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Kämpfe auf den Philippinen: Jetzt nistet sich der IS in Asien ein

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"Darf nicht außer Kontrolle geraten"  

Jetzt nistet sich der IS in Asien ein

19.06.2017, 21:16 Uhr | Anke Breitmaier, AP

Kämpfe auf den Philippinen: Jetzt nistet sich der IS in Asien ein. Philippinische Regierungstruppen in Marawi. (Quelle: dpa/Bullit Marquez/AP)

Philippinische Regierungstruppen in Marawi. (Quelle: Bullit Marquez/AP/dpa)

Im Nahen Osten steht der "Islamische Staat" vor dem Zusammenbruch. Doch die Anhänger der Terrormiliz haben bereits ein neues Kampfgebiet ausgemacht. In Südostasien erstarken die radikalen Islamisten.

Zu Hunderten hatten IS-Anhänger aus der Region im Irak und in Syrien gekämpft. Jetzt scheinen sie ihren Schwerpunkt insbesondere in die südlichen Philippinen zu verlegen. Bei dem Angriff von Rebellen mit Verbindungen zum IS auf die philippinische Stadt Marawi wurden seit Mitte Mai mehr als 300 Menschen getötet. Die USA sind über die IS-Aktivitäten in der Region zunehmend beunruhigt.

US-Verteidigungsminister Jim Mattis verwies vergangenen Woche vor dem Kongress darauf, dass eine langfristig angelegte Militäroperation zur Unterstützung der philippinischen Streitkräfte im Kampf gegen extremistische Kämpfer vor drei Jahren vorzeitig beendet worden sei. Allerdings sei eine kleine Gruppe Sondereinsatzkräfte in dem Land geblieben, um die Philippinen zu beraten und zu unterstützen. Bei der Rückeroberung der 200.000-Einwohner-Stadt Marawi habe man zudem mit Luftaufklärung geholfen.

"Wir müssen die Situation thematisieren"

Doch die Abgeordneten, besonders die Republikaner von US-Präsident Donald Trump, wollen eine stärkere Rolle der USA, die zumindest in die Richtung Einsatz von Bodentruppen geht. Ihre Sorge ist, dass die Region ein neues Zentrum für islamistische Kämpfer nicht nur aus Südostasien werden könnte.

"Ich weiß nicht, ob der IS die Operationen dort steuert, aber sie versuchen mit Sicherheit, Kämpfer dort in die Region zu bekommen", sagt etwa die republikanische Senatorin Joni Ernst. "Wir müssen die Situation thematisieren. Das darf nicht außer Kontrolle geraten."

Aus US-Geheimdienstkreisen heißt es, dass der IS öffentlich Anfragen von verschiedenen Gruppen in der Region erhalten habe. In einem Video aus dem Juni 2016 werden IS-Anhänger in Südostasien aufgerufen, auf die Philippinen zu gehen, wenn sie Syrien nicht erreichen können.

Eine, von einem philippinischen Kampfflugzeug abgeworfene, Bombe explodiert in Marawi. (Quelle: dpa/Aaron Favila/AP)Eine, von einem philippinischen Kampfflugzeug abgeworfene, Bombe explodiert in Marawi. (Quelle: Aaron Favila/AP/dpa)

Hochburg der Islamisten

Unter den 500 Angreifern auf Marawi waren nach Angaben des philippinischen Militär etwa 40 Ausländer, die meisten davon aus den Nachbarländern Indonesien und Malaysia. Unter den getöteten Angreifern sollen sich mindestens eine Person aus Saudi-Arabien, aus Tschetschenien und aus dem Jemen befunden haben. Insgesamt verloren mehr als 200 Extremisten bei den seit vier Wochen andauernden Kämpfen ihr Leben.

Die US-Behörden prüfen, ob von den geschätzt 1000 Extremisten, die in den vergangenen Jahren nach Syrien und in den Irak gegangen sind, einige nun auf den Philippinen kämpfen. Das Land ist zwar mehrheitlich katholisch, jedoch gibt es auch muslimisch dominierte Regionen wie die um Marawi, das schon einmal in den 90er Jahren eine Hochburg der Terroristen war. Damals waren dort Al-Kaida-Führer wie Chalid Scheich Mohammed und Ramsi Ahmed Jussef aktiv. Sie sollen auch an den Anschlägen vom 11. September 2001 beteiligt gewesen sein.

IS-Anschläge in mehreren Staaten

Andere Nationen teilen diese Sorgen. Singapur warnte kürzlich davor, dass der IS einen radikalisierenden Einfluss erlange, der weit über dem liege, was Al-Kaida und Jemaah Islamiyah erreicht hätten. Der IS wird bereits jetzt mit Anschlägen in Indonesien und Malaysia in Verbindung gebracht, sowie mit einer vereitelten Tat in Singapur.

Mattis rief gerade die Verteidigungsminister in der Region dazu auf, gemeinsam gegen diesen Trend vorzugehen. Im Kongress machte er sich dafür stark, nachrichtendienstliche Erkenntnisse auszutauschen und Länder wie Singapur zu entlasten - statt US-Soldaten zu entsenden.

Mehr als 500 US-Sondereinsatzkräfte waren zwischen 2002 und 2014 in der Region Mindanao stationiert, um die philippinischen Kräfte gegen die Terrorgruppe Abu Sayyaf zu unterstützen. Nach dem Ende dieses Engagements äußerten beide Seiten die Sorge, dass dies zu einem Wiedererstarken der Terrorgefahr führen könne.

Geflohene Einwohner aus Marawi in einem Evakuierungszentrum in Saguiaran. (Quelle: dpa/Bullit Marquez/AP)Geflohene Einwohner aus Marawi in einem Evakuierungszentrum in Saguiaran. (Quelle: Bullit Marquez/AP/dpa)

Umstrittener Präsident Duterte

Die Philippinen zu unterstützen ist jedoch derzeit nicht gerade die oberste Priorität in Washington. Präsident Rodrigo Duterte wird vorgeworfen, in seinem Kampf gegen Drogen über willkürliche Tötungen hinwegzusehen oder sie sogar zu billigen. Tausende Menschen wurden bei Razzien getötet, die in der Regel von Polizei und Drogenfahndung vorgenommen werden und nicht vom Militär, das gegen den IS kämpft.

Der Südostasien-Experte am National War College in Washington, Zachary Abuza, sieht für die Gewalt und die Toten im Kampf um Marawi trotzdem auch die Regierung in Manila mit in der Verantwortung. Die Wurzel dafür liege im Versagen der Regierung, ein Friedensabkommen aus dem Jahr 2014 mit der größten muslimischen Rebellenorganisation zu erfüllen, sagt er. Das habe den vom IS inspirierten Gruppen Zulauf verschafft.

Senatorin Ernst, die dem Komitee für entstehende Gefahren vorsitzt, will eine engagiertere US-Militäroperation, um die Philippinen im Kampf gegen den IS zu unterstützen. Derzeit sind noch zwischen 50 und 100 US-Einsatzkräfte auf den Philippinen. Auf philippinische Bitte wurde zudem ein amerikanisches P3-Orion-Flugzeug stationiert, um Marawi zu überwachen. Und die USA statteten philippinischen Antiterrorkräfte in der vergangenen Woche mit mehr als 600 Schusswaffen aus.

Auch wenn Duterte bessere Beziehungen zu China sucht, erwägt er bislang nicht, die US-Kräfte aus seinem Land zu drängen. Er habe zwar nicht um mehr US-Hilfe gebeten, sei aber dankbar, wenn er sie bekomme, sagte er kürzlich. "Sie sind da, um Leben zu retten", erklärte er.

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