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Befruchtungstourismus: Wunschkind mit Hilfe einer fremden Frau

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Eizellenspende  

Wunschkind mit Hilfe einer fremden Frau

17.01.2014, 09:17 Uhr | tze, t-online.de

Befruchtungstourismus: Wunschkind mit Hilfe einer fremden Frau. Künstliche Befruchtung einer Eizelle. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

In den USA und in Großbritannien wird über das "Drei-Eltern-Baby" mit Erbgut von zwei Müttern debattiert. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

"Befruchtungstourismus" ist kein schönes Wort. Dahinter steckt die Verzweiflung von kinderlosen Paaren, die ins Ausland aufbrechen, um sich den Kinderwunsch mit einer gespendeten Eizelle zu erfüllen. In Deutschland ist die Eizellenspende illegal. Sollte das Verbot aufgehoben werden, wie einige Experten fordern? Um diese Frage ging es gestern in der ARD-Sendung "Kontraste".

Es ist ein Schock für Paare, die mit Ende 30 erfahren, dass sie sogar für eine künstliche Befruchtung schon zu alt sind, obwohl sie sich doch noch so jung fühlen. Dann ist das Befruchten und Einpflanzen einer gespendeten Eizelle die letzte Chance. Tausende Paare pro Jahr lassen die Prozedur im Ausland vornehmen.

So wie Tina und Hendrik Treuse, die so sehr unter ihrer Kinderlosigkeit leiden, dass sie auf vieles verzichten, um sich die teure Behandlung in Spanien leisten zu können. Je nach Land kostet die Kinderwunschbehandlung per Eizellenspende zwischen 3500 und 9000 Euro. Dazu kommen die Anreisekosten. Für zwei Behandlungen hat das Paar 16.000 Euro bezahlt. Vergeblich, Tina wurde trotzdem nicht schwanger.

Eizellenspende ist in Deutschland verboten

In Deutschland, Österreich und in der Schweiz ist die Eizellenspende verboten. In Deutschland ist dies im Embryonenschutzgesetz aus dem Jahr 1990 festgeschrieben. Demnach riskieren Ärzte, die den Eingriff hier vornehmen oder vorbereiten, bis zu drei Jahre Gefängnis. Das Verbot sei überholt und müsse aufgehoben werden, finden Mediziner und Rechtswissenschaftler.

Steigende Nachfrage

Zulässig ist die Eizellspende unter anderem in Belgien, Frankreich, Großbritannien, Polen, Spanien und Tschechien, in der Slowakei und in den Niederlanden. Kinderwunschkliniken in diesen Ländern haben sich schon mit deutschsprachigen Infoseiten und Personal auf verzweifelte Paare aus Deutschland eingestellt und rechnen mit weiter steigender Nachfrage. Die Erfolgsquote für eine Schwangerschaft liegt bei  50 Prozent.

"Wenn es in Deutschland so bleibt, dass Frauen sehr wenig und sehr spät Kinder bekommen, wird der Bedarf an Eizellspenden steigen", ist der Reproduktionsmediziner Heribert Kentenich überzeugt.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Hubert Hüppe, Berater in Fragen der Medizinethik, ist gegen die Legalisierung der kommerziellen Eizellspende. "Es gibt kein grundgesetzlich festgeschriebenes Recht auf ein Kind. Sonst müsste man ja auch Leihmutterschaft und Klonen freigeben." Das schärfste Argument der Gegner: Es verletze die Menschenwürde, wenn Frauen sich gegen Bezahlung gesundheitlichen Risiken aussetzen, schlimmstenfalls aus finanzieller Not Eizellen verkaufen.

Anders bewertet als die Samenspende

Auch Samenspender stellen ihren Körper gegen Geld zur Verfügung, und das völlig legal. Allerdings muss sich eine Eizellspenderin einer gravierenden medizinischen Behandlung unterziehen, bei der die Eierstöcke der Frau künstlich stimuliert werden, um eine größere Menge an Eizellen zu gewinnen.

Befürworter der Legalisierung meinen, dass die Behandlung transparenter und für die Spenderinnen sicherer sei,  wenn sie nach den Standards des deutschen Gesundheitssystems erfolge.

Hat die "gespaltene Mutterschaft Folgen?

"Gespaltene Mutterschaft" ist ein weiteres Schlagwort der Bedenkenträger. Das Kind habe eine genetische Mutter und eine, die es ausgetragen hat. Die Folgen? Der Eltern-Kind-Beziehung und Psyche der Kinder schade das jedenfalls nicht, lautet die Essenz verschiedener Studien.

Üblicherweise bleibt die Eizellenspenderin anonym, die "zweite Mutter" taucht im Leben der Empfängerin und des Kindes nicht auf. Undenkbar für Felicitas Schirow aus Berlin, die mit 50 Jahren mit einer Eizellenspende Mutter wurde. Sie fand im Bekanntenkreis eine Frau, die zu dem Eingriff im Ausland bereit war. Bis heute stehen die beiden Frauen in Kontakt. Schirows Sohn ist nun fünf Jahre alt und lebt mit der Überzeugung: "Wenn meine Mama einmal stirbt, habe ich ja noch eine zweite Mama."

Aber wie steht es rechtlich? Professor Jochen Taupitz, Medizinrechtsexperte und Mitglied im Ethikrat, sagt in dem TV-Beitrag: "Die Mutterschaft nach einer Eizellenspende ist rechtlich unanfechtbar." Er befürwortet die Zulassung der Methode. "Meiner Meinung nach ist das Verbot nicht verfassungskonform, denn hier wird massiv in die Fortpflanzungsfreiheit von Paaren eingegriffen."

Es gibt einige Aktivitäten und Bemühungen rund um das Thema: Das gemeinnützige Netzwerk Embryonenspende beispielsweise arbeitet daran, im Rahmen des Embryonenschutzgesetzes Embryonenspenden ohne Gewinnabsicht zu ermöglichen.  

Das ist die Kernfrage

Die Debatte, ob Eizellenspende in Deutschland verboten bleiben oder legalisiert werden soll, lenkt von der Kernfrage ab:  Warum werden in Deutschland immer weniger Frauen Mutter, und warum zögern sie damit so lange? Sind wirklich so vielen jungen Paaren Karriere und Selbstverwirklichung wichtiger als Kinder, oder liegt es doch an den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen?

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