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Porsche 916: Über-914 als Ferrari-Konkurrent

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Porsche 916: Über-914 als Ferrari-Konkurrent

06.12.2012, 09:42 Uhr | mid

Porsche 916: Über-914 als Ferrari-Konkurrent. Porsche 916 (Quelle: Hersteller)

Porsche 916 (Quelle: Hersteller)

Die Idee war bestechend: Porsche benötigte Ende der Sechziger ein Einstiegsmodell und Volkswagen einen sportlichen Nachfolger für den Karman Ghia. Das Gemeinschaftsprojekt 914 erschien 1969 und machte keinen der beiden Partner glücklich, weil das Mittelmotor-Coupé viel zu teuer war. 1972 zeigten die Schwaben den Über-914 mit der Bezeichnung "916". Der Zweisitzer ging nie in Serie.

Anfang der Siebziger kursierten die ersten Gerüchte zum Thema 916 als Über-914 in den internationalen Fachzeitschriften. So nahm das amerikanische Magazin "Road & Track" das bis dahin rein spekulative Thema 916 zum Anlass, um selbst weiter Mutmaßungen anzustellen: "Seit der 914 und der 914/6 auf dem Markt sind, kursieren Gerüchte, dass das umstrittene Styling abgeändert werden würde. Einzelstücke waren auf den verschiedenen Autoausstellungen in Europa zu sehen und Gerüchte machten die Runde, dass ein neues Auto auf Basis des 914 kommen sollte. Es hieß, dass dieses Auto und einige ähnliche Ausführungen Sonderanfertigungen für den Importeur in Paris seien. Anfang Oktober gingen dann Fotos von diesem 916 genannten Modell an die amerikanischen Händler. Der 916 war kein retuschierter 914/4 oder 914/6, der in der bisherigen Preisklasse von 3400 bis 6000 Dollar angesiedelt wäre, sondern ein besonders üppig ausgestatteter 914/6, der wohl 14.000 Dollar bis 15.000 Dollar gekostet hätte. Mit anderen Worten: ein 914/6 zum Preis eines Ferrari Dino."

Porsche 916 auf Augenhöhe mit Ferrari

Den Porsche-Verantwortlichen gefiel es, auf Augenhöhe mit Ferrari wahrgenommen zu werden. Dabei war den Autoren der Spekulationen gar nicht klar, dass das Projekt längst konkrete Formen angenommen hatte. Porsche-Entwicklungschef Ferdinand Piech hatte mit seinem Team bereits Anfang 1971 begonnen, am 916 zu arbeiten. Grundsätzliche Änderungen am Chassis waren nicht erforderlich gewesen, denn der serienmäßige 914/6 besaß den erforderlichen Platz für einen Sechszylindermotor.

Porsche 911 spendete Motor für 916

Zwei Varianten des Sechszylinder-Boxer standen für den 916 zur Auswahl. Einmal der 2,4-Liter-Motor mit Benzineinspritzung aus dem Porsche 911 S, der das Coupé mit seinen 190 PS auf 230 km/h zu beschleunigen vermochte. Außerdem ein 2,7 Liter-Motor, der ab 1972 den Carrera RS mit 210 PS zu einer Spitzengeschwindigkeit von 240 km/h und damit zum Status des schnellsten deutschen Serienautos verhalf. Die Erbauer der Prototypen schwelgten in Fiberglas und verpassten dem Porsche 916 neue Stoßstangen und deutliche Kotflügelverbreiterungen. Darunter fanden Leichtmetallfelgen von Fuchs Platz. Zur besseren Stabilität besaß der Porsche 916 ein fest verschweißtes Dach, während der normale 914 auch zum Offenfahren taugte.

Porsche 916 war zu teuer

Die offizielle Präsentation des 916 hatte Porsche für den Autosalon in Paris im Herbst 1971 terminiert. Doch nachdem sich die Verantwortlichen noch einmal ausgiebig mit der zur erwartenden Preisstruktur beschäftigt hatten, strichen sie das Projekt ersatzlos und ohne Angabe von Gründen zwei Wochen vor Messestart. Die Kalkulation der Kosten ließ sich drehen und wenden. Am Ende kam immer ein unrealistischer Preis für den Endkunden heraus. Bei einer Kleinserie von 50 Exemplaren hätte ein 916 in Deutschland 35.000 Mark gekostet, 4320 Mark mehr als der 911 S. Für den wichtigen US-Markt, für den das Auto schließlich konzipiert worden war, sah die Kostenrechnung noch ungünstiger aus. Der Dollar schwächelte zu Beginn der Siebziger im Vergleich zur immer weiter erstarkenden D-Mark.

Nur zehn Fahrzeuge und ein Prototyp

Insgesamt entstanden ein Prototyp und zehn Vorserienmodelle des 916, die den 2,4-Litermotor erhielten, weil der 2,7-Liter zum Zeitpunkt des Baus der Autos noch nicht zur Verfügung stand. Kein Auto glich dem anderen und die wenigen Außenstehenden, die jemals die Möglichkeiten erhielten, mit einem 916 zu fahren, schwärmten in den höchsten Tönen. Kein Wunder, dass die Mitglieder der großen Familie Porsche fünf der zehn 916 für den eigenen Gebrauch nutzten. Die restlichen fünf gingen unter der Hand für rund 40.000 Mark an gute Freunde des Hauses und in die USA. Nach Erscheinen des 2,7-Liter-Motors des 911 Carrera erfolgte in mehreren Fällen eine Umrüstung.

Lob für den Porsche 916

Jürgen Stockmar, ehemaliger Chefredakteur der "Autozeitung", zollte dem 916 großes Lob. Er schrieb 1974: "Die hohe Motorleistung reicht aus, um bis hinaus über die 150 km/h durch die Kurven zu driften. Dieser Balanceakt mit der Physik ist für viele Geübte die höchste Stufe des Fahrens. Auch wenn Porsche den 916 nie präsentiert hat, markiert er doch einen interessanten Abschnitt in der ehrgeizigen Entwicklungsgeschichte der Stuttgarter Nobel-Firma". Die raren Stückzahlen des 916 und seine Exklusivität bescherten allen Exemplaren gesicherte Existenzen als Oldtimer in Autosammlungen.

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