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Rätselhafter Patient: Mann mit Hautmaulwurf

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Ein rätselhafter Patient  

Ein Wurm geht unter die Haut

05.01.2015, 09:54 Uhr | Dennis Ballwieser, Spiegel Online

Rätselhafter Patient: Mann mit Hautmaulwurf. So genannte Nematoden können über rohen Fisch in die Nahrung gelangen. (Quelle: imago)

So genannte Nematoden können über rohen Fisch in die Nahrung gelangen. (Quelle: imago)

Ein Japaner verspeist rohen Tintenfisch, dann plagen ihn Magenschmerzen. Tage später rötet sich seine Haut am Bauch. Die Mediziner haben einen Verdacht: Hat der Mann mit den Meeresfrüchten einen Parasiten verspeist?

Als der 42-Jährige in der Hautklinik der University of Toyama erscheint, ist eine Stelle an seinem Bauch seit zwei Tagen gerötet. Um der Ursache seiner Beschwerden auf die Spur zu kommen, befragen die Ärzte ihn zunächst.

Auffällig ist, dass der Mann eine Woche zuvor rohen Tintenfisch gegessen und zwei Tage darauf starke Bauchschmerzen entwickelt hat. Zu diesem Zeitpunkt konnte ein Mediziner bei einer Magenspiegelung keine Ursache entdeckten. Nach einigen Tagen waren die Schmerzen wieder vergangen, bis schließlich der juckende Hautausschlag auftrat.

In der Bauchmitte sehen die Ärzte eine etwa sechs Zentimeter lange Rötung, in deren Mitte sich eine Kruste und kleine Gefäße abzeichnen. Die Laboruntersuchung zeigt, dass das Blut des Mannes auffallend viele eosinophile Abwehrzellen enthält. Diese sind typisch für die ungezielte Verteidigung gegen Parasiten. Auch insgesamt sind die weißen Blutzellen erhöht, ebenso wie Immunglobuline der Klasse E - Abwehrpartikel, die sich ebenfalls gegen Parasiten richten.

Hautmaulwurf oder Creeping eruption

Die Ärzte nehmen an, dass sich ihr Patient beim Verspeisen des rohen Tintenfischs einen Trittbrettfahrer eingefangen hat: Die Larven verschiedener Würmer können Hautveränderungen verursachen, die denen am Bauch des Mannes ähneln. Im Fachjargon heißt der Hautausschlag Larva migrans cutanea oder auch Creeping eruption. Simpler und treffend ist der deutsche Ausdruck Hautmaulwurf. Häufig sind Hakenwürmer der Grund der Krankheit, die meisten Patienten infizieren sich in den Tropen.

Die japanischen Ärzte schneiden die gerötete Stelle komplett aus dem Bauch des Mannes, um sie auf Parasiten zu untersuchen. In der entfernten Haut haben sich Entzündungszellen gesammelt; tief im Hautinneren sehen die Pathologen unter dem Mikroskop Parasitenlarven. Anhand verschiedener Merkmale können sie die Larvenart eingrenzen, ein Test des Blutserums auf Antikörper gibt Sicherheit: Es handelt sich um Spirurina-Larven. Dem Patienten geht es nach der Operation gut, er hat auch Monate später keine Beschwerden mehr.

Nur eine bestimmte Art von Spirurina-Larven löst bei Menschen Beschwerden aus, der Typ X, berichten Teruhiko Makino und seine Kollegen im Fachmagazin "The Lancet". Der Mensch nimmt sie mit kleinen Tintenfischen oder Fischen auf, eigentlich aber sind Wale das Ziel dieser Würmer. Im Menschen können sie nur kurze Zeit überleben, da ihnen die Voraussetzungen zum Wachsen fehlen.

Mit Sushi und Sashimi in die Welt

Im schlimmsten Fall drohen Patienten ein Darmverschluss, Darmentzündungen oder eine Ausbreitung in die Bauchhöhle. Anschließend wandern die Larven in die Haut, es gibt auch Berichte über befallene Augen. Um die Parasiten zu stoppen, muss das befallene Gewebe herausgeschnitten werden. Auch ohne Behandlung verschwindet die Hautrötung meist innerhalb von zwei Monaten.

Bislang gibt es Berichte über rund 50 Infektionen in Japan, die Autoren des Fallberichts führen das auf die lange Tradition roher Meeresfrüchte in der japanischen Küche zurück. Sie gehen davon aus, dass mit der Beliebtheit von Sushi und Sashimi auch außerhalb Japans Fälle von Parasitenbefall auftreten können. Spirurina-Larven Typ X befallen neben Tintenfischen unter anderem den in der asiatischen Küche beliebten japanischen Sandfisch und den pazifischen Kabeljau.

Auch der hierzulande sehr beliebte Lachs kann Parasiten enthalten - Bandwürmer. Häufig sind solche Fälle bei hochwertigen Meeresfischen aber nicht. Die Gefahr, sich beim Essen in japanischen Restaurants oder Sushi-Bars mit Parasiten zu infizieren, sei nicht so groß wie oft befürchtet, schreiben Forscher des Schweizer Tropeninstituts in einem Fachartikel über Parasiten beim Sushi-Genuss. Im Westen schützen Vorschriften zum Kühlen der Fische zusätzlich vor einer Infektion.

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