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Ultraschalluntersuchung in der Schwangerschaft

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Expertenmeinungen  

Sind Ultraschalluntersuchungen in der Schwangerschaft schädlich?

15.06.2017, 15:10 Uhr | mmh, t-online.de

Ultraschalluntersuchung in der Schwangerschaft. Eine Schwangere bei einer Ultraschalluntersuchung. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images/Symbolbild/Ltd)

Mittels einer Ultraschalluntersuchung können Ärzte Fehlbildungen bei Kindern im Mutterleib immer früher und genauer feststellen (Quelle: Symbolbild/Ltd/Thinkstock by Getty-Images)

Um während der Schwangerschaft die Entwicklung des Babys zu beobachten, werden regelmäßig Ultraschalluntersuchungen durchgeführt. Was in welcher Untersuchung im Fokus steht und ob der Ultraschall gefährlich ist, lesen Sie hier.

Die drei Ultraschalluntersuchungen während der Schwangerschaft

Ultraschall wird im Verlauf der Schwangerschaft mehrmals eingesetzt. Mittels Sonografie können Ärzte den Fehlbildungen bei Kindern im Mutterleib immer früher und genauer feststellen beziehungsweise ausschließen. Im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge kann jede Frau in Deutschland drei Ultraschalluntersuchungen ihres Babys in Anspruch nehmen. Als diagnositische Untersuchungen werden die Kosten für diese von der Krankenkasse übernommen.

Bei der ersten Ultraschalluntersuchung während der Schwangerschaft (9. bis 12. Schwangerschaftswoche) wird gecheckt, ob Herztöne vorhanden sind, ob es sich um mehrere Embryonen handelt oder ob physische Auffälligkeiten zu sehen sind. Dabei können etwa der Fruchtsack, der das Baby versorgt bis die Ernährung über die Nabelschnur erfolgt, die Länge des Embryos vom Scheitel bis zum Steiß oder der Kopfdurchmesser genau festgestellt werden.

Eine Feindiagnostik mittels Ultraschall ist nur bei Auffälligkeiten vorgesehen

Beim zweiten Screening (19. bis 22. SSW) können frontookzipitaler Durchmesser, also die Länge des Kopfes von vorne nach hinten, Kopfumfang, Bauchdurchmesser des Babys, und Länge der Oberarm- und Oberschenkelknochen errechnet werden. Anhand der Ultraschallbilder wird auch das Herz genauer betrachtet: Der Untersucher prüft, ob es die richtige Größe hat, rhythmisch schlägt und die vier Kammern ausgebildet sind. Außerdem untersucht der Gynäkologe, ob Magen und Harnblase sichtbar sind und die vordere Bauchwand geschlossen ist. Beim dritten Screening (29 bis 32. Woche) werden dieselben Untersuchungen zum Vergleich wiederholt.

Eine weiterführende Organdiagnostik – auch Feindiagnostik genannt – ist nach den Mutterschaftsrichtlinien in Deutschland nur vorgesehen, wenn beim Basisultraschall Auffälliges entdeckt wird oder besondere Risiken vorliegen. Im Unterschied zum erweiterten Basisultraschall werden bei den weiterführenden speziellen Ultraschalluntersuchungen unter anderem zusätzlich das fetale Gesicht, die Extremitäten und die Hauptschlagadern am Herzen untersucht. In der Regel wird die Schwangere dazu an den Ultraschallspezialisten überwiesen.

Ein 3D-Ultraschall ist selten medizinisch notwendig. Viele angehende Eltern lassen ihn trotzdem durchführen, da er die Möglichkeit bietet, das Baby schon vor seiner Geburt dreidimensional zu sehen. Der 3D-Ultraschall ist eine individuelle Gesundheitsleistung; die Kosten werden in der Regel nicht von der Krankenkasse übernommen. Die Kosten für diese Art von Ultrschall variieren. Schwangere müssen ungefähr mit 50 bis 150 Euro rechnen.

Ultraschall: Risiko für das Ungeborene oder uneingeschränkter Nutzen?

"So laut wie ein einfahrender U-Bahn-Zug" oder "minimales Risiko, das vom medizinischen Nutzen überwogen wird" – diese beiden Thesen stehen im Raum, wenn über die Risiken des Ultraschalls in der Schwangerschaft diskutiert wird. Die einen kritisieren einen überzogenen Technik-Einsatz in der Geburtsvorbereitung. Die anderen betonen die Vorteile der Früherkennung von Risiken in der Schwangerschaft – allerdings oft an der Grenze zur Panikmache, wie ihnen Kritiker vorwerfen.

So funktioniert Ultraschall

"Ultraschall ist eine Schallwelle, die mechanische Wirkungen und Temperaturerhöhungen in den von ihr durchlaufenen Geweben hervorruft", erklärt Professor Eberhard Merz, Leiter des Zentrums für Ultraschalldiagnostik und Pränatalmedizin in Frankfurt. Der Schallkopf sendet Schwallwellen aus, die von unterschiedlichen Geweben mehr oder weniger stark reflektiert werden. Der Schallkopf nimmt den zurückgeworfenen Schall wieder auf. Dadurch kann ein Abbild des Inneren des Mutterleibs erstellt werden.

Dass das Kind den Ultraschall im Mutterleib tatsächlich höre, sei laut dem Experten Merz jedoch ausgeschlossen. "Die Frequenzen beim diagnostischen Ultraschall betragen in etwa fünf bis zehn Megahertz. Das sind fünf bis zehn Millionen Schwingungen pro Sekunde“, erläutert er. Die Schwelle des menschlichen Gehörs liege aber bei zwanzigtausend Schwingungen pro Sekunde, also mindestens fünfzigfach niedriger.

Kein Beweis, ob Babys auf Ultraschall reagieren

Der Ultraschall wird bei der Untersuchung nicht kontinuierlich, sondern in kurzen, rasch aufeinander folgenden Impulsen freigesetzt. Dass die Pulswiederholungsrate zu einem akustischen Phänomen führt, wurde bislang nicht nachgewiesen. "Es gibt bislang keinen unabhängig bestätigten, in hochwertigen Fachzeitschriften publizierten Beweis, dass der Fötus tatsächlich die Pulswiederholungsrate hört, darauf reagiert oder dadurch geschädigt wird“, so Merz.

Auch bestehe kein Risiko, dass es durch die vorgeburtliche Ultraschalluntersuchung zu einer gefährlichen Erwärmung des Feten kommt, sofern die Schwangere nicht Fieber habe. Lediglich bei einer längeren, mehrere Minuten dauernden gepulsten Doppleruntersuchung beobachteten Forscher im Tierversuch einen Temperaturanstieg von bis zu vier Grad Celsius. Dieses Verfahren kommt im Rahmen der Schwangerenvorsorge nur dann zum Einsatz, wenn der Ultraschallspezialist Herz und Gefäße des Ungeborenen untersucht. "Diese Untersuchung dauert nur wenige Sekunden", so Merz. "Dass es dabei zu einer relevanten lokalen Temperaturerhöhung kommt, ist sehr unwahrscheinlich." Wärme entsteht beim Ultraschall, wenn die Druckwellen vom Gewebe absorbiert, sprich abgeschwächt, werden.

Experten: Ungeborene spüren oder hören Ultraschallwellen nicht

Viele Forschungen weisen daraufhin, dass schon vorgeburtliche Eindrücke den Menschen prägen, Gefühle, Vorlieben und Ängste aufbauen. Auch deshalb wird Schwangeren empfohlen, angenehme Musik zu höre und werdenden Vätern, mit  dem Ungeborenen zu sprechen, damit es mit der Stimme vertraut wird. Was also löst das Ultraschall-Geräusch beim Baby aus? Will es den werdenden Eltern wirklich zuwinken oder wendet es sich ab und will vor dem Brummen fliehen?

"Für ungeborene Kinder bestehen keine gesundheitlichen Risiken durch Ultraschalluntersuchungen. Dennoch sollten sie ausschließlich von Experten und zur medizinischen Diagnostik durchgeführt werden – nicht zum sogenannten 'Babyfernsehen'“, so die Einschätzung der Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM). Zudem spüre das Kind nach den heutigen Kenntnissen einen Ultraschall nicht.

Keine Hinweise auf Schädigung

Dennoch: "Vorsicht ist das oberste Gebot in der Medizin", erklärt Merz. In der Diagnostik gelte das sogenannte ALARA-Prinzip ("as low as reasonably achievable"): so viel wie nötig, so wenig wie möglich.

Für Professor Merz bedeutet dies: Ultraschalluntersuchungen in der Schwangerschaft sollten nur von Ärzten mit entsprechender Aus- und Weiterbildung und nur dann durchgeführt werden, wenn sie wirklich notwendig sind. Die DEGUM spricht sich ausdrücklich gegen Ultraschalluntersuchungen aus, die nur zum Zwecke des "Babyfernsehens" auf Wunsch der Eltern durchgeführt werden.

Ultraschalldiagnostik ist nicht mehr wegzudenken

Ultraschalldiagnostik ist heute das am häufigsten eingesetzte bildgebende Verfahren in der Medizin. Ultraschallanwendern bescheinigt die DEGUM eine entsprechende Qualifikation mit einem Zertifikat der Stufen 1 bis 3.

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