probleme von Müttern bei der Vereinbarung von Familie und Beruf nicht wirklich auf dem Schirm. Besser also, auf unnötige Transparenz zu verzichten und den potenziellen Arbeitgeber nicht mit der Nase auf Schwachpunkte zu stoßen, die ihm gar nicht bewusst sind. Grundsätzlich punkten Frauen mit Kindern der Fachfrau zufolge, indem sie sich einem Chef in spe nach dem Motto "Ich bin Mitarbeiterin und Mutter" präsentieren - und nicht umgekehrt.

Konzept muss dem Kind entsprechen

Job ergattert - alles gut, für alle Zeit? Leider nicht. "Working moms" kommen nicht darum herum, ihr Karrierekonzept dem Alter des Kindes anzupassen, den individuellen Bedürfnissen und Fähigkeiten des Nachwuchses entsprechend. Dabei nicht zu unterschätzen ist besonders der Übergang von einer Betreuungsform in eine andere, etwa der Wechsel vom Kindergarten in die Grundschule oder von dieser in eine weiterführende Schule.

Solche Veränderungen erfordern es meist, eine neue Struktur und Organisation für den Familienalltag zu finden. Ist der Nachwuchs zum Beispiel in der Lage, den Tag größtenteils ohne Eltern zu bewältigen und den Nachmittag in einem Hort mit ihm zunächst unbekannten Kindern zu verbringen? Abgesehen davon will der Hortplatz natürlich zunächst organisiert werden. Gibt es überhaupt eine Option in der Nähe der Schule, sodass das Kind keine langen Wege hat oder andernfalls eine Person, die es begleitet?

Das alles sei nur mit "knallhartem Projektmanagement" in den Griff zu bekommen, sagt Fürst. "Dabei steht das Kind im Fokus und die Frage, was es wirklich schon leisten kann." Denn nicht der Nachwuchs habe sich dem Lebensplan der Mutter beziehungsweise der Eltern anzupassen. Es gehe darum, dem Kind eine gute Basis für die Zukunft zu bieten.

Starkes Netzwerk für Notfälle

Doch ganz gleich, welche Hindernisse sich arbeitenden Müttern in den Weg stellen: "Wertvolle zusätzliche Unterstützung im Notfall kann ein starkes Netzwerk von Frauen in ähnlicher familiärer Situation bieten", sagt die Personalspezialistin.

Zum Beispiel, wenn alle Betreuungsmöglichkeiten für ein krankes Kind ausgeschöpft sind. Oder in den Sommerferien, die berufstätige Eltern jedes Jahr vor große Herausforderungen stellen. Vernetzt mit anderen Müttern und Familien lassen sich gemeinschaftliche Lösungen finden, um die Kinder bei Laune zu halten und unter verlässlicher erwachsener Aufsicht.

Aber mit Teenagern können Mütter beruflich doch sicher freier planen? Nur bedingt, sagt Nicole Fürst. Zwar wechselten die Themen, an erster Stelle stünden aber auch weiter die Bedürfnisse der Kinder und eine darauf zugeschnittene berufliche Planung. Eltern sollten demnach überdenken: Was kommt jetzt auf mich zu, welche Schwierigkeiten können auftreten, und wie steuere ich gegen?

Welche Arbeitsstruktur passt am besten?

Es gelte erneut herauszufinden, welche individuelle Regelungen für die Familie am besten passten, sagt Fürst. Besteht die Möglichkeit, den Teilzeit- zu einem Vollzeitjob auszuweiten? Oder bietet sich eher eine Vollzeittätigkeit für zwei oder drei Tage in der Woche an oder eine Stelle, bei der die Mutter ausschließlich vormittags oder nachmittags arbeitet?

Findet in der Schule zum Beispiel keine Nachmittagsbetreuung mehr statt, ist laut der Beraterin entscheidend, wie selbstständig ein Kind seine Hausaufgaben bewältigt, ohne jede elterliche Aufsicht und Unterstützung. Benötigt es dabei Hilfe, muss ein externes Angebot recherchiert werden, das dem Nachwuchs und dem Geldbeutel der Eltern am besten entspricht.

Ein kleiner Trost zum Schluss: Mütter sind auch nur Menschen und müssen nicht perfekt sein - weder im Beruf noch privat.

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