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Fruchtwasseruntersuchung - Fallgeschichte 3: Kathrin

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Kathrin  

"Man kann für ein solches Kind nur dankbar sein"

16.03.2015, 09:52 Uhr | Simone Blaß, t-online.de

Fruchtwasseruntersuchung - Fallgeschichte 3: Kathrin. Bei Zoe wurde vor der Geburt das Down-Syndrom diagnostiziert. Für ihre Eltern wäre das niemals ein Grund für eine Abtreibung gewesen. (Quelle: Privat)

Bei Zoe wurde vor der Geburt das Down-Syndrom diagnostiziert. Für ihre Eltern wäre das niemals ein Grund für eine Abtreibung gewesen. (Quelle: Privat)

Kathrin war erst 27, ihr Mann kaum älter, als Zoe sich ankündigte. Da sie bereits mehrere Fehlgeburten und eine Totgeburt erleben mussten, riet ihre Frauenärztin zu einem sogenannten "frühen Fehlbildungsultraschall". Eigentlich wollte sie dem jungen Paar nur Sicherheit vermitteln. Dass sich bei der Untersuchung wirklich Auffälligkeiten zeigen würden, damit hat niemand gerechnet. Denn die beiden sind genetisch vollkommen gesund und die Wahrscheinlichkeit, wieder ein behindertes Kind zu bekommen, war geringer als ein Sechser im Lotto.

"Mein erster Gedanke war: Warum schon wieder wir?" Doch das Thema Behinderung war für Kathrin und ihren Mann nichts Neues. "Wir hatten bereits eine stille Geburt hinter uns. Unser Baby litt an Anencephalie." Vereinfacht gesagt heißt das, es hatte kein Gehirn, wäre höchstens wenige Stunden lebensfähig gewesen. "Da setzt man sich mit dem Thema automatisch mehr auseinander, und für uns war von Anfang an klar, dass das Down-Syndrom kein Grund für eine Abtreibung wäre."

Kathrin wird aktiv, Markus wartet ab

Doch der Umgang der beiden mit der Diagnose, war sehr unterschiedlich. "Ich habe viel gelesen, mich informiert, mit einem Heilpädagogen gesprochen, eine Entbindungsklinik mit Kinderkardiologen gesucht und ich hätte gerne mehr über all das mit Markus gesprochen." Aber der sagte nur: "Ich bekomme eine Tochter. Punkt. Alles andere wird sich zeigen."

Viele Eltern bekommen nicht die Zeit, sich in Ruhe zu entscheiden

Dafür dass ein Großteil der Eltern sich nach der Diagnose Down-Syndrom für eine Abtreibung entscheidet, hat Kathrin wenig Verständnis. Doch auch in ihrer Schwangerschaft gab es Momente, in denen die Ängste sie überrollten, in denen sie verstehen konnte, wie man auf den Gedanken kommen kann.

"Da ist man furchtbar verzweifelt, weil man ja nicht absehen kann, in welchem Zustand das Kind zur Welt kommt, wie ausgeprägt die Behinderung und wie eingeschränkt sein Leben sein wird." Aufklärung hält sie hier für das Wichtigste, "damit diese Menschen eine Chance haben, sich in Ruhe zu entscheiden." Denn dann, so glaubt sie, würden mehr Paare ihr Down-Syndrom-Kind annehmen. Oder es zumindest austragen und zur Adoption frei geben.

Die Abtreibung wird häufig schwer bereut

Betroffene beklagen immer wieder, dass Ärzte Druck machen, zum Abbruch drängen und den Eltern keine Chance geben zum Nachdenken und dazu, sich beraten zu lassen. Kathrin ist aktiv in Foren unterwegs und trifft dort regelmäßig Frauen, die sich zur Abtreibung genötigt fühlten und nun lebenslang darunter leiden, ihr Kind getötet zu haben. "Es ist mir schon passiert, dass Frauen zu mir gesagt haben: Wenn ich gewusst hätte, was es wirklich bedeutet, hätte ich nicht abgetrieben."

Auch sie selbst trägt immer noch an der Entscheidung, die sie und ihr Mann vor vier Jahren getroffen hatten. Bereut allerdings hat sie sie nie. "Noch bei der Einleitung der Geburt hatte ich Zweifel an der Richtigkeit, aber als ich meine tote Tochter im Arm gehalten habe und gesehen habe, dass sie wirklich kein Gehirn hatte, war ich mit mir im Reinen. Trotzdem..." Kathrin zögert einen Moment. "Trotzdem würde ich heute nicht zwingend die gleiche Entscheidung treffen, sondern zumindest ein Austragen in Betracht ziehen. Denn in schlechten Stunden wird mir schon bewusst, dass ich trotz allem genau genommen zumindest den Todeszeitpunkt meines eigenen Kindes bestimmt habe und ich frage mich, wie es gewesen wäre, wenn ich anders entschieden hätte. Doch Mia wäre nicht lebensfähig gewesen, ein Down-Syndrom-Kind ist das schon." Es lebt, es lacht und es liebt.

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Ein Leben mit Down-Syndrom ist lebenswert

Kathrin ist davon überzeugt, dass das Bild, das in den Köpfen herrscht, ein falsches ist. "Das Leben ist doch nicht vorbei durch ein Kind mit Down-Syndrom. Wir sind durch Zoe nicht eingeschränkter als durch jedes normale Kind auch. Mit entsprechender Förderung sind die meisten ja auch in der Lage, ein relativ selbstständiges Leben zu führen."

Heute ist die Kleine zweieinhalb Jahre alt, ihr angeborener Herzfehler ist behoben und das fröhliche Mädchen besucht einen integrativen Kindergarten. "Wenn ich Zoe mit den Kindern meiner Freundinnen vergleiche, dann habe ich es in vielen Punkten leichter. Sie ist ein richtiges 'Anfängerkind' - hat nie viel geschrien, man konnte sie überall mit hinnehmen, sie war immer pflegeleicht. Natürlich braucht Zoe mehr Anleitung als andere, es dauert einfach länger, bis sie etwas verinnerlicht, sie spricht auch bis jetzt nur mit der Gebärdensprache - aber all das lehrt mich Geduld." Eine Eigenschaft, die Kathrin vor Zoes Geburt an sich vermisst hat. "Man kann für ein solches Kind nur dankbar sein."

Heute ist die junge Frau wieder schwanger. Inzwischen ist sie im achten Monat und die Untersuchungen waren alle unauffällig. Doch auch ein weiteres behindertes Kind wäre ihr und ihrem Mann willkommen gewesen.

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