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Masern: So hoch ist das tödliche Risiko tatsächlich

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Kinderkrankheiten  

So hoch ist das tödliche Risiko von Masern tatsächlich

19.07.2013, 17:14 Uhr | dpa, t-online.de

Masern: So hoch ist das tödliche Risiko tatsächlich. Die Zahl der Masernfälle in Deutschland steigt dramatisch - kommt jetzt die Impfpflicht? (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Die Zahl der Masernfälle in Deutschland steigt dramatisch - kommt jetzt die Impfpflicht? (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Für die Masern ist der Begriff Kinderkrankheit viel zu harmlos. Virologen haben jetzt das Risiko neu berechnet und alarmierende Zahlen vorgelegt zu einer Krankheit, die tödlich enden kann. Denn nach einer Maserninfektion tragen vor allem Kleinkinder ein hohes Risiko, noch Jahre später an einer tödlichen Gehirnentzündung zu erkranken. Die Würzburger Masern-Studie zeigt jetzt: Das Risiko ist deutlich höher als angenommen. Ist die Infektionskette einmal in Gang gekommen, reißt sie nicht ab - praktisch jeder Ungeimpfte wird infiziert. Hilft uns da nur noch die Impfpflicht?

Die Infektkette durchbrechen - das ist das Ziel der Mediziner. Nur so können sie der absolut nicht harmlosen Kinderkrankheit Masern Herr werden. Doch noch ist Deutschland weit davon entfernt, denn die Impfrate ist viel zu niedrig. Neue Zahlen weisen nach, dass man bisher das Risiko zudem noch stark unterschätzt hat. Es ist 30mal höher als bisher gedacht, das berechneten Wissenschaftler der Universität Würzburg und vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Oberschleißheim.

Galt früher die Annahme, dass die Spätkomplikation SSPE der Masern in einem von 100.000 Fällen auftritt, das Durchschnittsrisiko für Kinder unter fünf Jahren auf einen Wert von 1 zu 3300.

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Deutschland ist weit von Durchimpfung entfernt

"Masern waren eine der meistgefürchteten und tödlichsten Seuchen der Welt. Dann kam die Impfung, und der Schrecken der vermeintlichen Kinderkrankheit geriet in Vergessenheit. Jetzt breiten sich die Viren auch in Deutschland wieder aus – als Spätfolge von Impfmüdigkeit und Fehlinformationen." So berichtete der "Spiegel" über die "Spätfolgen der Impfangst". Nachrichten über Masern-Ausbrüche in Bayern, Berlin und Nordrhein-Westfalen waren der Meldung voraus gegangen.

Forscher plädieren für Impfpflicht gegen Masern

Die Weltgesundheitsorganisation will die Masern bis 2015 ausrotten, ob das klappt, ist offen. In Deutschland ist ein Fünftel der Erwachsenen einer Umfrage zufolge nicht gegen das Virus geimpft. 21 Prozent haben demnach keinen Impfschutz gegen das Virus, zwölf Prozent wissen nicht, ob sie immunisiert wurden. Nach einer Maserninfektion ist man in der Regel immun gegen das Virus.

Einer der Autoren der Studie, der Würzburger Virologe Dr. Benedikt Weißbrich, plädiert vehement für eine Impfpflicht, als einen Weg, Todesfälle oder bleibende Schäden durch Maserninfektionen zu vermeiden. In einem Interview mit dem Deutschlandradio erklärt er dazu: "Impfpflicht - das muss man vielleicht auch ein bisschen relativieren. Es geht ja nicht darum, dass Kinder polizeilich beim Amtsarzt vorgeführt werden und dann die Impfung bekommen. Aber ich denke, es geht schon darum, zu kontrollieren, wenn Kinder in Betreuungseinrichtungen kommen, Kinderkrippen, Kindergärten, Schulen: Wie ist denn der Impfschutz? Und dass man dann auch möglicherweise Unterschiede macht zwischen geimpften und ungeimpften Kindern." Außerdem setzt der Forscher auf Information: "Wichtig ist in dem Zusammenhang auch Aufklärungsarbeit, damit diejenigen, die unwissend sind oder gleichgültig sind gegenüber der Impfung, zusätzliche Motivation bekommen, geimpft zu werden."

SSPE: die gefürchtete Spätkomplikation von Masern

Denn die Spätfolgen sind nicht heilbar: Subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE) - so lautet der Fachausdruck für die gefürchtete Spätkomplikation einer Maserninfektion, eine Entzündung des Gehirns. "Die SSPE betrifft vor allem Kinder und tritt in der Regel erst mehrere Jahre nach der akuten Masern-Erkrankung auf. Sie führt zu einem schleichenden Verlust aller geistigen Fähigkeiten und endet im Wachkoma, in dem die Betroffenen nach wenigen Monaten oder auch Jahren versterben. Eine Behandlung der SSPE ist nicht möglich", schildert Benedikt Weißbrich die Symptome dieser Krankheit.

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Risiko viel höher als gedacht: ein Rechenfehler?

In der älteren Literatur wurde das Risiko für das Auftreten einer SSPE nach einer akuten Masernerkrankung mit 1 zu 100.000 angegeben. "Neuere Studien aus Großbritannien und den USA legten jedoch nahe, dass das Risiko deutlich größer ist", mahnt Weißbrich. Möglicherweise ist das Risiko im Lauf der Zeit gestiegen. Genauso gut sei es aber auch denkbar, dass die Fallzahlen vor allem von sehr jungen Kindern nicht richtig erfasst wurden. Tatsächlich ist die Berechnung des SSPE-Risikos schwierig, weil zwischen der akuten Maserninfektion und der SSPE-Erkrankung viele Jahre vergehen können.

31 SSPE-Fälle in sechs Jahren

Für Deutschland gab es hierzu bisher keine Daten. Aus diesem Grund haben das Institut für Virologie und Immunbiologie der Universität Würzburg und das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit eine gemeinsame Studie durchgeführt und das SSPE-Risiko untersucht.

"Wir haben SSPE-Fälle bei Kindern erfasst, die im Zeitraum zwischen 2003 bis 2009 in deutschen Kliniken behandelt worden waren", erklärt Weißbrich. Als Datenquelle dienten die an der Universität Würzburg diagnostizierten SSPE-Fälle sowie die "Erhebungseinheit für seltene pädiatrische Erkrankungen in Deutschland" (ESPED). Insgesamt 31 Kinder mit der Diagnose SSPE konnten die Forscher ermitteln. Um nun das SSPE-Risiko berechnen zu können, mussten sie im nächsten Schritt herausfinden, wann und wo diese Kinder an Masern erkrankt waren. "Diese Informationen waren zwar lückenhaft, aber für 13 Kinder konnte angenommen werden, dass im Zeitraum von 1994 bis 2001 eine Maserninfektion in Deutschland stattgefunden hatte", sagt Weißbrich. Alle Kinder waren zum Zeitpunkt der Maserninfektion jünger als fünf Jahre.

Die Gesamtzahl der Masern-Erkrankungen in diesem Zeitraum konnten die Wissenschaftler aus der Krankenhausstatistik für die betroffene Altersgruppe ziehen. Sie betrug 42.600. Somit ergab sich ein SSPE-Risiko von 1 : 3.300 nach Masernvirus-Infektionen in den ersten fünf Lebensjahren.

Risikogruppe Kleinkinder unter fünf Jahren

"Unsere Studie liefert zum ersten Mal Daten zur Häufigkeit von SSPE-Fällen in Deutschland und zeigt, dass das Risiko einer SSPE bei Maserninfektionen in den ersten Lebensjahren beträchtlich und keinesfalls zu vernachlässigen ist“, fasst Weißbrich die Ergebnisse zusammen. Weiterhin zeige die Studie, dass das berechnete Durchschnittsrisiko von 1 : 3300 für die Altersgruppe unter fünf Jahren für Kinder im ersten Lebensjahr wahrscheinlich deutlich höher ist und für Kinder im fünften Lebensjahr entsprechend niedriger.

Kritischer Impf-Zeitpunkt

Das allerdings hat besondere Konsequenzen: Zwar schützt eine Masern-Impfung vor SSPE. Sie wird aber erst ab dem vollendeten elften Lebensmonat durchgeführt. "Gerade Kinder im ersten Lebensjahr, für die das SSPE-Risiko am höchsten ist, können somit durch eine Masern-Impfung nicht vor der SSPE geschützt werden“, warnt Weißbrich und appelliert deshalb dringend an alle Eltern, ihre Kinder impfen zu lassen. "Nur wenn so viele Menschen wie möglich gegen Masern immun sind, ist es möglich, die Krankheit zu eliminieren, und damit Kinder im ersten Lebensjahr vor einer schrecklichen Krankheit zu schützen“, sagt der Forscher. Aktuelle Meldedaten mit bisher schon mehr als 1000 Masernfällen im Jahr 2013 zeigten jedoch, dass Deutschland davon noch weit entfernt ist.

Infektketten durchbrechen in Schulen, Familien, Zügen

Weißbrich ist ein Befürworter von Maßnahmen wie Impfpflicht und Ablehnung ungeimpfter Kinder an öffentlichen Schulen und Kitas. Sein dringender Apell im Interview des Deutschlandradios: "Es geht darum, Infektketten wirklich zu unterbrechen. (...) Man weiß, wenn ein Kind in der ansteckenden Phase mit Masern in einem Raum mit anderen ist, die nicht immun sind, dann werden praktisch alle infiziert. Und wenn man in so einer Schule, wo viele Kinder zusammen sind, diese Möglichkeiten schafft, dann werden diese Kinder diese Infektion in die Familien tragen und von dort weiter im öffentlichen Personennahverkehr oder wo immer sie sich bewegen", so malt der Wissenschaftler das Ansteckungsszenario aus. "In der Phase, wo sie noch nicht so krank sind und zu Hause im Bett liegen, da werden weitere Infektketten entstehen. Und das ist ein Grund, diese Maßnahmen zu ergreifen, und dann aber auch die Kinder zu schützen, weil Masern einfach keine harmlose Erkrankung sind."

Masern - die gar nicht harmlose Kinderkrankheit

Bei Masern handelt es sich um eine Virusinfektion, an der jährlich weltweit immer noch mehr als 100.000 Kinder sterben. Auch in Deutschland kommt es immer wieder zu Todesfällen durch Masern. Diese sind zum einen auf Komplikationen der Maserninfektion zurückzuführen, die während der akuten Erkrankung auftreten wie beispielsweise Gehirn- und Lungenentzündungen. Zum anderen verursacht das Masernvirus als Spätkomplikation die oben geschilderte Gehirnentzündung SSPE, die nahezu immer tödlich verläuft.

Ihre Studie haben die Forscher in der Fachzeitschrift PLOS One veröffentlicht.

 (Quelle: dpa)

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