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Russenboxer von Ural

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Russenboxer mit Coolness-Garantie

23.08.2012, 08:04 Uhr | Frank Lansky, wanted.de

Russenboxer von Ural. Mehr Retro geht nicht - dieses Motorrad ist eine Zeitmaschine.  (Quelle: imago)

Mehr Retro geht nicht - dieses Motorrad ist eine Zeitmaschine. (Quelle: imago)

Bahn frei für die Ural: Wunderbar altmodisch und unglaublich schön erobert sich das Kult-Bike seine Fan-Gemeinde in Deutschland. Mehr Retro geht nicht - dieses Motorrad ist eine Zeitmaschine. Ihre Vorfahren bollerten schon im Zweiten Weltkrieg an die Front. Seitdem hat sich ihr Aufbau kaum verändert, die Technik aber sehr wohl verbessert. wanted.de hat sich das lebende Fossil genauer angeschaut.

Foto-Serie mit 10 Bildern

Der Zeitgeist meint es gut mit den Russen: Im Westen rollt die Vintage-Welle über den Markt für Uhren, Autos und auch Motorräder. Und das bringt den Charme-Bolzen aus dem Werk Irbit in Sibirien nach vorne.

Selbst Brad Pitt hat eine Ural

"Brad Pitt hat sich eine Ural in Kalifornien gekauft, auch Ewan McGregor - der Obi Wan Kenobi aus Star Wars - fährt eine", begeistert sich Hari Schwaighofer, Chef des Europa-Importeurs Ural Motorcycles GmbH in Linz. Gute Gebrauchte sind kaum zu bekommen, erläutert der Experte im Gespräch mit wanted.de weiter und empfiehlt Produkte ab dem Jahr 2006. "Eine Ural ist einfach etwas Besonderes – sie ist ideal geeignet für das entschleunigte Gleiten. Die puristische Maschine ist somit genau das Richtige für Motorrad-Neulinge und für Wiedereinsteiger."

Besonderer Clou: Das Motorrad hat einen Rückwärtsgang und das Seitenwagen-Rad kann zugeschaltet werden, damit wird der Vortrieb besser. Die Old-School-Maschine zieht stets alle Blicke auf sich: "Wenn fünf teure Harleys vor einem Café stehen und ich dann vorfahre, dann stehlen wir allen die Show". Kein Wunder, der "altneue" Oldtimer ist de facto eine BMW aus den Vierziger Jahren.

Die Ural ist eigentlich eine BMW

Alles begann während des Hitler-Stalin-Paktes. Der Legende nach beobachtete der sowjetische Generalstab bei gemeinsamen Manövern mit der deutschen Wehrmacht aufmerksam die wendigen deutschen BMW-R-71-Motorradgespanne mit ihren aufgepflanzten Maschinen-Gewehren. Die Krads wurden von 1938 bis 1941 in München produziert. Der berühmte Nachfolger im Krieg war die verbesserte R-75. Die Sowjets kauften sich umgehend in Schweden fünf R-71 mit dem Zweizylinder-Boxermotor und bauten sie nach. Später fügten sie einige Features der R-75 ein.

Als das Deutsche Reich die UdSSR überfiel, wurde die Fabrikation von Leningrad, Moskau, Charkow und Gorki hinter das Ural-Gebirge jenseits von Jekaterinburg verlagert – daher der Name Ural. Nach dem Krieg machte das unverwüstliche Gespann nicht nur in der Roten Armee Karriere, sondern auch als Pack-Karre auf den Kolchosen.

Westliche Technik und russische Robustheit Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wurde die Irbitski Motozikletny Sawod – IMZ (Motorrad-Fabrik Irbit) im Jahr 1998 privatisiert, blieb aber trotz eines Produktionseinbruches der weltweit führende Hersteller von Gespannen. Seitdem hat sich einiges bei den 40-PS-Maschinen zum Besseren verändert: Eingebaut werden heute beispielsweise japanische Keihin-Vergaser, Katalysatoren, eine elektronische Zündanlage von Ducati Energia, eine Lichtmaschine von Denso, Stoßdämpfer von ZF Sachs und Bremsen von Brembo. Obwohl Schwaighofer die verbesserte Qualität lobt, raten Händler trotzdem zu einem Finetuning der Maschinen vor dem Kauf. Schrauber-Fähigkeiten sind hilfreich und Idealisten allemal gefragt. "Ein Gespann erfordert natürlich mehr körperlichen Einsatz, als ein herkömmliches Motorrad. Eine Ural ist die Königsklasse der Motorräder", erläutert der österreichische Experte. Auch die Ladys sind begeistert

Und selbst skeptische Freundinnen und Ehefrauen, die auf Sicherheit bedacht sind und die Finanzen zusammenhalten, schmelzen beim Anblick der russischen Schönheit schnell dahin, versichert Schwaighofer. Tatsächlich ist ein Gespann wesentlich stabiler als ein Solo-Motorrad und bei Zuschaltung des Seitenrades de facto ein Trike. Außer natürlich, es geht in eine steile Rechtskurve und der Seitenwagen hebt ab. Der Doppelantrieb auf der Hinterachse lässt den robusten Russen auch im Winter auf Schnee gut aussehen.  Eine Ural ist als Einsteiger-Modell neu schon für um die 10.000 Euro zu haben.

"Dass sich die Gattinnen schnell umstimmen lassen, hat auch mit dem Seitenwagen zu tun – hier sitzt die Dame nicht hinter dem Mann, sondern fliegt elegant und entspannt über den Asphalt dahin". Der 750-Kubik-Motor schafft Geschwindigkeiten bis 130 Stundenkilometer, wobei dann aber der Wind recht heftig wird und einige Kraft notwendig ist, um das Ruckeln zu beherrschen. Ein Wechsel des Gespannes in eine Solo-Maschine ist bei einigen Modellen relativ leicht möglich – umgekehrt ist es schwieriger. Zu klären ist allerdings die Zulassung.

Verwandte aus China und der Ukraine

Die Ural hat übrigens noch zwei entfernte Verwandte, die Schwaighofer aber skeptisch sieht. Die in Kiew produzierten "Dnepr" und die aus China stammenden "Chang Jiang" orientieren sich an den ganz frühen Modellen und haben den technischen Anschluss verpasst. Sie erfüllen die Euro-3-Norm nicht und sind nur etwas für Extrem-Schrauber mit Nerven wie Stahlseilen. Die "Dnepr" wird seit 2002 gar nicht mehr produziert. Wer sich trotzdem auf das Abenteuer einlässt, sollte nachgebesserte Maschinen von Profis kaufen. Immerhin nutzte das chinesische Militär die Motorräder selten – ein Jeep ist bequemer, somit sind diese Räder meist noch in relativ gutem Zustand, egal ob aus China, der Ukraine oder Russland: Als nettes Hobby für die Landstraße sind die Russenboxer ein Riesenspaß. Sehen Sie sich die "Zeitmaschine der Motorräder" in der Foto-Show an.

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