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Nabelschnur: Wann die Verbindung "gekappt" werden sollte

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Nabelschnur  

Abgenabelt - eine Verbindung wird gekappt

11.04.2016, 12:45 Uhr | Simone Blaß, t-online.de

Nabelschnur: Wann die Verbindung "gekappt" werden sollte. Der Nabelschnurrest wird mit einer Klemme verschlossen und fällt einige Tage nach der Geburt von alleine ab. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Der Nabelschnurrest wird mit einer Klemme verschlossen und fällt einige Tage nach der Geburt von alleine ab. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Immer häufiger fordern werdende Mütter ihre Hebammen und Ärzte dazu auf, die Nabelschnur nach der Entbindung nicht sofort durchzuschneiden, sondern sie auspulsieren zu lassen. Zu Recht, sagen Wissenschaftler. Auf diese Weise können die Eisenspeicher des Babys hervorragend gefüllt werden.

Die meisten Säugetiere beißen nach der Geburt die Nabelschnur durch. Eine Aufgabe, die bei uns - im übertragenen Sinne - das "Männchen" übernimmt. Auch, wenn es nicht beißt, sondern schneidet. Das Durchtrennen der Nabelschnur, vorn und hinten abgeklemmt vom Blutfluss, ist eine typische Vateraufgabe. Ist die Nabelschnur durchtrennt, wird sie gekürzt und an dem Stumpf eine Klammer angebracht, die abfällt, wenn der letzte Rest der Nabelschnur zu schrumpfen beginnt.

Abnabeln - wann ist der richtige Zeitpunkt?

Doch wann ist - vorausgesetzt Mutter und Kind geht es gut - der richtige Zeitpunkt zum Abnabeln? 

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Haben Sie sich bei Ihrer Geburt gut betreut und versorgt gefühlt?

Lange Zeit war man der Meinung, die Nabelschnur sei bereits direkt nach der Entbindung überflüssig, und schnitt sie so schnell wie möglich durch. Auch heute wird das in vielen Kliniken noch praktiziert. Obwohl es eigentlich nur dann nötig wäre, wenn das  Baby in irgendeiner Form Hilfe braucht.

Der berühmte Vertreter der sanften Geburt, Frédérick Leboyer, hielt viel davon, die Nabelschnur in Ruhe auspulsieren zu lassen, bevor man das Kind endgültig vom mütterlichen Kreislauf trennt. Damit es sich aus der Geborgenheit des Mutterleibes langsam an seine neue Umgebung und vor allem an die Umstellung auf die eigene Atmung gewöhnen kann. Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse unterstreichen diese Ansicht.

Was die Nabelschnur alles leistet

Die Nabelschnur hat eine lebenswichtige Funktion. Sie entsorgt Stoffwechselabbauprodukte und versorgt das Ungeborene mit Nährstoffen und Sauerstoff - und das, ohne dass es schlucken oder atmen muss. Der Blutkreislauf der Mutter ist auf diese Weise mit dem des Ungeborenen verbunden.

Inzwischen weiß man, dass die Nabelschnur auch beim Neugeborenen eine wichtige Aufgabe hat. Lässt man sie nämlich auspulsieren, dann fließt, vor allem in den ersten 30 Sekunden nach der Geburt, Blut aus der Plazenta zum Baby. Blut, das es gut brauchen kann, da seine eigene Blutmenge eher gering ist, und das, so das Ergebnis einer kanadischen Studie, in den ersten Minuten nach der Geburt die Eisenspeicher des Kindes füllt.

Nabelschnurblut steht hoch im Kurs

Blut allerdings, das auch andere gut brauchen können. "In vielen Kliniken ist es üblich, die Nabelschnur zu durchschneiden, solange sie noch pulsiert", verrät die Erlanger Hebamme Alexandra Mück im Gespräch mit t-online.de. "Denn so gewinnt man Material für eine sogenannte Plazentarestblutspende. Dieses Nabelschnurblut ist reich an Stammzellen, die für die Forschung dringend benötigt werden."

Höher liegendes Baby ist kein Problem

Ein weiterer Grund für das schnelle Abnabeln ist das Gefälle, das entsteht, wenn man das Kind der Mutter auf den Bauch legt. Man glaubt, es könnte dadurch zu einem Rückfluss kommen. "Dabei hat man schon vor rund 20 Jahren herausgefunden, dass, selbst wenn das Baby höher liegt als die Plazenta, das Blut zum Kind hin pumpt", widerspricht Hausgeburtshebamme Johanna Huber dieser These.

Huber lässt immer auspulsieren und nabelt erst dann ab, wenn die Plazenta geboren ist. "Wenn die Geburt zum Beispiel stressig war fürs Kind, dann kann es auch mal vorkommen, dass das Pulsieren kurz aussetzt, dann aber wieder beginnt." Dass das Kind sich sozusagen noch einmal Unterstützung durch den Mutterkuchen beim Übergang in die neue Welt holt.

Abnabeln nach zwei bis drei Minuten ist heute üblich

Phillippa Middleton vom Australian Research Centre for Health of Women and Babies an der Universität Adelaide hat gemeinsam mit Kollegen im Rahmen einer Studie die Daten von fast 4000 Frauen und ihren Babys untersucht und auch sie kommt zu dem Schluss, dass ein Auspulsieren - vor allem auch im Hinblick auf die Eisenspeicher - sinnvoll ist. Allerdings nur unter bestimmten Bedingungen.

Denn das Risiko einer Neugeborenengelbsucht steigt leicht. Es ist für das verzögerte Durchschneiden der Nabelschnur also notwendig, darauf entsprechend reagieren zu können, um die Gefahr einer Schädigung bestimmter Gehirnbereiche zu vermeiden. Ähnlich sieht das die Weltgesundheitsorganisation (WHO), die ebenfalls unter den entsprechenden Umständen ein Abwarten bis zu drei Minuten empfiehlt.

Die Lotusgeburt

Vertreter der sogenannten Lotusgeburt lassen die Nabelschnur so lange unberührt, bis sie von alleine abfällt. Was einige Tage dauern kann. Dazu muss man sich aber bewusst machen, dass auf der anderen Seite der Nabelschnur die Plazenta hängt, die die Mutter nach der Geburt ausscheidet. Man trägt sie - eingepackt - mit dem Baby herum.

Johanna Huber hat bereits mehrere Lotusgeburten durchgeführt und die Verbindung, wie sie sagt, erlebt. "Es muss ja auch nicht immer eine richtige Lotusgeburt sein. Häufig nable ich einfach erst dann ab, wenn die Plazenta geboren wurde. Manche Eltern entscheiden sich auch nach ein, zwei Tagen, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist und warten nicht ab, bis die Nabelschnur von alleine abfällt."

Der Mutterkuchen ist ein Teil des Kindes

Die Idee der Lotusgeburt geht auf eine Hellseherin zurück, Clair Lotus Day. Sie sah die Aura des Kindes und der Plazenta als eine Einheit. Bei der Abtrennung durch andere entstünden eine Art Phantomschmerz und Gefühle von Hilflosigkeit und Einsamkeit.

Auch Nadine Wenger, Autorin des Buches "Natürliche Wege zum Babyglück" hält die frühe Abtrennung der Nabelschnur für etwas "Unnatürliches, nicht Vorgesehenes, das wir zu verkraften haben." Sie schreibt: "Das Adrenalinniveau der Säuglinge wird dabei massiv erhöht. Praktisch alle Babys schreien heraus, wenn ihre Nabelschnüre gleich nach der Geburt durchschnitten werden."

Eine Alternative für Kaiserschnittkinder und Frühgeburten?

Besonders, wenn ein Kind zu früh geboren wurde oder es zu einem Kaiserschnitt kam, profitiert es von einer Lotusgeburt, davon sind deren Vertreter überzeugt. "Gerade, wenn das Baby aus welchen Gründen auch immer, keine normale Geburt erfahren durfte, ist es von Vorteil, ihm die Verbindung zu seiner Plazenta zu belassen und so die Möglichkeit für einen sanfteren Übergang zu geben", erläutert Wenger in ihrem Buch.

Ein Hauptargument, das angeführt wird, ist, dass die Energie im System bleibt und so vom Baby dazu genutzt werden kann, sich an die neue Umgebung langsam anzupassen. Das Kind soll auf diese Weise weiterhin mit Antikörpern und Blutkörperchen versorgt und nicht plötzlich vom Kreislauf abgetrennt werden.

Es besteht die Gefahr von Infektionen

Mediziner sind hier eher skeptisch. Befürchten sie doch die Gefahr von möglicherweise lebensbedrohenden Infektionen bei den Neugeborenen. Schließlich sei die Nabelschnur nach dem Auspulsieren nur noch totes Gewebe und somit ein perfekter Ort für Bakterien, heißt es immer wieder.

Schon beim normalen Prozess des Nabelschnurdurchschneidens können im verbleibenden Stumpf Infektionen entstehen, die sich dann, wenn sie nicht entsprechend behandelt werden, zur Blutvergiftung entwickeln.

Bleibt die Plazenta angebunden, so fürchtet man, ist dieses Risiko noch größer. Was die Ärzte aber in diesem Zusammenhang für noch gefährlicher halten, ist, dass der Großteil derjenigen Paare, die sich für eine Lotusgeburt entscheiden, gleichzeitig auch eine Hausgeburt beziehungsweise sogar eine Alleingeburt bevorzugen. Ohne Hebamme oder gar einen Arzt.

Fakt ist: es gibt zahlreiche Hinweise darauf, dass ein Auspulsieren der Nabelschnur gut und wichtig ist für ein Baby. Davon sind, im Gegensatz zur Lotusgeburt, auch Wissenschaftler überzeugt.

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