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Parkinson: Medikamentenvergleich endet unentschieden

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Parkinson  

Medikamentenvergleich endet unentschieden

13.06.2014, 11:31 Uhr | Nina Weber, Spiegel Online

Parkinson: Medikamentenvergleich endet unentschieden. Parkinson: Verschiedene Medikamente (Quelle: dpa)

Verschiedene Medikamente: Womit leitet man die Parkinson-Therapie am besten ein? (Quelle: dpa)

Welches Medikament hilft Parkinson-Patienten auf lange Sicht am besten? Eine britische Studie räumt mit einer alten Angst auf.

Parkinson ist bislang nicht heilbar. Während sich Betroffene zu Beginn vielleicht nur etwas zittrig, müde oder unglücklich fühlen, setzt mit zunehmender Dauer der Erkrankung ein viel stärker werdendes Zittern ein. Der Tremor ist eines der Hauptsymptome der Krankheit.

So früh wie möglich Krankheitssymptome mildern

Ärzte verschreiben so früh wie möglich Medikamente, die die Krankheitssymptome mildern. Allerdings haben sämtliche Mittel auch Nebenwirkungen. Welche der Alternativen ist langfristig am besten für die Patienten mit einem sogenannten idiopathischen Parkinson-Syndrom, die den Großteil der Erkrankten ausmachen? Eine britische Forschergruppe, die "PD MED Collaborative Group", hat mithilfe von 1620 Patienten drei Wirkstoffklassen miteinander verglichen:

  • L-Dopa, auch bekannt als Levodopa, wird seit Jahrzehnten eingesetzt. Bei der Langzeitanwendung kommt es vermehrt zu unwillkürlichen Bewegungen, sogenannten Dyskinesien.
  • Dopamin-Agonisten, zu deren Nebenwirkungen Tagesmüdigkeit und die Einlagerung von Wasser in den Beinen zählen.
  • Monoaminooxidase-Hemmer (MAO-B-Hemmer), die vor allem im Frühstadium der Erkrankung mild wirksam sind.

Rund 80 Prozent der Teilnehmer bekamen ein zusätzliches Medikament

Bis zu sieben Jahre lang begleiteten die Forscher die Therapie der Patienten, wie sie im Fachmagazin "Lancet" berichten. Die Teilnehmer wussten, welches Medikament sie nahmen. Wenn Nebenwirkungen auftraten oder die erwünschte Wirkung ausblieb, wurde das Mittel gewechselt oder ein zusätzliches Medikament eingenommen (im Fachjargon heißt das, es war ein open-label, pragmatic randomised trial). Die Probanden, die mit einem Dopamin-Agonisten oder MAO-B-Hemmer gestartet waren, bekamen deutlich häufiger ein zusätzliches Mittel, meist L-Dopa, verschrieben. Bei rund 75 beziehungsweise 80 Prozent blieb das erste Medikament nicht das einzige.

Die Studie kommt zum Schluss: Bekommen die Patienten als erstes Mittel L-Dopa verschrieben, bleibt ihre Mobilität ein wenig besser erhalten, als wenn sie zuerst MAO-B-Hemmer oder Dopamin-Agonisten einnehmen. Bei vielen anderen Punkten, etwa der Zahl der Demenzerkrankungen oder der Zahl frühzeitiger Todesfälle, zeigten sich keine Unterschiede zwischen den Gruppen.

"Angst vor L-Dopa nicht gerechtfertigt"

Aufgrund des Dyskinesie-Risikos hatten Ärzte einige Jahre lang insbesondere jüngeren Parkinson-Patienten, also jenen unter 60, zuerst kein L-Dopa verschrieben. Die nun veröffentlichte Arbeit gibt an dieser Stelle Entwarnung. "Wir sehen, dass die Angst vor L-Dopa nicht gerechtfertigt ist", sagt Wolfgang Oertel von der Universität Marburg, einer der Autoren der deutschen Parkinson-Leitlinie. Dies hätte allerdings eine andere größere Untersuchung bereits 2009 gezeigt.

In der Therapieleitlinie in Deutschland wird empfohlen, dass Arzt und Patient gemeinsam entscheiden, mit welchem Medikament man die Therapie beginnt. "Wer zuerst einen Dopamin-Agonisten oder MAO-B-Hemmer nimmt, braucht in der Regel wenige Jahre zusätzlich L-Dopa", erklärt Oertel. Dyskinesien treten demnach im Verlauf der Erkrankung unter der Behandlung so oder so auf. Allerdings fallen diese laut Oertel nur noch selten so heftig aus, dass sie den Betroffenen einschränken, da grundsätzlich hierzulande mit eher niedrigen L-Dopa-Dosen behandelt wird.

Therapieempfehlungen in Deutschland bleiben bestehen

Die Studie, so Oertel, wird daher keine Auswirkungen auf die Therapieempfehlungen in Deutschland haben, sondern bestätigt die existierenden Leitlinien. Hierzulande leiden Schätzungen zufolge rund 120.000 Menschen an Parkinson, bei den über 65-Jährigen sind 18 von 1000 Menschen betroffen.

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