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Multiresistente Keime: Mittelalter-Salbe lässt Forscher erstaunen

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Forscher erstaunt  

Mittelalter-Salbe tötet resistente Keime

12.04.2015, 08:32 Uhr | bri

Multiresistente Keime: Mittelalter-Salbe lässt Forscher erstaunen. Die Grafik zeigt den Erreger multiresistenter Staphylococcus aureus. Gegen den Keim sind gängige Antibiotika wirkungslos. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Die Grafik zeigt den Erreger multiresistenter Staphylococcus aureus. Gegen den Keim sind gängige Antibiotika wirkungslos. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Seit Jahren suchen Forscher nach einem Mittel gegen multiresistente Bakterien. Diese Super-Erreger sind selbst gegen starke Antibiotika immun. Jetzt haben Forscher ein Rezept für eine Augensalbe aus dem Mittelalter getestet und schöpfen Hoffnung. In ersten Versuchen konnte die Mischung aus Knoblauch, Zwiebeln und Ochsengalle den gefährlichen Keimen den Garaus machen.

Bald's Leechbook heißt eine altenglische Handschrift aus dem zehnten Jahrhundert mit Rezepten gegen verschiedene Leiden wie Kopfschmerzen aber auch mit Ernährungsratschlägen für Schwangere. Daraus übersetzte die Historikerin Christina Lee von der Universität Nottingham das Rezept für die Salbe, sodass Mikrobiologen sie gegen verschiedene Keime testen konnten.

Erste Versuche erstaunten Forscher

Vereinfacht empfiehlt das alte Medizinbuch folgendes: Eine Mixtur aus Knoblauch, Zwiebeln, Wein und Ochsengalle solle in einem Messinggefäß gemischt werden, neun Tage lang stehen und dann mittels einer Feder auf entzündete Augen gestrichen werden.

An Mäusen wurden schon erste Erfolge erzielt. Erreger vom Typ multiresistenter Staphylococcus aureus (MRSA), gegen die gängige Antibiotika versagen, hatte man extra gezüchtet, um Wunden von Labormäusen mit dem Keim zu infizieren. Dann behandelte man die Verletzungen mit der Mixtur aus dem alten Buch.

Das Ergebnis ließ die Fachwelt aufhorchen: Nur einer von 1000 Keimen überlebte die Behandlung mit der Mittelalter-Salbe. Sogar in verdünnter Form zeigte sich eine starke Wirkung: Die Kommunikation der Bakterien untereinander wurde durch die Behandlung gestört, sodass sich die Infektion nicht weiter ausbreiten konnte. "Wir waren absolut überrascht, wie effektiv die Wirkstoffkombination ist", sagt Freya Harrison, die im Rahmen des Forschungsprojekts die Laborversuche leitet.

Ein neues Wundermittel?

Ein Mittel, das resistente Keime tötet, wäre eine Lösung für ein schwerwiegendes Problem in der Medizin. Denn Erreger werden zunehmend gegen Antibiotika resistent und die Mittel wirken nicht mehr. Jedes Jahr sterben nach Schätzungen der Berliner Charité rund 6.000 Menschen in Deutschland an derartigen Erregern, manche Schätzungen gehen gar von bis zu 40.000 Toten pro Jahr aus.

Noch sind die Experimente mit der Salbe in England mit Vorsicht zu genießen. Versuche aus dem Reagenzglas und an Mäusen sind nicht ohne Weiteres auf den Menschen übertragbar. Wie die Ingredienzien in einem Medikament im Menschen wirken, muss sich erst noch zeigen.

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