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WM 2014: Brasilianer werden kreativ, wenn es um Zeitprobleme geht

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So tickt der WM-Gastgeber  

Brasilianer werden kreativ, wenn es um Zeitprobleme geht

06.06.2014, 09:30 Uhr | t-online.de

WM 2014: Brasilianer werden kreativ, wenn es um Zeitprobleme geht. Bauarbeiter in Brasilien während einer Pause. (Quelle: Reuters)

Bauarbeiter in Brasilien während einer Pause. (Quelle: Reuters)

Von Ricardo Da Silva Campos

Brasiliens Jahrhundertfußballer Pelé freut sich immer mehr auf die nach 1950 zweite Heim-WM. Und dennoch ärgert sich der dreimalige Weltmeister über etliche Probleme. "Ich bin voller Vorfreude auf die Spiele, aber wenn ich an das Drumherum denke, mache ich mir große Sorgen. Das frustriert mich", sagte der 73-Jährige der "Bild"-Zeitung. Mit dem "Drumherum" dürfte die Fußball-Ikone vor allem die schleppende Organisation beim Stadienbau gemeint haben, denn für die Proteste zeigt er weiterhin "Verständnis, wenn sie friedlich ablaufen."

Üblicherweise lässt man sich in Brasilien gerne Zeit, um Dinge zu erledigen. Vor allem wegen dieser - nicht mit Faulheit zu verwechselnden - Charaktereigenschaft geht Pelé derzeit nicht gerade zimperlich mit seinen Landsleuten um. "Es ist inakzeptabel, dass einige Stadien nicht fertig geworden sind. Wir hatten viele Jahre Zeit - weit mehr als genug. Das ist eine Schande", urteilte der Rekordtorschütze der Selecao.

Brasilianer schwören auf Gelassenheit und Kreativität

Auch meine mehrmonatigen Auslandserfahrungen im größten Staat Lateinamerikas haben mir gezeigt, wie Brasilianer mit zeitkritischen Problemen umgehen. Die Stichworte heißen Gelassenheit und Kreativität.

Sätze wie "Relaxa! Nao enche o saco" ("Entspanne Dich! Geh mir nicht auf die Nerven") hört man überall. Diese Antwort scheint Teil der brasilianischen Lebenseinstellung zu sein. Zu den Tugenden gehört eindeutig, das Leben zu genießen. Stress kommt in ihrem Wortschatz eigentlich nie vor.

In Europa könnte man diese Redewendung allerdings auch als persönliche Verweigerung bei der Übernahme von Verantwortung interpretieren. Also als eine Art Selbstschutz. Zumal der Ausdruck immer dann benutzt wird, wenn jemand eine negative oder gerade unpassende Situation beschreibt, die ein schnelles Handeln oder akutes Eingreifen erforderlich macht.

Der "Jeitinho" ("Ausweg") ist ein Dogma

Bei Schwierigkeiten und in zeitlich knapp bemessenen Situationen findet der Brasilianer meist einen Ausweg, einen "Jeitinho". Übersetzt wird das Wort eher mit "Geschick" oder "Fertigkeit". Dieser "Kniff" kann bei Fremden jedoch auch als Um- oder gar als Fluchtweg der Südamerikaner (fehl)interpretiert werden. Stattdessen wird ein anderer, vielleicht auch unkomplizierterer Weg "auf die brasilianische Art und Weise" eingeschlagen.

Das heißt für uns Europäer: Geduld und Beharrlichkeit walten lassen. Mit deutschen Tugenden wie Disziplin, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit nehmen es die Südamerikaner in meinen Augen nicht so genau. Strenge Richtlinien, vorgegebene Schemata oder strikt einzuhaltende Anweisungen stehen in Brasilien eher weiter unten auf der Tagesordnung.

Brasilianer sind selten unhöflich

Ein klares und deutliches "Nein" hört man im WM-Gastgeberland im Übrigen nur selten. Stattdessen umgehen Brasilianer ziemlich geschickt die Negation. Diese entpuppt sich im Nachhinein dann oft als kluge Vermeidung von Unhöflichkeiten.

Ein kurzes Beispiel: Als ich auf einigen Inlandsflügen nach meinem brasilianischen Lieblingsgetränk "Guarana", eine Art koffeinhaltige Kräuterlimonade, fragte, erhielt ich vom Flugpersonal die kuriosesten Antworten. Beim ersten Mal entgegnete mir eine Stewardess: "Ja, haben wir, aber gerade nicht vorrätig!"

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Sie sagen "Ja" und meinen "Nein"

Beim zweiten Flug hörte ich: "Ja, haben wir, es ist aber gerade zu Ende!" Damals dachte ich, es wäre aussichtslos, es ein drittes Mal zu versuchen. Doch das wäre einem Verlust an einer essentiellen Erkenntnis über das gastfreundliche Verhalten der Brasilianer gleichgekommen. Daher gab ich nicht auf. Diesmal schallte mir als Antwort entgegen: "Ja, haben wir, aber das bleibe ich Ihnen heute schuldig!"

Den Vogel schoss aber die Antwort beim fünften und letzten Mal ab, als ich von Brasilia nach Rio flog: "Ja, haben wir, es ist aber in Brasilia nicht mit an Bord gekommen!" Seitdem empfinde ich großen Respekt für dieses stets optimistische Volk, das es immer wieder schafft, ein "Nein" durch ein noch viel schöneres "Ja" zu ersetzen.

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