Tödlicher Pilz breitet sich aus

Der Feuersalamander ist in Gefahr

09.09.2017, 08:37 Uhr | dpa

Der Feuersalamander ist nachtaktiv und lebt abgeschieden. Das macht die Erfassung der Tiere schwierig.

Ein tödlicher Hautpilz bedroht die wohl auffälligste Amphibienart in Deutschland. Der Pilz Batrachochytrium salamandrivorans (Bsal) verursacht starke Schäden an der Haut des Feuersalamanders und kann schnell zum Tod führen. Bisher brodelte der Infektionsherd in der Eifel. Doch nun ist eine zweite gefährliche Stelle aufgetaucht: In Essen im Ruhrgebiet. 

"Das ist ein Fall, der nichts mit der Eifel zu tun hat. Das ist eine sprunghafte Ausbreitung, die im ganzen Bundesgebiet vorkommen kann", sagte Sebastian Steinfartz vom Zoologischen Institut der TU Braunschweig. Möglicherweise sei der Feuersalamander an vielen Stellen schon ausgestorben, ohne dass es jemand bemerkt habe. Das Ausmaß der Infektionswelle sei überhaupt nicht abzusehen. "Wir müssen jetzt handeln", sagte Steinfartz. Der hochansteckende Hautpilz verursacht Löcher und Geschwulste und kann Salamander innerhalb weniger Tage töten.

In den Niederlanden hat der Pilz den Feuersalamander fast ausgerottet, in Belgien ist die Population völlig eingebrochen. Der wahrscheinlich aus Asien eingeschleppte "Salamanderfresser" war 2015 in Deutschland zum ersten Mal an einem freilebenden Tier in der Eifel nachgewiesen worden. Experten befürchten, dass der Pilz den Feuersalamander auch in Deutschland rasend schnell auslöschen könnte. Deutschland ist der Verbreitungsschwerpunkt des Feuersalamanders in der Europäischen Union (EU) und hat eine besondere Verantwortung für die Art.

Naturfreunde sollen aufmerksam sein

Die Erfassung der nachtaktiven Tiere in der Abgeschiedenheit ist sehr schwierig. Experten hatten deshalb nach ersten Funden in der Eifel Naturfreunde und Wanderer aufgefordert, auffällige Tiere zu melden. Der Hinweis auf den Infektionsherd in Essen kam nun auch von einer aufmerksamen Frau, die ein krankes Tier mit Auffälligkeiten an der Haut mit nach Hause genommen hatte.
Als es verendet war, ließen Forscher der Uni Braunschweig den Salamander in zwei Laboratorien untersuchen – mit positiven Ergebnissen. Bei der Untersuchung von insgesamt 36 Tieren aus der großen Population im Essener Stadtwald gab es sechs positive Befunde. Damit sehen die Experten auch die Vorkommen in unmittelbarer Umgebung bedroht.

So lange Salamander und Molche aus Asien eingeführt werden, könne sich der Pilz auch über den Handel an ganz anderen Orten ausbreiten, sagte Steinfartz. Mit den Partnern an der Universität Trier und in der Biologischen Station Düren will die Universität Braunschweig eine Handlungsstrategie entwickeln: Systematische Erhebung, Herausnahme von kranken Tieren, Absperren von Gebieten, ein deutschlandweites Frühwarnsystem – es gibt einige Ansätze für eine Schadensbegrenzung.

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