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Auslandsadoption bedeutet ein Leben auf dem Präsentierteller

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Auslandsadoption  

Auslandsadoption - bereit für ein Leben auf dem Präsentierteller?

14.04.2014, 09:54 Uhr | Simone Blaß, t-online.de

Auslandsadoption bedeutet ein Leben auf dem Präsentierteller. Adoption: Bei einer Auslandsadoption müssen Eltern bereit sein, Vorurteilen entgegen zu treten. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Bei einer Auslandsadoption müssen Eltern bereit sein, Vorurteilen entgegen zu treten. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

In den Armuts- und Kriegsregionen der Erde gibt es Waisenkinder, die unter katastrophalen Bedingungen leben, auf der anderen Seite gibt es Paare mit unerfülltem Kinderwunsch, die gerne einem notleidenden Kind ein neues Zuhause geben wollen. Aber eine Auslandsadoption ist nicht nur immens teuer. Die Anforderungen, die an Adoptionswillige gestellt werden, sind noch höher als bei der Adoption von Kindern aus unserem Kulturkreis. Nicht zuletzt deswegen, weil viele der Kinder traumatisiert sind.

Ein Kind zu adoptieren ist an sich schon eine große Herausforderung. Eines aus dem Ausland als seines anzunehmen, bedeutet zusätzlich die Auseinandersetzung mit einer oft fremden Kultur. Und mit sich selbst. Man muss sich die Frage stellen, wie man mit latentem Rassismus und Vorurteilen umgehen wird, vor allem wenn der optische Unterschied sehr groß ist.

"Wenn man ein Kind aus dem Ausland adoptiert, dann muss man sich darüber im Klaren sein, dass es einem nicht ähnlich sieht, sondern ein fremdländisches Aussehen hat", macht auch Claudia Brehm, Vorstand des Verbandes internationaler Adoptivfamilien (VIA) im Gespräch deutlich. "Die Familie lebt auf dem Präsentierteller, auch was Kindergarten und Schule angeht. Man sollte sich im Vorfeld gut überlegen, ob man damit umgehen kann."

UMFRAGE
Käme es für Sie infrage, ein Kind aus dem Ausland zu adoptieren?

Schon ein Heimaufenthalt kann Schäden verursachen

Die meisten der aus dem Ausland adoptierten Kinder kommen aus dem ehemaligen Ostblock, aus Asien und Lateinamerika. Statistiken zeigen, dass nur die wenigsten jünger sind als ein Jahr. Viele haben Schlimmes erlebt, sind seelisch und körperlich angeschlagen. Sie haben gravierende Trennungserfahrungen gemacht, unter körperlicher, seelischer und möglicherweise auch sexueller Gewalt gelitten oder haben nicht wieder aufzuholende Mangelerscheinungen durch Unterernährung oder Krankheit. Keine einfachen Voraussetzungen für ein "neues" Leben.

Bei Auslandsadoption sind Enttäuschungen vorprogrammiert

Hat man sich dennoch dafür entschieden, beginnt das Verfahren genau wie bei einer inländischen Adoption beim örtlichen Jugendamt, das die Eignung prüft. Alter, Einkommens- und Wohnverhältnisse, gesellschaftliche Stellung, die selbstkritische Frage nach dem Warum, die Paarbeziehung an sich und ganz besonders Qualitäten wie Flexibilität und seelische Belastbarkeit sind Kriterien, die gründlich unter die Lupe genommen werden. Denn neben Identitätsproblemen kommen bei einer Auslandsadoption noch Kulturschock, Probleme mit der Hautfarbe, möglicherweise unentdeckte, beziehungsweise unheilbare Krankheiten zum Tragen.

"Sie sollten stabil sein, als Eltern in einem guten Verhältnis zueinander leben und extrem belastbar sein. Dazu gehört eine Riesenportion Liebe, Geduld und Frustrationstoleranz", sagte Pastor Wolfgang Gerts in einem Interview mit moses-online, einem Online-Portal zum Thema Adoption. Der Autor zahlreicher Bücher ist selbst Vater von vier aus dem Ausland adoptierten Kindern, einem Pflegekind und einem leiblichen Kind. Er ist sich sicher, dass die positiven Eigenschaften, die man mitbringen sollte, so tragfähig sein müssen, dass sie Enttäuschungen überwindbar machen.

Eine Auslandsadoption kostet viel Geld

Nach der Prüfung durch das deutsche Jugendamt kommen Vermittlungsstellen auf den Plan. Sie unterscheiden sich ein wenig bezüglich Auswahlverfahren und Gebühren, die sie für ihre Leistungen verlangen. Die Kosten müssen Paare selbst tragen. "Das ist nur etwas für Adoptionswillige, die auch finanziell gut gestellt sind", betont Carmen Thiele vom Bundesverband der Pflege- und Adoptivfamilien (PFAD). "Zehn- bis zwanzigtausend Euro kommen da inklusive Flug und Aufenthaltskosten schnell zusammen." Spätere Reisen ins Geburtsland des Kindes, sogenannte "Wurzelreisen" sind noch gar nicht eingerechnet.

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Illegale Machenschaften und lukrativer Kinderhandel

Der Wunsch und die Sehnsucht nach einem Kind, das langwierige Prozedere, bei dem adoptionswillige Paare nicht jünger werden, sind ein wahrer Brutkasten für illegale Machenschaften und lukrativen Kinderhandel unter dem Deckmantel karitativer Arbeit. Die Haager Konvention versucht seit 1993, dem einen Riegel vorzuschieben.

Das sogenannte "Übereinkommen über die Zusammenarbeit und den Schutz von Kindern auf dem Gebiet der grenzüberschreitenden Adoption" setzt das Wohl und die Rechte des Kindes an erste Stelle. Es darf kein finanzieller Vorteil durch die Vermittlung entstehen und die Adoption ist nur dann möglich, wenn es keine andere Option im Herkunftsland gibt.

Thiele befürwortet diese Herangehensweise: "Wenn man glaubt, man rettet ein Kind, indem man es aus seiner Kultur entfernt, dann ist das ein Irrglaube. Oft gibt diese Rettungsphilosophie dem Ganzen auch nur einen karitativen Aufhänger, hat aber mit dem eigentlichen Wunsch nach einem Kind nur wenig zu tun." Und sie fügt hinzu: "Der kulturelle Wechsel ist sehr anstrengend, oft traumatisierend - wir befürworten daher eher, Kindern in ihrer Heimat zu helfen. Das heißt nicht, dass wir Auslandsadoptionen verdammen, aber wir geben das zu bedenken."

Die Realität einer Auslandsadoption kann ernüchternd sein

Vor Illegalität im Zusammenhang mit Auslandsadoptionen kann man sich nur schützen, indem man staatliche anerkannte Träger der Adoptionsvermittlung anspricht und nicht auf eigenem Weg versucht, über private Kanäle an ein Kind zu kommen. "Das Risiko ist hier sehr hoch, viele werden finanziell ausgenommen, manche landen aber auch im Gefängnis, weil sie gegen die Gesetze des Landes vor Ort verstoßen haben."

Schnell hat man da eine Klage wegen Kindesentführung am Hals. Doch das sind nicht die einzigen Gefahren. Herkunft, Alter und vor allem die Vergangenheit des Kindes werden oft verschwiegen beziehungsweise verschleiert, auch eine langfristige Betreuung nach der Adoption, wie sie die Träger bieten, fehlt komplett. Und die ist wichtig: "Wenn Sie erst einmal ein Kind aus dem Ausland adoptiert haben, wird vielleicht eine große Ernüchterung gegenüber ihren Wunschvorstellungen eintreten", gibt Wolfgang Gerts zu bedenken. Denn die Realität habe mit den süßen Fotos von exotisch aussehenden Kindern nichts zu tun.

Die Wartezeit sinnvoll nutzen

Eine Auslandsadoption stellt eine besondere Herausforderung dar. Die allerdings kann man meistern. Hunderte von ausländischen Kindern finden jährlich ihren Platz in deutschen Familien, wachsen mit diesen zusammen und erleben eine glückliche Kindheit und Jugend. "Die beste Voraussetzung dafür ist", so Claudia Brehm, "dass sich die Adoptionsbewerber gut vorbereiten und bereit sind, Schwierigkeiten gemeinsam zu meistern."

Nicht zuletzt deswegen sollte man das langfristige Verfahren als Chance betrachten, die eigene Motivation noch einmal genau zu beleuchten, die Zeit nutzen, um mehr übers Herkunftsland des Kindes zu erfahren, die Sprache zu erlernen und Kontakt zu anderen Familien aufzunehmen, um von deren Erfahrungsschatz zu profitieren.

Auf der Website des Bundesamtes für Justiz findet man eine Liste mit zugelassenen Auslandsvermittlungsstellen für Adoptionen.

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