11.11.2011, 14:08 Uhr | dpa-tmn, dpa-tmn
Jeder Zweite über 50 Jahren ist betroffen: Knoten in der Schilddrüse können winzig klein sein und keinerlei Beschwerden machen. Sie können aber auch mehrere Zentimeter groß und von außen tastbar sein und auf die Luft- oder Speiseröhre drücken. Der größte Teil der Schilddrüsenknoten sind so genannte "Kalte Knoten". Doch was ist das überhaupt und wann müssen sie operiert werden?
Ärzte unterscheiden zwischen kalten, warmen und heißen Knoten. Bei warmen und heißen Knoten ist der Stoffwechsel an diesen Stellen erhöht, bei kalten Knoten niedrig. Warme und heiße Knoten sind meist gutartig und für die Schilddrüsenüberfunktion verantwortlich. Auch wenn bei ihnen keine Krebsgefahr besteht, sollten sie entfernt werden. Hinter einem - wesentlich häufiger vorkommenden - kalten Knoten kann sich laut dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) eine harmlose Gewebeveränderung, aber in seltenen Fällen auch ein Tumor verbergen. "Mehr Klarheit kann dann eine Feinnadelpunktion bringen, bei der Zellen aus der Schilddrüse entnommen werden", sagt der Chirurg Professor Jochen Kußmann, Leiter der Abteilung Endokrine Chirurgie an der Schön-Klinik in Hamburg. "Als Faustregel galt früher, dass fünf Prozent aller kalten Knoten Karzinome sind", ergänzt der DGE-Sekretär Professor Martin Grußendorf. Er hält diese Zahl für übertrieben. In seiner Praxis in Stuttgart seien zwischen 1989 und 2007 etwa 6000 Schilddrüsenknoten punktiert worden, 1,7 Prozent davon seien Karzinome gewesen.
Doch wie erkennt man die Knoten überhaupt? "Vor allem in der Erkältungszeit fallen vermehrt Schilddrüsenknoten auf, wenn Ärzte auf der Suche nach vergrößerten Lymphknoten den Hals abtasten", sagt Michael Weber, Nuklearmediziner von der Asklepios Klinik St. Georg in Hamburg. Männer ertasteten die Knoten teilweise beim Rasieren. Auch veränderte Schilddrüsenwerte im Blut, etwa der sogenannte TSH-Wert, können ein Hinweis sein oder Beschwerden durch eine veränderte Hormonlage. Ein Zuviel an Schilddrüsenhormonen (Hyperthyreose) kann zu Herzrasen, Gewichtsverlust und Hyperaktivität führen. Bei einem Zuwenig (Hypothyreose) kann es zu Gewichtszunahme und Abgeschlagenheit kommen.
Gibt es Anhaltspunkte für Knoten, steht ein Ultraschall der Schilddrüse auf dem Programm. Knoten sind bereits unter einer Größe von einem Zentimeter erkennbar. "Hinweise auf einen bösartigen Tumor können punktuelle Verkalkungen, unregelmäßige Grenzen der Knoten und eine auffällige Durchblutung sein", erläutert Weber. Der nächste Schritt sei bei Knoten ab einem Zentimeter Durchmesser die Szintigraphie der Schilddrüse durch Nuklearmediziner. Diese Diagnosemethode zeigt die Aktivität der Schilddrüse beziehungsweise der Knoten und ist ein Anhalt für deren Stoffwechsel. "Dabei wird radioaktives Technetium über eine Vene gespritzt. Dieses wird wie Jod von der Schilddrüse aufgenommen, aber nicht verstoffwechselt." Am Bildschirm zeigt sich die Aktivität farbig, je nachdem, wie viel von der radioaktiven Substanz aufgenommen wird.
Doch bei welchem Befund sollten Patienten operiert werden? "Wenn Anhaltspunkte für eine Bösartigkeit vorliegen, Knoten auf die Speise- oder Luftröhre drücken oder es zu einer starken Schilddrüsenüberfunktion kommt, die medikamentös nicht in Schach zu halten ist, sollte eine Operation in Erwägung gezogen werden", sagt Kußmann. "Zu den Risiken einer Schilddrüsen-OP gehört die Beschädigung des Stimmbandnerven, das ist vor allem bei Patienten zu bedenken, die ihre Stimme für ihren Beruf benötigen." Darüber hinaus könnten die Nebenschilddrüsen beeinträchtigt werden, die über das Parathormon den Kalziumstoffwechsel regulieren.
Als Medikamente gegen eine Überfunktion werden sogenannte Thyreostatika verschrieben. Liegt keine Überfunktion der Schilddrüse durch die Knoten vor, kommen Schilddrüsenhormone und/oder Jodid zum Einsatz, um die Knoten oder die Knotenstruma zu behandeln. "Man kann in der Regel eine Knotenstruma mit Medikamenten nicht vollständig zurückbilden, aber häufig ein weiteres Größenwachstum verhindern", sagt Grußendorf. Als alternative Therapie bei gutartigen Veränderungen gilt die Radiojodtherapie. "Eine Radiojodtherapie kommt nach den Leitlinien beispielsweise erstrangig in Frage, wenn die Schilddrüse schon einmal operiert wurde, ein erhöhtes OP-Risiko besteht oder eine Operation abgelehnt wird", sagt Weber. Dabei bekommen die Patienten radioaktives Jod zum Schlucken in Kapselform. Die Schilddrüsenzellen nehmen dieses Jod auf und sterben dann ab.
Ein Screening zeigte 2003 bei einem Viertel von mehr als 83.000 Menschen in Deutschland knotige Veränderungen mit und ohne Struma. Laut der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) hat jeder zweite Bundesbürger über 50 Jahren knotige Veränderungen.
Schilddrüsenunterfunktion: Mögliche Ursache für depressive Verstimmung
11.11.2011, 14:08 Uhr | dpa-tmn, dpa-tmn
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