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Schwangerschaftsdiabetes: Was Sie wissen sollten

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Blutzuckerspiegel testen  

Vorbeugung, Diagnostik, Therapie: Was Sie über Schwangerschaftsdiabetes wissen sollten

15.06.2017, 17:00 Uhr | tze, dpa-tmn

Schwangerschaftsdiabetes: Was Sie wissen sollten. Eine Schwangere lässt ihre Blutzuckerwerte testen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images/ovanmandic)

Manche Frauen entwickeln in der Schwangerschaft einen Schwangerschaftsdiabetes. (Quelle: ovanmandic/Thinkstock by Getty-Images)

Schwangerschaftsdiabetes, in der Fachsprache Gestationsdiabetes genannt, zählt zu den häufigsten Erkrankungen während der Schwangerschaft. In Deutschland sind knapp vier Prozent der Schwangeren betroffen. Auch für das Kind bleibt der Diabetes der Mutter nicht immer ohne Folgen.

Die Hormonveränderungen während der Schwangerschaft können einen Anstieg des Blutzuckerspiegels auslösen. Vereinfacht gesagt: Vor allem im späteren Schwangerschaftsverlauf sorgen bestimmte Hormone dafür, dass im Körper mehr Glukose (Zucker) bereitgestellt wird. Dann muss die Bauchspeicheldrüse vermehrt Insulin ausschütten, um den Blutzuckerspiegel zu senken und die Glukose in die Zellen zu transportieren. Wenn die Bauchspeicheldrüse nicht genug Insulin produzieren kann, bleibt der Blutzuckerspiegel zu hoch.

Risikofaktoren für die Entstehung eines Schwangerschaftsdiabetes

Ein erhöhtes Risiko für Schwangerschaftsdiabetes haben Frauen mit den folgenden Faktoren:

  • Übergewicht
  • Alter über 30 Jahren
  • familiäre Vorbelastung mit Diabetes-Typ-2
  • Schwangerschaftsdiabetes während einer früheren Schwangerschaft
  • massive Gewichtszunahme während der Schwangerschaft
  • vorherige Geburt eines Kindes mit mehr als 4000 Gramm Geburtsgewicht
  • eigenes Geburtsgewicht über 4000 Gramm
  • mehrere Fehlgeburten

So wirkt sich Schwangerschaftsdiabetes auf Mutter und Kind aus

Oft geht Schwangerschaftsdiabetes bei der werdenden Mutter mit Bluthochdruck und zu hoher Eiweißkonzentration im Urin einher, die Harnwegsinfektionen begünstigt. Das Ungeborene bekommt über die Plazenta und Nabelschnur einen Überschuss an Kohlenhydraten und nimmt übermäßig an Gewicht zu. Außerdem gleicht es den hohen Zuckerspiegel durch vermehrte Insulinproduktion aus.

Trotz des rapiden Wachstums im Mutterleib kommt es zu Reifestörungen insbesondere bei der Entwicklung der Lunge. Das erhöhte Gewicht des Ungeborenen begünstigt Schwangerschaftsbeschwerden, Frühgeburten und Geburtskomplikationen. Zudem hat das Kind später ein stark erhöhtes Risiko für Übergewicht, Diabetes und Herz-Kreislauf-Krankheiten.

Blutzucker-Suchtest gehört zur Schwangerschaftsvorsorge

Symptome eines Schwangerschaftsdiabetes sind zum Beispiel viel Durst, häufige Toilettengänge oder ein ungewöhnlich großes Baby. Trotzdem bleibt ein Schwangerschaftsdiabetes oft unbemerkt. Deshalb gehört ein Blutzucker-Suchtest zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche inzwischen zu den Vorsorgeuntersuchungen, die von der Krankenkasse bezahlt werden. Zunächst wird der Blutzuckerspiegel der Schwangeren nach der Gabe einer zuckerhaltigen Lösung gemessen. Wenn das Ergebnis auffällig ist, folgt ein weiterer Test, bei dem der Blutzuckerspiegel zunächst nüchtern und dann ein und zwei Stunden nach Aufnahme von 75 Gramm Glukose gemessen wird.

Für die  Diagnosestellung gelten folgende Grenzwerte:

  • nüchtern: 9 mg/dl (5,1 nmol/l)
  • nach einer Stunde: 180 mg/dl (10 nmol/l)
  • nach zwei Stunden: 155 mg/dl (8,5 nmol/l)

Wenn einer der Werte überschritten wird, ist ein Schwangerschaftsdiabetes vorhanden.

Die Ernährung muss umgestellt werden

Schwangerschaftsdiabetes muss umgehend behandelt werden. In den meisten Fällen lassen sich die erhöhten Blutzuckerwerte durch Ernährungsumstellung und ausreichend Bewegung normalisieren. Betroffene sollten auf süße Limonaden und Fruchtsäfte und weißmehlhaltige Lebensmittel verzichten und stattdessen ballaststoffreiche Nahrung in mehreren kleinen Portionen zu sich nehmen. Außerdem ist Bewegung sehr wichtig. Falls das nicht ausreicht und die Zuckerwerte trotz der Maßnahmen zum Beispiel nach dem Essen ungewöhnlich lange hoch bleiben, ist eine Insulintherapie nötig.

Studie: Jede zweite Betroffene bekommt später Typ-2-Diabetes

Auch wenn sich der Blutzuckerspiegel bei der Mutter nach der Entbindung wieder im Normbereich eingependelt hat, sollte sie die Werte regelmäßig kontrollieren lassen, rät die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DGG). Hintergrund der Empfehlung ist eine Studie aus Südkorea, die im "Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism" veröffentlicht wurde. Demnach bekommt jede zweite Frau mit Schwangerschaftsdiabetes innerhalb von acht Jahren nach der Geburt Diabetes vom Typ 2. Vergleichbare Ergebnisse haben Forscher für Deutschland ermittelt.

Vorbeugen: So lässt sich das Risiko für Diabetes senken

Sinnvoll sei ein erster Test sechs bis zwölf Wochen nach der Geburt. Wenn der Wert nicht auffällig ist, reichen weitere Kontrollen jedes zweite oder dritte Jahr. So kann eine drohende Erkrankung frühzeitig erkannt werden. Dennoch ist Typ-2-Diabetes kein unabwendbares Schicksal. Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes, die ihr Kind stillen, haben ein um 40 Prozent verringertes Risiko. Außerdem wirken eine gesunde, ausgewogene Ernährung und ein normales Körpergewicht vorbeugend.

Um bereits einer Schwangerschaftsdiabetes vorzubeugen, gelten die gleichen Regeln. Wenn Sie stark übergewichtig sind, können Sie möglicherweise dem Schwangerschaftsdiabetes vorbeugen und ihn verhindern, indem Sie sich von Beginn an ausgewogen ernähren, sich viel bewegen und versuchen, während der Schwangerschaft nicht übermäßig zuzunehmen. Essen Sie viele Vollkornprodukte, Obst und Gemüse.

Nach einer Studie von Wissenschaftlern der University of London, die im "British Medical Journal" erschien, hatten Schwangere mit einer kalorienreduzierten Ernährung ein um 60 Prozent geringeres Risiko, an Schwangerschaftsdiabetes zu erkranken, als eine Kontrollgruppe.

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