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WM 2014: England droht nach WM-Aus historische Blamage

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Ausgeschieden und ausgelacht  

"England´s coming home": Spott für die Three Lions

21.06.2014, 07:47 Uhr | t-online.de

WM 2014: England droht nach WM-Aus historische Blamage. Bei den englischen Fans macht sich pure Ernüchterung breit. (Quelle: imago/i Images)

Bei den englischen Fans macht sich pure Ernüchterung breit. (Quelle: i Images/imago)

Aus England berichtet Marc L. Merten

Zwei England-Fans kommen mir entgegen. Es ist kurz nach Spielende, Costa Rica hat gerade Italien mit 1:0 besiegt. Damit ist klar: Die Three Lions sind raus, die WM 2014 schon nach der Gruppenphase vorbei. Die beiden Fans liegen sich in den Armen. Ganz nüchtern sind sie nicht mehr. Sie singen voller Inbrunst die wohl bekannteste aller Fußball-Hymnen. Nur an den Text halten sie sich nicht. "It’s coming home, it’s coming home, it’s coming, England’s coming home..."

Wenige Stunden später, während Frankreich gerade die Schweiz auseinander nimmt, checke ich auf Twitter, was die englischen Kollegen über das Ausscheiden schreiben. Das Bild eines Grabsteins wabert durch die Social-Media-Kanäle. Die "Daily Mail" zeigt sich mal wieder von ihrer makabren Seite. "R.I.P. – The England football team". Daneben ein Bild von Roy Hodgson. Die Suche nach einem Sündenbock hat begonnen, und wie so oft ist der Trainer der erste Angriffspunkt.

An ein Scheitern war nicht zu denken

Dabei hatte 24 Stunden zuvor noch Zuversicht geherrscht. Uruguay sei schlagbar, Luis Suarez nicht fit, England trotz der Niederlage gegen Italien zum Auftakt auf einem guten Weg. Die jungen Spieler machten Mut, ein Erfolg gegen die Südamerikaner werde die Three Lions auf eine Erfolgswelle heben. Ein Scheitern ist zwar denkbar und doch irgendwie in weiter Ferne.

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Die Emotionen fahren Achterbahn

Auch in Uppingham, wo ich mir das Spiel anschaue. Ein Dorf zwischen London und Nottingham, die Einwohner im WM-Fieber wie fast überall im Land. Im Royal Oak Pub haben sie den Pool-Tisch abgedeckt, Sitzbänke aus dem Gemeindezentrum aufgestellt und um eine Leinwand herum alles für das große Fußballfest dekoriert.

Die Leute aus dem Ort kommen in Scharen, angelockt vom Pint für 1,99 Pfund und kostenlosen Hot Dogs. Sie trinken, sie essen, sie fiebern mit, schimpfen erst über Rooney ("He can’t cross a shit") und jubeln ihrem Torschützen dann zu ("Of course, Rooney! Who else?"). Sie fluchen und schlagen mit der Hand auf den Tresen, reißen zur Halbzeit noch Witze über Suarez´ Fitness und prophezeien, Englands Ausdauer werde siegen. Am Ende ertränken sie ihren Frust in den preiswerten Ales.

Englische Presse übt sich in Sarkasmus

Einen Tag später dominieren Frust und Sarkasmus das Stimmungsbild in England. Der "Independent" kommentiert, "immerhin ist Spanien einen Tag früher ausgeschieden". Die "Times" freut sich für die Queen, der ein Kuss für Mario Balotelli erspart bleibt, den dieser eingefordert hatte im Falle erfolgreicher Schützenhilfe Italiens gegen Costa Rica. Und der "Mirror" erwartet nach dem ersten Vorrunden-Aus bei einer WM seit 1958 nun auch das historische Null-Punkte-Aus, die erste Weltmeisterschaft einer englischen Mannschaft mit drei Niederlagen.

Letzterer Verweis auf die Statistik mag erst mal nur Spielerei der Medien sein. Doch vor dem letzten Gruppenspiel gegen die Costa Ricaner zeigt sich bereits, dass sich darin viel mehr als nur Mathematik und ein unrühmlicher Eintrag in die Geschichtsbücher verbirgt. Diese Statistik könnte zum Aufhänger einer wochenlangen Diskussion um die Perspektive der englischen Nationalmannschaft werden – und um die Zukunft des Trainers Roy Hodgson.

"England stirbt acht Tage nach WM-Beginn"

Schon jetzt ist klar, dass die einflussreichsten Medien des Landes gespalten sind. Auf der einen Seite bringt sich der Boulevard gegen den Teammanager in Stellung. Kaum verkündet Verbandschef Greg Dyke, Hodgson werde Trainer bleiben, titelt die "Daily Mail": "England stirbt nur acht Tage nach Beginn der WM. Wie kann der Verband noch am selben Tag erklären, Hodgsons Job sei sicher? Das ist eine verdammte Beleidigung für jeden Fan!" Dieser Vorstoß dürfte nicht alleine bleiben, auch der "Mirror" und die "Sun" wetzen bereits die Messer.

Auf der anderen Seite stehen die Experten des "Guardian", der "Times" und des "Telegraph", für die der 66-Jährige trotz des frühen Turnier-Aus die nicht zu ersetzende Figur auf der Trainerbank ist. Der Tenor klingt in etwa so: Gebt Hodgson Zeit, seinen Weg zu gehen! Es ist nicht sein Fehler, dass "der Vorrat an Top-Spielern und Talenten schmerzvoll dürftig ist" ("Telegraph").

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Lineker: Sterling, Barkley und Shaw brauchen noch Zeit

Während sich die Spieler erwartungsgemäß hinter den Trainer stellen, kommen Hodgson auch ehemalige Spieler zur Hilfe. Glenn Hoddle verweist darauf, dass ein Nationaltrainer eben immer nur so gute Arbeit leisten könne wie er talentierte Spieler zur Verfügung habe.

Und Gary Lineker gibt bei der "BBC" zu bedenken, dass die WM zu einem schweren Zeitpunkt gekommen sei: Rohdiamanten wie Raheem Sterling, Ross Barkley oder Luke Shaw bräuchten noch ein, zwei Jahre, um auf höchstem, internationalem Niveau spielen zu können. "Und die alten Spieler sind eben schon über ihrem Zenit."

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Ferdinand denkt schon an die EM

Rio Ferdinand bringt die Lehren der WM auf den Punkt: "Vielleicht ist Erfahrung das Einzige, was die jungen Spieler aus Brasilien mitnehmen werden. Aber wie wichtig das sein wird, sehen wir vielleicht schon in zwei Jahren bei der EM." Deutschland habe auch einige schwierige Jahre hinter sich bringen müssen, sei bei der EM 2004 in der Vorrunde ausgeschieden. Damals aber habe man bereits Talente wie Podolski und Schweinsteiger im Kader gehabt und sei zwei Jahre später WM-Dritter geworden.

In Uppingham denkt noch niemand an die EM in zwei Jahren. Im Royal Oak steht der Pool-Tisch wieder an seinem angestammten Platz. Die WM-Party geht zwar auch ohne England weiter. Doch die Pints werden wieder teurer und so voll wie zu England-Spielen wird der Pub wohl so schnell nicht mehr werden. "Kennst Du auch nur einen Spieler von Costa Rica?", fragt ein Mann mit Pferdeschwanz neben mir seinen Kumpel. "Nee", lautet die Antwort. "Aber gegen uns sollte es trotzdem reichen."

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