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Ultraschallbilder: Das steckt hinter der Mimik des Ungeborenen

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Grinsende Ungeborene  

Gesichtsausdrücke im Ultraschall - nur Reflexe oder doch Gefühl?

16.08.2016, 08:08 Uhr | Simone Blaß, t-online.de

Ultraschallbilder: Das steckt hinter der Mimik des Ungeborenen. Dank hochauflösender Ultraschallbilder können Eltern bereits vor der Geburt erahnen, wie ihr Nachwuchs aussehen wird. (Quelle: dpa)

Dank hochauflösender Ultraschallbilder können Eltern bereits vor der Geburt erahnen, wie ihr Nachwuchs aussehen wird. (Quelle: dpa)

Moderne Ultraschallmethoden liefern Aufnahmen vom Fötus, die jedes Detail widerspiegeln: Wie das Kind eine Schnute zieht, sich wegdreht oder am Daumen lutscht. Wissenschaftler halten das nur für Reflexe. Für werdende Eltern ist das schwer zu glauben. Die neueste Forschung gibt ihnen Recht.

Bereits im Mutterleib übt das Ungeborene Gesichtsausdrücke, die es zur Kommunikation braucht, sobald es auf die Welt kommt. Echte Gefühlsausdrücke schließt das aber nicht aus.

Spannende Momente für die Eltern

Frauenärzte setzen Ultraschall ein, um eventuelle Fehlbildungen so früh wie möglich zu erkennen. Das hat den netten Nebeneffekt, dass die werdenden Eltern live und in Echtzeit beobachten können, wie das Kind sich bewegt. Besteht kein Grund zur Besorgnis, sind das spannende und mit Freude erfüllte Momente.

Ultraschall nur mit medizinischer Begründung

Drei Ultraschalltermine sind üblich: zwischen der neunten und zwölften Schwangerschaftswoche, zwischen der 19. und 22. Woche und zwischen der 29. und 32. Schwangerschaftswoche. Einen wissenschaftlichen Hinweis darauf, dass ein korrekt angewandter diagnostischer Ultraschall schädlich wäre, gibt es nicht. Trotzdem weist die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) darauf hin, dass es für eine Ultraschalluntersuchung immer eine medizinische Indikation geben sollte. Reines Babyfernsehen lehnt sie ab.

Gesichtsausdrücke können Indizien für Störungen sein

Pränatalmediziner sehen sich die Ungeborenen mittels Ultraschall genau an. Der fetale Gesichtsausdruck liefert Erkenntnisse über die neurologische Entwicklung des Kindes. Die Hinweise verdichten sich, dass man über die vorgeburtlichen Bewegungen bereits Aussagen über die Entwicklung des Gehirns treffen kann. Durch die Gesichtsausdrücke des Kindes im Ultraschall können Experten also bereits Diagnosen stellen hinsichtlich von Erkrankungen, möglichen Fehlbildungen oder Syndromen.

Doch nicht immer liegen die Mediziner richtig. Häufig zeigten Babys, die beim Ultraschall Auffälligkeiten zeigten, in neurologischen Tests nach der Geburt keinerlei Besonderheit. "Man muss sehr vorsichtig mit entsprechenden Wertungen sein", bestätigt Eberhard Merz, Leiter des Zentrums für Ultraschall und Pränatalmedizin am Krankenhaus Nordwest in Frankfurt.

"Man sollte daher stets nur harte Kriterien berücksichtigen. Solche klaren Zeichen können das völlige Fehlen von Gesichtsbewegungen über einen längeren Zeitraum sein, ein unkontrolliertes mehrfaches oder ein dauerhaftes Herausstrecken der Zunge oder ruckartige Gesichtsbewegungen. All diese Fälle sollten grundsätzlich auf strukturelle Hirnauffälligkeiten kontrolliert werden."

3D-Bilder als vorgeburtliches Fotoalbum

Neigt sich das zweite Schwangerschaftsdrittel dem Ende zu, wird es besonders spannend. Das Kind ist mit Ultraschall gut zu sehen, weil es noch nicht so groß ist. Eltern können beobachten, wie es das Gesicht verzieht, die Stirn runzelt und manchmal sogar zu lächeln scheint. Man hat das Gefühl, das Ungeborene nun auch optisch kennenzulernen.

Die Bilder sind teilweise so gut, dass man die Ähnlichkeit mit dem später geborenen Kind genau erkennen kann. Vielen Eltern, vor allem auch Vätern, die das Kind nicht so spüren wie die werdende Mutter, fällt es durch Bilder wie diese leichter, bereits vorgeburtlich eine Bindung zum Kind aufzubauen. "3D-Bilder fördern sicherlich das Bonding", bestätigt auch Merz.

Deuten Eltern die Gesichtsausdrücke ihrer Ungeborenen falsch?

Aber auch, wenn Eltern das Babyfernsehen lieben und interpretieren, was dieser Gesichtsausdruck oder jene Bewegung zu bedeuten hat und was das Ungeboren ihnen damit sagen will, sind Wissenschaftler oft skeptisch.

Die Veränderungen des Gesichtsausdrucks würden nicht echte Gefühle widerspiegeln, sondern seien unwillkürliche reflexhafte Bewegungen, heißt es dazu in einem Artikel des Fachmagazins "Ultraschall in der Medizin". Es sei eine Übung für die ersten Lebensmonate, in denen das Kind fast ausschließlich über Mimik mit den Eltern kommunizieren kann.

Auch das sogenannte Engelslächeln in den ersten Lebenstagen wird als Reflex zur Bindungsstärkung gedeutet. Doch dieser Gesichtsausdruck taucht nur dann auf, wenn das Kind sich wohlzufühlen scheint.

"Es ist tatsächlich schwierig, zwischen vorgeburtlichen Gesichtsausdrücken aus Übungszwecken und echten Gefühlsausdrücken zu unterscheiden", meint auch Professor Merz. "Die Gesichtsausdrücke des Feten werden von Eltern häufig fehlinterpretiert." Er erklärt, dass man Übungen vor allem dann erkennen kann, wenn sich der Gesichtsausdruck des Ungeborenen schnell ändert, es zum Beispiel gerade noch missmutig ausgesehen hat und gleich darauf lächelt.

Vorgeburtliches Erleben spiegelt sich in späterem Verhalten

Noch bis in die 70er Jahre hinein hat man Säuglinge nach der Geburt alleine gelassen, sie auch ohne Narkose operiert. "Diese fehlende Einfühlung spiegelte sich in dem Konzept, die Gefühlsäußerungen der Säuglinge seien reine Reflexe", erinnert sich der Psychoanalytiker Ludwig Janus im Gespräch mit t-online.de.

Heute weiß man aus empirischen Belegen aus den Bereichen Stressforschung und Psychotraumatologie, dass die Geburt für den Menschen ein enorm wichtiges Erlebnis ist. "Natürlich erlebt das Kind auch vor der Geburt sehr intensiv. Seine Mimik, seine Bewegungen sind ein Ausdruck davon."

Der Autor zahlreicher Bücher zum Thema pränataler Psychologie sieht das größte Problem im Verstehen darin, dass wir erst mit etwa eineinhalb Jahren zu sprechen beginnen. Das frühe Erleben ist also auch sprachlich nicht direkt repräsentiert, sondern findet sich wieder in Bildern und im Verhalten.

Aus Emotion wird Lernerfahrung

Das Verständnis für die Gefühlsebene der Ungeboren wächst. Das zeigt sich auch daran, dass der Zeitpunkt, ab dem man vermutet, dass Schmerzempfinden einsetzt, immer früher angenommen wird. Bereits wenige Wochen nach der Empfängnis reagiert ein Embryo auf Berührungen.

Ungeborene zeigen Reaktionen wie Angst, zum Beispiel dann, wenn ein Untersuchungsgerät von außen eingeführt wird und Mütter bestätigen immer wieder, dass das Verhalten des Kindes in ihrem Bauch darauf hindeutete, dass es bereits Gefühle hatte. Das Kind erlebt also etwas - und reagiert mit Emotion. So entstehen erste Lernerfahrungen und damit der Verstand.

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