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Hebammenmangel: Schwangere fühlen sich im Stich gelassen

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Abgewiesen vorm Kreißsaal  

So leiden Schwangere unter dem Hebammenmangel

04.05.2017, 16:42 Uhr | Britta Schultejans, dpa

Hebammenmangel: Schwangere fühlen sich im Stich gelassen. Eine Schwangere steht gedankenverloren an einem Fenster. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images/Symbolbild/emituu)

Viele Schwangere haben Probleme, eine Hebamme zu finden (Quelle: Symbolbild/emituu/Thinkstock by Getty-Images)

Überall in Deutschland fehlen Hebammen. Besonders drastisch ist die Situation in Großstädten wie beispielsweise München. Anlässlich des "Internationalen Hebammentags" (5. Mai) werfen wir einen genaueren Blick auf die Schattenseiten des aktuellen Babybooms.

Die Geschichten ähneln sich: "Ich bin in der 23. Woche und habe immer noch keine Hebamme gefunden...", schreibt eine Schwangere in einem Facebook-Forum für Mütter. "Ich bin mittendrin in diesem Schlamassel, habe erfolglos gesucht, mich wund telefoniert und fühle mich pränatal sehr im Stich gelassen", schreibt eine andere. Und eine dritte musste sich beim Versuch, sich in einer Geburtsklinik anzumelden, sagen lassen, in der 10. Woche sei sie natürlich viel zu spät dran. "Bei uns müssen Sie sich melden, sobald Sie das Gefühl haben, schwanger zu sein."

2015 ist die Zahl der Hebammen leicht gestiegen

Das alles sind Beispiele aus München, doch so oder ähnlich sieht es auch in anderen deutschen Großstädten aus. Denn bundesweit herrscht Hebammenmangel – und das obwohl die Zahl der Hebammen in Deutschland im Jahr 2015 leicht gestiegen ist, wie das Statistische Bundesamt vor Kurzem mitteilte. Insgesamt arbeiteten demnach vor zwei Jahren in deutschen Krankenhäusern 10.919 Hebammen und Entbindungshelfer. Zahlen für 2016 liegen noch nicht vor.

Kurz vor Ostern 2017 machte eine Hebamme aus Nordrhein-Westfalen mit einem Geburtstipp Schlagzeilen. Sie riet: Wer sich ein Kind wünsche, solle über die Feiertage trotzdem noch verhüten. Sonst käme das Baby im Dezember oder Januar zur Welt – und rund um Weihnachten und Neujahr sei es noch viel schwieriger als ohnehin schon, eine betreuende Hebamme zu finden.

Eine Hebamme in Deutschland betreut rund 100 Geburten pro Jahr

Eine in Vollzeit arbeitende Hebamme betreut nach Angaben des Deutschen Hebammenverbands pro Jahr rund 100 Geburten; in Großbritannien und Norwegen sind es nur rund 30. Dem Verband zufolge laufen in deutschen Kreißsälen oft drei bis vier Geburten gleichzeitig – mit nur einer Hebamme. Verbandspräsidentin Martina Klenk führt den Hebammenmangel auf das geringe Einkommen zurück. "Die Vergütung angestellter und freiberuflicher Hebammen ist grauenvoll", sagt sie.

Und wenig Einkommen wird vor allem in teuren Großstädten wie München zum Problem. Gerade dort sind Hebammen allerdings heiß begehrt. Denn seit zehn Jahren steigt die Zahl der Geburten in der bayerischen Landeshauptstadt. Im vergangenen Jahr meldete München wieder einen Geburtenrekord: 18.107 Neugeborene.

Wie kann man den Babyboom bewältigen?

Was eigentlich ein Grund zur Freude ist, bringt die Stadt inzwischen allerdings an ihre Grenzen. "München ist auch wegen der Geburtenrekorde eine sehr junge Stadt. Diese stellen das Versorgungssystem aber auch vor große Herausforderungen", sagt die Münchner Gesundheitsreferentin Stephanie Jacobs.

Wie groß dieses Problem ist, zeigen nicht nur die verzweifelten Mütter-Kommentare im Internet, sondern auch die Tatsache, dass München inzwischen einen runden Tisch eingerichtet hat, um den Babyboom zu bewältigen – die "AG Geburtshilfe". Dort sitzen unter anderem Vertreter der großen Kliniken zusammen.

Christine Lindenthal vom Verein Mother Hood, der ebenfalls zur "AG" gehört, berichtet, dass 2014 insgesamt 800 Frauen von Münchner Kreißsälen abgewiesen worden seien. Aktuellere Zahlen gibt es nach Angaben des städtischen Gesundheitsreferates nicht.

Frauen in den Wehen werden von Kreißsälen abgewiesen

"Das ist wirklich die Realität. Am runden Tisch erzählen die Klinikvertreter immer wieder, dass es an der Tagesordnung ist, dass Frauen abgewiesen werden", sagt die bayerische Landesvorsitzende des Hebammenverbandes, Astrid Giesen. "Wenn in einem Staat wie Deutschland, der so reich ist, eine Frau in den Wehen weggeschickt wird, dann muss ich mich schon fragen, was da in der Planung falsch gelaufen ist."

Doch selbst wer eine Hebamme findet und auch noch das Glück hat, in dem Kreißsaal zu entbinden, in dem er sich auch angemeldet hat – ausgestanden ist noch nicht alles – ob in München, Hamburg oder Berlin. "Es hört nicht auf, wenn die Kinder erstmal da sind", schreibt eine Mutter auf Facebook. "Babyschwimmen, Krippe, Kindergarten, Hort, Sportvereine... Achja – selbst die Grundschulen schaffen es nicht mehr, ihren eigenen Sprengel zu bedienen... selbst der Kinderarzt hat nur noch Kapazität für Kinder, die im selben Stadtteil leben... Ich freu mich auf die kommenden Jahre."

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