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Bundesliga: Wie sich Traditionsklubs selbst im Weg stehen

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Intrigen und Provinzfürsten  

Wie sich Traditionsklubs selbst im Weg stehen

08.07.2015, 08:00 Uhr | t-online.de

Bundesliga: Wie sich Traditionsklubs selbst im Weg stehen. Torwart Daniel Endres (li.) und Präsident Claus-Arwed Lauprecht (re.) nach dem verpassten Aufstieg der Offenbacher Kickers.  (Quelle: imago/Jan Huebner)

Torwart Daniel Endres (li.) und Präsident Claus-Arwed Lauprecht (re.) nach dem verpassten Aufstieg der Offenbacher Kickers. (Quelle: Jan Huebner/imago)

Von Thomas Tamberg

Jedes Jahr aufs Neue ist das Wehklagen groß, wenn Klubs wie die TSG Hoffenheim, der FC Ingolstadt oder RB Leipzig in die deutschen Profi-Ligen stürmen. Diese Klubs würden den Traditionsvereinen den Platz wegnehmen, kaum Zuschauerinteresse hervorrufen und dadurch den deutschen Fußball immer unattraktiver machen. So die gängigen Vorwürfe. Das mag zwar stimmen, doch sollte man die „Schuld“ nicht automatisch bei diesen von Sponsoren oder Gönnern aufgepimpten Klubs suchen.

Schließlich stehen sie weiterhin im Wettbewerb mit den Traditionsvereinen. Diese könnten mit gutem Management durchaus Gegenwehr leisten. Zuweilen müssen sich dort die Verantwortlichen an die eigene Nase fassen. Vereine wie Dynamo Dresden, Preußen Münster, Energie Cottbus oder Hansa Rostock dümpeln in der 3. Liga rum.

Andere ehemals stolze Bundesligisten wie Alemannia Aachen, Rot-Weiss Essen, Waldhof Mannheim, Kickers Offenbach, SSV Ulm, Wuppertaler SV - die Aufzählung besteht nicht auf Vollständigkeit - sind noch tiefer gefallen.

Vernünftiges Arbeiten kaum möglich

Es ist das leidige Problem so vieler Traditionsvereine: Über viele Jahrzehnte hinweg hat sich dort ein fast undurchdringliches Geflecht aus Abhängigkeiten, Profilneurosen, Seilschaften, Machtansprüchen diverser Provinzfürsten, Politikern, Lokaljournalisten und Möchtegern-Machern gebildet, so dass ein vernünftiges Arbeiten kaum möglich ist.

Immer wieder mal kommt es vor, dass ein potentieller Großsponsor nicht mit offenen Armen empfangen wird, sondern ihm jede Menge Misstrauen entgegen gebracht wird. Wer viel Geld bezahlt, möchte heutzutage auch mitbestimmen. Doch wer will sich im Verein schon sein kleines Mitspracherecht nehmen lassen. Also wird schnell mal ein Gerücht gestreut, der neue Geldgeber plane die Vereinsfarben zu wechseln oder so ähnlich.

"Mir geht es nur um den Verein"

Der Ausspruch vieler sogenannter Funktionäre, „mir geht es nur um den Verein“, ist längst ein Klassiker. In Wirklichkeit geht es in den meisten Fällen einzig und allein um die eigene Befindlichkeit.

Vor ein paar Jahren wollte die Firma Flyeralarm, Jahresumsatz rund 300 Millionen Euro, ganz groß beim 1. FC Schweinfurt 05 einsteigen. Doch damit wäre ein Machtverlust der Führungsspitze einhergegangen. Plötzlich wurden die Firmenbosse mit dem Gerücht in der Stadt konfrontiert, dass sie in irgendeiner Sekte involviert seien. Dieser Rufmordkampagne wollten sie sich nicht länger aussetzen und zogen sich zurück.

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Würzburg als Gegenbeispiel

Ein paar Jahre später zeigten sich die Vereinsvertreter der Würzburger Kickers gegenüber Flyeralarm kooperativer. Das Ergebnis: Der Klub engagierte den früheren Bundesligaprofi Bernd Hollerbach als Trainer und stieg in diesem Sommer in die 3. Liga auf. Der Sprung in die 2. Bundesliga soll irgendwann folgen. Während Fußball in Würzburg boomt, trauern sie im 50 Kilometer entfernten Schweinfurt immer noch dem Großsponsor hinterher.

Eine andere Posse ereignete sich erst vor wenigen Tagen in Offenbach. Misswirtschaft führte die Kickers in den vergangenen Jahren von der 2. Liga bis in die Regionalliga und fast in die Insolvenz, die kürzlich gerade so abgewendet werden konnte. Trotz jahrelanger Negativentwicklung waren die Tickets zum Aufstiegsspiel gegen den 1. FC Magdeburg innerhalb von fünf Stunden ausverkauft. 18.500 Fans mussten allerdings im neuen Stadion mit ansehen, wie die Kickers die Rückkehr in die 3. Liga verspielten.

Größte Ruhe unter dem Insolvenzverwalter

Dennoch: Es war eindrucksvoll zu sehen, wie groß der Rückhalt immer noch ist. Denn seit Jahren lähmt ein immerwährender Streit der Verantwortlichen das Vorankommen des DFB-Pokalsiegers von 1970 und zweimaligen deutschen Vizemeisters. Es ist bezeichnend, dass die größte Ruhe im Verein herrschte, als der Insolvenzverwalter das Sagen hatte. Seitdem dies nicht mehr so ist, schießt wieder einmal jeder gegen jeden.

Jetzt wollte das Präsidium und der Aufsichtsrat des Klubs den Geschäftsführer abberufen. Allerdings trauten sie es sich letztlich nicht, weil angeblich der Oberbürgermeister, ein Ex-Präsident sowie ein Spielerberater und ehemaliger Manager des FSV Frankfurt, allesamt freundschaftlich verbunden, im Hintergrund Druck ausgeübt haben. Die Stadt habe gedroht, ihre Unterstützung zu kürzen, ebenso sollen Sponsoren mit Rückzug gedroht haben.

Persönliche Eitelkeiten spielen große Rolle

Auf die Frage wie Geschäftsführer und die restlichen Klub-Verantwortlichen in Zukunft vertrauensvoll zusammenarbeiten wollen, sagte dieser den Satz aller Sätze: „Wir alle sollten alle Kraft in Kickers Offenbach stecken und persönliche Eitelkeiten beiseite schieben.“ Natürlich wird genau dies keiner tun.

Und so hat jeder Traditionsklub, der den eigenen Ansprüchen hinterherhinkt, seine ganz eigene Geschichte, die aber im Grunde meistens nach dem gleichen Schema abläuft. Welche Absurditäten möglich sind, zeigt seit Jahren der TSV 1860 München. Man kann gar nicht beziffern wie viele Möglichkeiten und wie viele Millionen bei den Löwen in den letzten Jahren in den Sand gesetzt wurden.

Schlankere Statuten 

Es sind nicht nur die Millionen Euro, die den sogenannten Retortenklubs zu Aufstiegen verhelfen. Es sind vor allem auch die viel schlankeren Strukturen und Machtverhältnisse, die für den Erfolg verantwortlich sind.   

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