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Royal Enfield: Älteste Motorrad-Marke der Welt

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Motorrad-Fossil Royal Enfield

30.07.2013, 08:33 Uhr | Frank Lansky, wanted.de

Royal Enfield: Älteste Motorrad-Marke der Welt. Royal Enfield, die älteste Motorradmarke der Welt. (Quelle: Hersteller)

Royal Enfield, die älteste Motorradmarke der Welt. (Quelle: Hersteller)

Exotischer geht es kaum: Nur ein Zylinder, gerade mal 500 Kubikzentimeter Hubraum und zu allem Überfluss auch noch aus Indien. Gestatten: Royal Enfield, die älteste Motorradmarke der Welt. Trotzdem oder gerade wegen ihrer Verstaubtheit hat sich die ehemals britische Zweirad-Ikone eine kleine Fan-Gemeinde erobert. wanted.de hat sich schlau gemacht.

Die Geschichte der Royal Enfield ist voller skuriller Irrungen und Wirrungen: Die Motorradmarke ist in Deutschland weitgehend unbekannt – obwohl sie von einer Firma mit deutschen Wurzeln wiederbelebt wurde. Außerdem ist die "Bullet" von Royal Enfield dank des indischen Massenmarktes wohl das am meisten gebaute Motorrad aller Zeiten. Es geht noch besser: Der Hersteller hat sich sogar getraut, ein Diesel-Zweirad zu bauen. Doch der Reihe nach.

Von Waffen zur "Bullet"

Die Anfänge von Royal Enfield sind martialisch: Die Firma beginnt 1896 als Hersteller von Präzisionsteilen für Fahrräder und Waffen. Als The Enfield Cycle Company im Städtchen Redditch in Worcestershire im Jahr 1901 das erste Motorrad baut, ist es nur logisch, dass eine Kanone das Firmen-Emblem ziert. Auch der Wahlspruch "made like a gun" und der Name des berühmtesten Modells "Bullet" – Projektil – erinnern an diese Tradition.

Royal Enfield liegt damit in der Motorrad-Fabrikation vor den Marken Indian, Triumph, Husqvarna und Harley-Davidson. Zwischen 1901 und 1905 stellte das Unternehmen auch Automobile her.

Im Jahr 1933 wird das Motorrad-Erfolgsmodell "Bullet" aufgelegt – die Patrone brachte damals nur 250 und 350 Kubikzentimeter auf die Straße. Legendär ist auch der 125er Zweitakter "Flying Flea", der ab 1939 gefertigt und mit britischen Fallschirmjägern abgeworfen wurde. Nach dem Krieg boomt der Markt in der ehemaligen britischen Kolonie, ab 1949 verkauft Royal Enfield Motorräder nach Indien. 1955 sucht die indische Regierung ein zuverlässiges Motorrad für Polizei und Armee – die "Bullet 350" wird ausgewählt. Kontraktpartner in Indien ist Madras Motors, die Maschine wird als "Enfield India" unter Lizenz gebaut. Im Jahr 1968 kommt das Aus für die britische Mutter – sie wird an Norton-Triumph-Villiers verkauft, die Enfield-Produktion wird 1970 eingestellt.

Auf dem Subkontinent läuft die Fertigung weiter. 1994 wird Enfield India vom Maschinen-Konglomerat Eicher Goodearth übernommen – >>

in dieser Firma war der deutsche Traktoren-Hersteller Eicher aufgegangen. Die beiden Unternehmensgründer Albert und Josef Eicher hatten im Jahr 1941 die Handelsgesellschaft Gebrüder Eicher Traktorenbau gegründet. Die Firma existierte bis 1998. Und 1999 kommen auch die Namensrechte in Indien an – seitdem heißt der Veteran wieder Royal Enfield, er überlebt dank seiner Einfachheit und wegen des niedrigen Preises. Seit 2008 erfüllen die neuen Royal Enfield "Bullet 500 Classic EFI" und "de Luxe EFI" die Anforderungen der Euro 3 Norm. Die Maschinen schaffen mit ihren 28 PS rund 130 Stundenkilometer.

Entdeckung der Langsamkeit auf der Kult-Maschine

Und was genau macht nun die Faszination dieser hoffnungslos veralteten Vintage-Maschine aus? Es ist die Entschleunigung. "Die Masse der Enfield-Fahrer hatte schon etliche Motorräder, bei mir waren es 38", urteilt Thomas Franck, Betreiber des Royal Enfield Forums in Deutschland, im Gespräch mit wanted.de. Und weiter: "Die 'Wohlfühlgeschwindigkeit' aktueller Maschinen liegt deutlich über dem, was man fahren darf und kann. Eine BMW mit 200 PS ist bei 100 km/h stinklangweilig – um ihr Potenzial auszureizen, muss sie sehr schnell gefahren werden. Doch wenn die Motorleistung nur noch mittels elektronischer Chips kontrolliert werden kann, dann hat eine Maschine deutlich zu viel Leistung."

Der Fan der Royal Enfield mag auch den Schrauber-Faktor: "Bei modernen Motorrädern kann man bei der heutigen Technik eigentlich nichts mehr selbst machen - finanziell und emotional ist das ein Nachteil. Dagegen ist eine Enfield grundsätzlich nichts für Leute mit zwei linken Händen. Der Pflegeaufwand liegt schon deutlich über einer Honda. Allerdings gab es auch schon Fahrer, die problemlos von einem Trip nach Griechenland zurückkamen."

Ein Diesel auf zwei Rädern

Und es geht noch exotischer: In einigen Umbauten der Bullet nagelt ein Diesel. Angeboten werden solche Maschinen unter anderem als Bausätze durch die Firmen Hatz-Sommer, Beckedorf und Vahrenkamp.

Diese Maschinen bieten etwa 11 PS und erreichen eine kommode Geschwindigkeit von 95 bis 100 Stundenkilometern.

Möglich ist der Diesel-Umbau, weil in der Bullet die Gehäuse von Motor und Getriebe getrennt sind. Das war bis in die 1960er Jahre im Motorradbau weltweit üblich, so konnte die Maschine leicht modifiziert werden. Royal Enfield selbst stellte eine Diesel her. Die Produktion der "Taurus 325" ist aber mittlerweile eingestellt.

Dieses coole Relikt sorgt immer wieder für Aufregung: "Wenn ich mit meiner Diesel-Maschine vorfahre, bekommt der Tankwart regelmäßig die Krise und denkt, ich hätte falsch getankt. Ich reagiere dann immer gespielt erschrocken und sage, dass ich immer nur das Billigste tanke," erläutert Fan-Club-Chef Franck.

Fazit: Die Royal Enfield tuckert auf der Nostalgie-Welle voran. Das Motorrad wird keine Testosteron-gefluteten Geschwindigkeits-Fans überzeugen. Die Maschine ist mit ihren 500 Kubik aber eine nette Alternative zum Motorroller – und für eine Ausfahrt am Wochenende ist sie allemal gut. Zudem ist sie mit rund 5500 Euro Neupreis enorm günstig.

Bilder einiger Royal Enfield-Modelle sehen Sie in unserer Foto-Show.

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