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Belastende Mission: .Deutsche Soldaten im Dauereinsatz zur Flüchtlingsrettung

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Belastende Mission  

Deutsche Soldaten im Dauereinsatz zur Flüchtlingsrettung

20.09.2015, 18:10 Uhr | Gioia Forster, dpa

Belastende Mission: .Deutsche Soldaten im Dauereinsatz zur Flüchtlingsrettung. Flüchtlinge an Bord der Fregatte "Schleswig-Holstein". (Quelle: dpa/Gioia Forster)

Flüchtlinge an Bord der Fregatte "Schleswig-Holstein". (Quelle: Gioia Forster/dpa)

"Ein Holzboot, Steuerbord-Seite, komplett voll", hallt es durch die Lautsprechanlage auf dem Schiff. Dann eine Durchsage des Kommandanten: "Im Geiste darauf vorbereiten, dass wir heute an unsere Grenzen gehen werden." Am Horizont erscheint das hellblaue Holzboot. Durch das Fernglas sind darauf etliche Menschen zu sehen, die wenigsten tragen Schwimmwesten. Sie treiben auf dem Mittelmeer, bangen um ihr Leben.

Elf Stunden später sind mehr als 700 Flüchtlinge an Bord der deutschen Fregatte "Schleswig-Holstein". Viele kommen aus dem kleinen ostafrikanischen Staat Eritrea oder aus dem Sudan, einige aus Syrien und dem Irak. Sie sitzen eng gedrängt auf dem Flugdeck, das eigentlich für Start und Landung von Helikoptern gedacht ist.

Auch auf dem zweiten Deck drängen sich die Flüchtlinge. "Aufgrund der hohen Zahlen war es kein normaler Einsatz heute", sagt Marinesoldat Lars L., während der Schweiß sein Gesicht heruntertropft.

Eigentlich ist L. Elektronikmeister an Bord der Fregatte. Doch bei den Rettungseinsätzen koordiniert er die Verpflegung der Flüchtlinge an Deck. Bei Temperaturen um die 30 Grad steht er an Deck - fast elf Stunden lang trägt er trotz Hitze einen weißen Schutzanzug, Haube, Handschuhe und Mundschutz.

767 Flüchtlinge - an einem Tag

Die Bilanz des Tages: die Rettung von dem Holzboot, eine von einem Schlauchboot, eine Übernahme von Hunderten Flüchtlingen von einem britischen Marineschiff. 767 Migranten - so viele wie an diesem Samstag hatte die "Schleswig-Holstein" noch nie an Bord. "Es war mit Sicherheit eine große Herausforderung", betont Kommandant Marc Metzger. "Trotzdem haben wir den Tag sehr erfolgreich gemeistert."

Die Fregatte mit knapp 250 Soldaten an Bord ist eines von zwei deutschen Schiffen, das sich an der EU-Mission EUNAVFOR MED beteiligt. Die Mission wurde von der Europäischen Union beschlossen, nachdem Hunderte Flüchtlinge bei dem Versuch umkamen, von Nordafrika nach Italien zu gelangen.

Der Internationalen Organisation für Migration (IOM) zufolge starben im vergangenen Jahr 2223 Menschen im Mittelmeer, in diesem Jahr bis Mitte September bereits 2748. Die Überfahrt von Nordafrika nach Italien ist demnach die tödlichste der Fluchtrouten nach Europa.

Seit Beginn der EU-Mission Ende Juni haben die deutschen Schiffe insgesamt 2357 Flüchtlinge gerettet. Zuvor hatte die Bundeswehr unter einem nationalen Mandat insgesamt 5673 Menschen aus den Fluten geholt.

Nicht alle wollen nach Deutschland

"Fährt dieses Schiff nach Deutschland?", fragt ein Mann aus Eritrea auf Arabisch. Er sitzt auf dem Flugdeck im Schatten der Plane mit seinem Sohn im Schoß. Der spielt mit einem Kuscheltier, das er von den deutschen Soldaten bekommen hat. Nein, das Schiff fährt nach Italien. "Und wie weit ist der Weg von dort nach Deutschland?"

Neben ihm sitzt eine Frau mit dem jüngsten "Gast" - wie die Soldaten die Flüchtlinge respektvoll nennen - an Bord: ein 39 Tage altes Baby.

Auch der Eritreer Girmay erkundigt sich, wie es für die Flüchtlinge an Bord weiter geht. Er wolle aber nicht nach Deutschland, sondern nach Großbritannien. "Dort spreche ich die Sprache", sagt der 31-Jährige auf Englisch. In Großbritannien möchte er Technik studieren.

Die Stunden an Bord des Holzbootes, das ihn und Hunderte andere Flüchtlinge nach Europa bringen sollte, beschreibt er als "bittere Reise". "Die Zustände waren schlimm, ich konnte kaum atmen, und es war sehr heiß." Vor der Überfahrt sei er in Libyen auch geschlagen worden, erzählte er, und zeigt eine verheilte Wunde an seinem Arm. Vom wem sagt er nicht.

Schwierige Mission für die Soldaten

"Dies ist der forderndste und schwierigste Einsatz für uns", findet Lars L. Der Hauptbootsmann war zwar schon im Einsatz vor der Küste Libanons und bei der Piratenbekämpfung vor dem Horn von Afrika. Diese Mission sei aber ganz was anderes. "Ich habe ein Kind zuhause, da hat man einen ganz eigenen Bezug dazu, was es bedeutet, mit seiner Familie über das Mittelmeer zu fliehen." Je mehr Flüchtlinge die Fregatte rette und je routinierter die Einsätze würden, desto emotionaler werde er. Denn: "Die Distanz ist nicht mehr da."

Nach dem Einsatz fährt die Fregatte mit Höchstgeschwindigkeit in Richtung Palermo auf Sizilien. Dort sollen die geretteten Menschen an die italienischen Behörden übergeben werden. In der Nacht pfeift der Wind, die Wellen sind hoch - viele der Flüchtlinge an Bord sind seekrank.

Auch viele der Soldaten kommen nicht zur Ruhe. "Der Körper sagt schlafen, der Kopf sagt verarbeiten", so Lars L. Für ihn und die Besatzung geht nach Übergabe der "Gäste" die Arbeit weiter: Das Schiff wird dekontaminiert und neu betankt - dann geht es gleich wieder raus auf das Mittelmeer.

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