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Autotest Mercedes 280 E W123: Beliebter Oldtimer gefällt immer noch

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Ausfahrt im Oldtimer  

Mercedes 280 E W123 - bekannt und beliebt

04.11.2016, 11:18 Uhr | Patrick Broich, SP-X

Autotest Mercedes 280 E W123: Beliebter Oldtimer gefällt immer noch. Mercedes 280 E - solide, komfortabel und nach wie vor beliebt. (Quelle: SP-X / Patrick Broich)

Mercedes 280 E - solide, komfortabel und nach wie vor beliebt. (Quelle: SP-X / Patrick Broich)

Der Mercedes W123 ist einer der beliebtesten Oldtimer in Deutschland. Die Mittelklasse-Limousine aus den 70er-Jahren folgt in der H-Zulassungsstatistik gleich nach dem Platzhirsch VW "Käfer".

Der Sonntagsausflug bei bestem Wetter führt uns zu einer kleinen Runde durch Köln und anschließend durch die ländliche Peripherie. Was wir auf der Fahrt sehen: mehrere Mercedes W123.

Mercedes W123: Beliebter Oldtimer

Denn davon sind in Deutschland rund 17.000 Exemplare zugelassen - nach automobiler Rarität sieht das nicht gerade aus. Was also tun, wenn man unbedingt einen exotischen Oldtimer haben möchte, es aber dennoch der W123 sein muss?

Eine der schnellste Limousinen der 70er Jahre

Für den Mercedes 280er entscheidet sich die Kundschaft, der eine S-Klasse zu dick aufträgt.

Eine der schnellste Limousinen der 70er Jahre


Der Besitzer unseres Testexemplars hatte Glück, diese zwei Dinge miteinander kombinieren zu können. Denn der 78er 280 E in der seltenen Farbe Cayenne Orange (Code 406) dürfte so schnell kein zweites Mal zu finden sein. Hinzu kommt, dass diese Schweizer Erstauslieferung auch noch über Klimaanlage und Tempomat verfügt - nicht nachgerüstet wohlgemerkt; der Benz wurde so ausgeliefert, und das ist auch in der Datenkarte vermerkt.

Ein 280 E mit Tempomat ist selten

Der immer noch zuverlässig funktionierende Geschwindigkeitsregler ist insofern interessant, als dass er ja erst 1975 in Europa mit Einführung des damaligen S-Klasse-Topmodells 450 SEL 6,9 debütierte. Ansonsten hält sich die orangene Schönheit mit Luxus zurück - Kurbelfenster, profane Stoffsitze, nicht einmal eine Armlehne oder Zentralverriegelung sollte dem Besitzer dieses Zwoachtzigers vergönnt sein.

Reihensechser mit 177 PS

Unter seiner Motorhaube arbeitet der bekannte M110 mit 2,8 Litern Hubraum - im hier besprochenen Exemplar bringt es der Reihensechszylinder mit den zwei obenliegenden Nockenwellen auf 177 PS.

Heute mag man vielleicht schmunzeln, aber vor fast vierzig Jahren war die linke Spur für den 280 E quasi abonniert. Selbst heutzutage ist die Limousine auch auf deutschen Autobahnen keineswegs ein Hindernis - die Werksangabe lautet 200 km/h Spitzentempo.

Fortschrittliche Viergang-Automatik

Als Kraftübertragung dient in diesem Fall der damals sensationell fortschrittliche Vierstufen-Wandlerautomat - lieferbar gegen frivol teure 1680 Mark. Und so geschmeidig, wie die Bremsbänder die Planetenräder festkrallen - da würde sich auch bei heutigen Neuwagen niemand beschweren.

Fahrkomfort vom Feinsten

Komfort kann der 280 E, allerdings haben sich die Bereiche verschoben. So fühlt es sich wohlig an, in Tateinheit mit der weichen Federung und den 14-Zöllern der Siebziger-Serie über Frostplatzer zu schweben. Von fahrdynamischen Übungen dagegen sollte Abstand genommen werden, mit seiner aus aktueller Sicht antiquierten Schräglenkerhinterachse aus dem Vorgängermodell Strichacht war der 123er bereits Ende der Achtziger nicht mehr allzu modisch unterwegs. Mit dem W201 schließlich ersetzte Mercedes diese Konstruktion durch die modernere Raumlenkerachse.

Solider Motor

Es ist übrigens auch schön, den Sechszylinder von außen in Aktion zu erleben. Direkt hinter der zweiflutigen Auspuffanlage stehend, vernimmt man den sonoren Klangeindruck am besten. In Zeiten völlig ungefilterter Motortöne fiel das Zylinderraten noch einfacher als heute. 

Die M110er gelten übrigens als unkaputtbar - nur hydraulischer Ventilspielausgleich war den Triebwerken mit dem charakteristischen Zylinderkopf ein Fremdwort, so dass sie gerne zum Tickern neigen. Wenn man der Werkstatt seines Vertrauens moderate 200 Euro überweist, wird dieses potenzielle Problem jedoch rasch behoben.

Drehzahlmesser gab es damals nicht

Richtig leise bleibt es in der Fahrgastzelle nach heutigen Maßstäben nicht, aber das macht ja auch einen Teil des Oldie-Charmes aus. Schwer vorzustellen, dass man es vor wenigen Jahren noch als normal hingenommen hat, weit jenseits der 3000 Umdrehungen auszuhalten, um mit Richtgeschwindigkeit dahinzuplätschern. Ganz genau nachprüfen kann man es nicht, denn für die frühen 123er gab es nicht einmal gegen Aufpreis einen Drehzahlmesser. Zusätzlich pustet der Wind ordentlich bei Hochgeschwindigkeitseinlagen, also schnell wieder auf die Landstraße.

Bei gemütlicheren Tempi verlagert sich die Konzentration: Jetzt bekommt auch die karge Architektur etwas Aufmerksamkeit ab. Mit dem riesigen Steuerrad fest in der Hand wandert der Blick über die überwiegend in Kunststoff gehaltenen Armaturen. Aber halt! Einen kleinen Zebranoholz-Streifen hatten die Innenraumgestalter dann doch übrig für ihren großen Sechszylinder.

Wie war das noch mit dem Luxus? Die Tachoskala reichte beim 280er (auch bei den Vergasern) bis 230 km/h - der Stolz darüber, es den Käferfahrern mal richtig zeigen zu können, hat damals vermutlich über den Schmerz hinweggetröstet, dass solche praktischen Gimmicks bei den Franzosen oder Italienern dieser Klasse längst zum Serienstand gehörten. Die bescheidenen Schwaben brauchten das nicht, hier zählte schließlich Ingenieurkunst und Solidität.

W123: Solider Gebrauchtwagen

Solide ist ein W123 wahrlich, diesen Geist atmet er aus jeder Pore. Selbst nach fast vierzig Jahren fährt der 280 E unglaublich fest – hier klappert oder knarzt wirklich gar nichts. Rund 35.000 Mark musste der damalige Neuwagenkäufer unseres 280 E damals auf den Tisch legen. Inklusive Automatik, Klimaanlage und Tempomat. Das leichtgängige Servo-Riesenlenkrad war ohnehin an Bord.

Für 17.000 Euro bekommt man heute nur mit Mühe einen neuen Golf, der vermutlich leiser ist. Schwamm drüber, die Blicke der Passanten gehören dem orangefarbenen 280 E. Er ist der unangefochtene Star, nicht nur, aber auch wegen der Farbe. Orange Beauty eben.

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