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Wenn Pille oder Kondom versagen: Schwanger trotz Verhütung

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Wenn Pille oder Kondom versagen  

Schwanger trotz Verhütung

13.06.2016, 14:02 Uhr | Nicola Wilbrand-Donzelli, t-online.de

Wenn Pille oder Kondom versagen: Schwanger trotz Verhütung. Fast jede dritte Frau zwischen 20 und 44 Jahren wird irgendwann einmal ungeplant schwanger. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Fast jede dritte Frau zwischen 20 und 44 Jahren wird irgendwann einmal ungeplant schwanger. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Ungeplante Schwangerschaft - ein Thema, das Frauen seit jeher beschäftigt. Denn mit einem Kind ändert sich das Leben radikal. Solche Erfahrungen lassen sich auch mit einer großen Auswahl modernster Verhütungsmethoden nicht zuverlässig vermeiden. Eine aktuelle Studie zeigt, wie oft Paare trotz Verhütung Eltern werden.

Die 41-jährige Ina und ihr Mann Robert haben drei gesunde Söhne, die zwischen fünf und 14 Jahre alt sind. Die beiden wollen keinen Tag mit ihren drei "Musketieren" missen. Dabei war der Kleinste der Truppe gar nicht mehr geplant. Die Familie sollte nämlich nicht mehr größer werden, weil beide voll berufstätigen Elternteile befürchteten, in ihren Jobs dann kürzer treten zu müssen.

"Dann ist es doch passiert", erzählt Ina. "In einem Urlaub in Südostasien habe ich wohl durch die Zeitverschiebung unregelmäßig die Pille genommen. Heute sind wir aber sehr froh, dass die Verhütung nicht geklappt hat."

Studie: Jede sechste Frau wird ungewollt schwanger

Ina gehört damit zu den rund 17 Prozent der Frauen zwischen 20 und 44 Jahren, die schon einmal ungewollt schwanger waren. Das ist jede sechste Frau. Schließt man die Frauen ein, die die Schwangerschaft zwar grundsätzlich wollten, aber nicht zu diesem Zeitpunkt, so sind knapp 30 Prozent betroffen.

Das sind die Ergebnisse einer Studie des "Sozialwissenschaftlichen FrauenForschungsinstitus" (SoFFIF) der Evangelischen Hochschule Freiburg, bei der rund 4000 Frauen aus Baden-Württemberg, Berlin, Niedersachsen und Sachsen zu den Themen Verhütung, Partnerschaft und Schwangerschaften befragt wurden.

Von den ungewollten Schwangerschaften wurden 57 Prozent ausgetragen, während sich in 43 Prozent der Fälle die Frauen für einen Schwangerschaftsabbruch entschieden.

Unbeabsichtigte Schwangerschaften lassen sich nicht vermeiden

Eine große Rolle bei den unbeabsichtigten Schwangerschaften spielen "unzuverlässige" Verhütungsmittel. So gaben rund 52 Prozent der jeweiligen Frauen an, sie seien trotz Pille schwanger geworden. Als Grund vermuteten die meisten einen Anwendungsfehler - genauso wie bei allen anderen empfängnisverhütenden Maßnahmen, von denen keine ohne ein gewisses Restrisiko ist.

So heißt in einem Kommentar der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zu den Ergebnissen der Freiburger Studie: "In der langen Zeit der Fruchtbarkeit kann ein Verhütungsmittel versagen, die Anforderungen sicherer Verhütung können in bestimmten Lebenssituationen zu hoch sein oder eine Fehleinschätzung der Möglichkeit, schwanger zu werden, kann zu nachlässiger Verhütung führen… Unbeabsichtigte Schwangerschaften lassen sich demnach nicht gänzlich vermeiden."

Pearl-Index erfasst Verlässlichkeit

Statistisch erfasst und ablesbar wird die Zuverlässigkeit der verschiedenen Verhütungsarten mit dem sogenannten "Pearl-Index", der angibt, wie viele Schwangerschaften pro 100 Frauen innerhalb eines Jahres zustande kommen, obwohl auf eine bestimmte Weise verhütet wurde. Je niedriger die jeweilige Zahl des Index ist, desto sicherer ist die Methode:

  • Antibabypille 0,1 bis 0,9
  • Hormonspirale 0,2
  • Vaginal-Ring 0,4 bis 0,65
  • Temperaturmethode 0,8 bis 3
  • Kupferspirale 0,9 bis 3
  • Diaphragma 1 bis 20
  • Kondom 2 bis 12
  • Coitus Interruptus (unterbrochener Geschlechtsverkehr) 4 bis 18

Wie sicher eine Verhütungsmethode ist, liegt auch am unberechenbaren Faktor Mensch. Das betrifft sogar die zuverlässige Pille: Wird sie zum Beispiel zusammen mit Medikamenten, die ihre Wirksamkeit herabsetzen, oder unregelmäßig eingenommen, so wie es bei Ina der Fall war, kann die hormonelle Verhütung versagen.

Klassische Anwendungsfehler bei den Verhütungsmethoden

Besonders vage und damit riskant ist die Aussagekraft bei Verhütung ohne "Hilfsmittel" - wie etwa der Messung von Körpertemperatur und der Beschaffenheit des Vaginalschleims über einen langen Zeitraum. "Die Versagerquoten sind bei den natürlichen Methoden hoch, wenn ein Paar sich nicht hundertprozentig an die Vorgaben hält - also zum Beispiel keinen Verkehr in der ersten Zyklushälfte hat, solange die Zyklusmessung nicht über mehrere Monate durchgeführt wurde", erläutert der in Hannover praktizierende Gynäkologe und Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte, Christian Albring, gegenüber t-online.de.

Aber auch bei den sogenannten Barriere-Methoden wie dem Kondom oder dem Diaphragma komme es immer wieder zu klassischen Handhabungsfehlern, so der Experte: "Das Kondom kann abrutschen, wenn es nicht in Ruhe und sorgfältig aufgesetzt wurde, oder reißen, wenn die Größe nicht stimmt, oder wenn es mit Fingernägeln oder anderen spitzen Gegenständen in Berührung kommt."  

Und bei der Verwendung eines Diaphragmas wüssten viele nicht, dass es acht Stunden nach dem Verkehr nicht herausgenommen werden dürfe, fügt der Mediziner hinzu. "Wenn ein Paar aber mehrfach nacheinander Sex miteinander hat oder zum Beispiel abends und morgens, dann kann es außerdem passieren, dass das Spermizid, also ein Spermien abtötendes Mittel, das zumeist zusätzlich aufgetragen wird, seine Wirksamkeit verloren hat."

Die Hersteller von Verhütungsmitteln sichern sich rechtlich ab

Da es eine absolut sichere Verhütung also nicht gibt, stellt sich die Frage nach der juristischen  Verantwortung für solche folgenreichen Pannen. Dagegen sichern sich die Hersteller solcher Produkte und Mittel natürlich ab. Klagen haben wenig Aussicht auf Erfolg.

"Für eine ungewollte Schwangerschaft könnte man nur dann jemanden haftbar machen, wenn demjenigen Fehler nachgewiesen werden können", so der Gynäkologe Abring, "wenn also jemand bei einer Methode einen hundertprozentig sicheren Schutz zusagen würde, es aber dann trotzdem zu einer Schwangerschaft käme. So wird auf jeder Kondompackung darauf hingewiesen, dass der Schutz nicht hundertprozentig ist, ebenso in jeder Pillenpackung, auf der Gebrauchsanweisung für Diaphragmen und auch in der für die Spirale."

Selbst bei einer Sterilisation werde man immer darauf aufmerksam gemacht, dass es eine Restwahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft geben kann.

Sogar nach einer Sterilisation bleibt ein geringes Risiko

So blieb vergangenes Jahr die Klage eines Ehepaars aus dem Sauerland vor dem Oberlandesgericht Hamm erfolglos. Die Frau wurde zwei Jahre nach einer Sterilisation doch schwanger . Sie bekam ihr Kind zwar, wollte dann aber im Nachhinein bei den behandelnden Ärzten aufgrund von Behandlungsfehlern und unzureichender Aufklärung über die Risiken, die statistisch bei 4:1000 liegen, Schmerzensgeld und Unterhaltsansprüche geltend machen.

Das Gericht wies diese Forderungen wegen fehlender Beweise zurück und erklärte, dass sich die verbleibende Versagerquote nach einer fachgerechten Sterilisation wohl in der Schwangerschaft der Klägerin schicksalhaft realisiert habe.

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