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Gumpert Apollo S: Rennwagen mit Straßenzulassung

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Rennwagen mit Strassenzulassung

30.01.2012, 16:16 Uhr | Christian Sauer, wanted.de

Gumpert Apollo S: Rennwagen mit Straßenzulassung. Der Gumpert Apollo S ist ein Monster mit Flügeltüren. (Quelle: Hersteller)

Der Gumpert Apollo S ist ein Monster mit Flügeltüren. (Quelle: Hersteller)

Manchmal kommen wir nicht um Superlative herum, vor allem nicht bei diesem Fahrzeug: Dem Gumpert Apollo scheint einzig und allein der Titel "Rennwagen mit Straßenzulassung" gerecht zu werden. Bestaunen Sie das Flügelmonster in unserer Foto-Show.

Foto-Serie mit 14 Bildern

Zwar schreiben sich auch andere Hersteller diesen Titel auf ihre Fahnen, aber derzeit kommt wohl kein anderer straßenzugelassener Wagen an die Performance des deutschen Flügelmonsters heran. Sein Vater ist der ehemalige Audi-Rennsportchef Roland Gumpert. Dank immer noch guten Kontakten zu seinem ehemaligen Arbeitgeber und zu anderen, im Motorsport aktiven Firmen, hat er mit dem Apollo einen kompromisslosen Supersportwagen geschaffen. Seit 2005 werden pro Monat wenige Exemplare in einer kleinen Manufaktur im thüringischen Altenburg überwiegend in Handarbeit gebaut und bis nach Asien verkauft.

Heckspoiler im XXL-Format

Trotz Straßenzulassung sind die Chancen einem Apollo an der nächsten Ampelkreuzung zu begegnen eher gering. Kein Wunder, denn der Wagen ist weder für die Stadt, noch für ausgedehnte Reisen geeignet.

Am wohlsten fühlt er sich auf abgesperrten Strecken, wie dem weitläufigen Bosch-Testgelände Boxberg in der Nähe von Würzburg, wo wir mit dem Apollo ans Limit gehen wollen.

Dort angekommen, sollte man sich bei einem Verbrauch von über 20 Litern genügend Nachschub an Treibstoff gesichert haben. Der V8-Biturbo ist definitiv kein Kostverechter, holt dafür aus 4,2 Litern Hubraum aber auch 850 Nm und 650 Pferdestärken heraus. Wem das nicht reicht, bekommt mit dem Apollo S(port) nochmal 100 PS mehr und somit einen der stärksten (Klein)Serien-Sportwagen der Welt.

Schaltpaddels auf Wunsch

Mit lautstarken Knorren quittiert der Bolide den Weckruf per Startknopf. Etwas widerspenstig präsentiert sich auch die Rennkupplung, die kräftig und zugleich sehr sensibel behandelt werden möchte. Kraft verlangt ebenso der Schalthebel des sequentiellen 6-Gang-Getriebes:

Zum Fahrer hin gezogen wechselt die Digitalanzeige von Neutral in den ersten Gang. Mit  perfekt getroffenem Schleifpunkt, geht es per Katapultstart in drei Sekunden auf 100 km/h.
Schneller schafft auch ein Lamborghini Aventador den Standardsprint nicht, verlangt mit Launch-Control und Schaltpaddel aber weniger Übung.

Alternativ bietet Gumpert auch eine Lenkradschaltung für den Apollo an, die für uns die bessere Wahl wäre, denn die Beschleunigung ist so brachial, dass man mit den Gangwechseln kaum hinterher kommt. Gerade wenn die beiden Turbos vollen Ladedruck aufbauen, liegen Euphorie und Angst, den nur 1200 Kilogramm leichten Mittelmotor-Sportler ohne ESP zu verlieren, nahe zusammen.

Kein Auto für Fahranfänger Gut, dass die 6-Kolben-Rennbremse den Apollo wie einen Anker stoppt, wenn sie vorher auf Betriebstemperatur gebracht wurde. Das sportlich abgestimmte ABS rettet die rot-weißen Pylonen beim schnellen Ausweichtest vor dem heranrasenden Inferno, wenn man beim abrupten Richtungswechsel mit der ultra-direkten Lenkung am Gas oder besser noch auf dem Bremspedal bleibt. Wer diese Grundlektion der Fahrphysik missachtet und damit Lastwechsel provoziert, muss den quertreibenden Apollo mit beherztem Gegenlenken erst wieder einfangen oder wird mit einem kapitalen Dreher bestraft. Der Grenzbereich ist verdammt schmal und dank Mittelmotor versucht das Heck immer wieder uns zu überholen. Mit 1,5 G durch die Steilkurve

Derart vorgewarnt und höchst konzentriert geht es weiter zum drei Kilometer langen Hochgeschwindigkeitsoval mit bis zu 65 Prozent überhöhten Kurven.

Mit mehr als den per handelsüblichem Straßenschild empfohlenen 160 km/h geht es in die erste Steilkurve hinein. Der Wagen knickt regelrecht in Schräglage und mit minimalem Lenkeinschlag, ohne größere Korrekturen durchquert der Wagen die Kurve. Am Scheitelpunkt erreichen wir 1,5 G und fühlen uns wie Jetpiloten im Tiefflug. Auf der anschließenden Geraden schiebt der Wagen mit Vehemenz nach vorn und die Geräuschkulisse erinnert an die teuflischen Kräfte, die hinter uns wüten. Die Höchstgeschwindigkeit von 360 km/h erreichen wir zwar nicht, aber bis auf Tempo 280 klettert die Nadel, bevor wir wieder in die Eisen gehen.

Eine Achterbahn ist dagegen nur Kinderkarussell

Zum Abschluss des Tages und als weiteres Highlight steht der verwinkelte Handlingkurs mit einigen tückischen Kuppen an. Auslaufzonen gibt es keine, dafür aber jede Menge Adrenalin beim Kurvenräubern. Links – rechts – Bremse – und noch einmal mit Vollgas den Hügel hinauf, bevor sich das wahnwitzige Erlebnis Apollo dem Ende neigt. Trotz riesengroßer Lüftungsöffnungen steigen die Öl- und Wassertemperaturen fast bis in den roten Bereich und bescheren dem Hochleistungssportler einen verdienten Feierabend.

Was bleibt unterm Strich nach einem solchen Tag? Die Gewissheit, vom Apollo sehr schnell und immer wieder das persönliche Limit aufgezeigt bekommen zu haben. Er ist weniger ein Design-, Anlage- oder Prestigeobjekt denn ein reinrassiger Rennwagen und ein ultrastarkes Spielzeug für mindestens 479.383 Euro.
Der von uns gefahrene Apollo S kostet sogar 604.321 Euro und muss sich nur mit wenigen Konkurrenten messen. Quasi als Zugabe gibt es die Straßenzulassung dazu. Für Autoverrückte mit dem nötigen Kleingeld und auf der Suche nach neuen ist der Gumpert Apollo S genau die richtige Wahl!

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