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Erst Emily macht einen Rolls-Royce zum Mythos

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Erst Emily macht einen Rolls-Royce zum Mythos

13.09.2011, 15:42 Uhr | Frank Lansky, wanted.de

Erst Emily macht einen Rolls-Royce zum Mythos. Emily machte den Rolls-Royce zum Mythos, der seit 100 Jahren besteht. (Quelle: Hersteller)

Emily machte den Rolls-Royce zum Mythos, der seit 100 Jahren besteht. (Quelle: Hersteller)

Für echte Enthusiasten beginnt die Geschichte von Rolls-Royce am 6. Februar 1911: Seit diesem Tag ziert die Spirit of Ecstasy den Kühler des Kult-Autos. Bekannter ist die Lady unter dem Namen Emily. Nun feiert Rolls-Royce sein 100jähriges Jubiläum und produziert aus diesem Anlass eine Jubiläums-Edition. Der Preis liegt je nach Ausstattung bei 320.000 Euro. Sehen Sie die Klassiker der Kult-Marke in unserer Foto-Show.

Emily, die Schönheit mit dem wallenden Kleid auf dem Kühler von Rolls-Royce müsste eigentlich Eleanor heißen. Denn dem Bildhauer Charles Robert Sykes steht eine gewisse Eleanor Velasco Thornton Modell. Sie ist die Sekretärin und Geliebte eines britischen Adligen. Dieser Adlige ist Lord John Walter Edward Scott-Montagu, Herausgeber der Zeitschrift The Car. Montagu hatte sich schon 1899 einen Christophorus, den Schutzpatron der Autofahrer, auf den Kühler geschraubt.

Die Geliebte auf dem Kühlergrill

Die Idee mit der Kühlerfigur wird populär. Der Lord sorgt dafür, dass Rolls-Royce eine Kühlerfigur gestaltet. Zu dieser Zeit entdecken viele Hersteller die Werbewirkung auf der Haube: Adler schraubt einen Vogel im Art-déco-Stil auf den Kühler, Mercedes den Stern, Lincoln kommt auf den Hasen und Packard setzt auf den Pelikan.

Firmen-Mitinhaber Henry Royce hält wegen der eingeschränkten Sicht gar nichts von Frauen auf dem Kühler, muss aber nachgeben.

Der echten Emily bringt die Verewigung kein Glück: Eleanor Velasco Thornton stirbt am 30. Dezember 1915 bei der Versenkung des britischen Passagierdampfers Persia im Mittelmeer.

Ein Aristokrat und Tüftler

Die eigentliche Geschichte von Rolls-Royce beginnt schon früher. Charles Stewart Rolls kommt 1877 als dritter Sohn von Lord und Lady Llangattock zur Welt. Von Beruf ist Rolls Erbe – er wächst gut situiert auf und studiert an der Elite-Universität Cambridge Maschinenbau. Schon in jungen Jahren ist Rolls fasziniert von der Erfindung des Mannheimers Carl Benz. Die pferdelose Kutsche rollt 1885 aus dem Quadrat T6,11 und revolutioniert die Welt.

Mit 25 Jahren eröffnet Rolls in London seine Firma C.S. Rolls & Co. - einen Autohandel für die Luxusautos Minerva (Belgien) und Panhard (Frankreich). Nebenher nimmt Rolls an Rennen teil und hält kurzzeitig mit dem sagenhaften Tempo von 150 km/h sogar den Geschwindigkeits-Weltrekord. Ganz anders der Werdegang von Frederick Henry Royce: Geboren 1863 wächst er als fünftes Kind in bescheidenen Verhältnissen auf. Als Zeitungsjunge und Telegrammbote trägt er zum Familieneinkommen bei und geht später zur Eisenbahn. Royce ist von Anfang an fasziniert von der Technik, er gründet im Alter von 21 Jahren in Manchester eine Firma für Elektromotoren namens F.H. Royce & Co.

Zehn PS für den ersten Prototypen Da Royce der Legende nach mit seinem eigenen französischen Auto, einem Zweizylinder vom Typ Decauville 10hp, nicht zufrieden ist, werkelt er an einem eigenen Gefährt. Unter dem Namen "10 H.P." – das Kürzel steht für ten horse power, also zehn PS – werden drei Prototypen gebaut. Eines der selbstgebastelten Autos ist für den Großaktionär seiner Firma, Henry Edmunds, bestimmt – und der ist begeistert von der Qualität. Nur weil Edmunds im Gespräch mit einem Bekannten vom "10 H.P." schwärmt, entsteht die spätere Firma Rolls-Royce. Denn der Zuhörer ist Claude Johnson, Mitinhaber der Firma "C.S. Rolls & Co." Charles Stewart Rolls wird zu einer Probefahrt mit Royce in Manchester eingeladen. So geht Johnson als der "Bindestrich zwischen Rolls und Royce" in die Autogeschichte ein. Am 4. Mai 1904 treffen sich Royce und Rolls erstmals im Midland Hotel in Manchester. Der Adlige soll nach der Ausfahrt geschwärmt haben: "Ich habe soeben den besten Ingenieur der Welt kennen gelernt". Gründung 1906 – Durchbruch mit dem Silver Ghost

Am 15. März 1906 entsteht die fusionierte Firma Rolls-Royce Ltd. mit Sitz in Manchester. Sie will Luxus für die boomende Belle Epoque bauen. Der Durchbruch gelingt gleich mit dem ersten gemeinsamen Wagen, dem Silver Ghost: Im November 1906 wird auf der Olympia Motor Show in London das Auto mit dem offiziellen Namen Rolls Royce 40/50 hp vorgestellt. Nicht nur der Sechszylinder-Motor, sondern auch die Ausstattung komplett in Silber begeistern den Jet Set der Welt.

Den ersten Auftritt der Emily und den Erfolg des Silver Ghost erlebt Charles Rolls nicht mit: Der begeisterte Flieger, der kurz zuvor den ersten Nonstop-Hin-und-Rückflug über den Ärmelkanal meistert, stirbt am 12. Juli 1910 in Bournemouth. Im Alter von nur 32 Jahren kommt er als erster Brite bei einem Absturz ums Leben. >>

Seinem Doppeldecker der Marke Wright war im Flug das Heck abgebrochen. Henry Royce, auch Konstrukteur von Flugmotoren, ist angeblich niemals selbst geflogen. Am 22. April 1933 stirbt auch er. Die Erfolgsgeschichte geht trotzdem weiter: Im November 1931 kauft Rolls-Royce den Konkurrenten Bentley. 1946 wird die Automobilproduktion nach Crewe verlegt. Vor allem die Modelle Phantom und Silver Shadow bleiben bei der reichen Kundschaft begehrt. Doch am 4. Februar 1971 meldet Rolls-Royce Konkurs an, da die Entwicklung eines Triebwerkes für Lockheed das Unternehmen überfordert. Seit 1973 existiert nun Rolls-Royce Motor Cars. Der Triebwerkshersteller wird allerdings nach der Reprivatisierung 1987 unter dem Namen Rolls-Royce plc. neu aufgestellt.

Nach dem Konkurs geht es trotzdem weiter 1998 will der Besitzer Vickers den Automobilhersteller verkaufen. BMW bietet mit, wird aber von Volkswagen überboten. Da die Wolfsburger vergessen, sich die Namens- und Markenrechte für Rolls-Royce zu sichern und BMW schon lange Motoren zuliefert, werden Rolls-Royce und Bentley ab 2003 getrennt. VW behält Bentley, BMW ergattert Rolls-Royce. 100 Jahre Emily

Nun feierte Rolls-Royce Motor Cars 100 Jahre Spirit of Ecstasy, den Geist der Ekstase. In London und in Goodwood, in der Grafschaft West Sussex, trafen sich aus diesem Anlass 100 Rolls-Royce aus den Jahren 1911 bis heute. Im Jahr 2011 wird jeder Ghost und jeder Phantom mit einer Emily versehen, die die Inschrift "Spirit of Ecstasy Centenary – 2011" trägt. In diesem Jahr lässt Rolls-Royce außerdem eine Jubiläums-Edition des Phantom produzieren: Nur 35 Exemplare des Centenary Phantom sollen bis zum 31. Dezember ausgeliefert werden. Die Highlights: Eine Plakette an den Einstiegsleisten, in die das Datum des ersten Treffens zwischen Henry Royce und Charles Rolls graviert ist. Außerdem ist das Logo auf dem Chrom-Kohler im legendären RR-Rot gehalten. Die Farbe wurde von 1904 bis 1930 verwendet und auf Beschwerde des Königshauses wegen der besseren Abstimmung mit anderen Lackfarben in Schwarz geändert. Vorne auf dem Grill thront die "Spirit of Ecstacy" - aus purem Sterling-Silber. Der Preis soll sich je nach Ausstattung bei rund 320.000 Euro bewegen. Sehen Sie sich die Kult-Autos in unserer Foto-Show an.

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