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Wiesmann Roadster MF3 Fahrbericht: Kurvenfresser aus Dülmen

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Wiesmann Roadster MF3  

Kurvenfresser aus Dülmen

26.03.2012, 15:31 Uhr | Lars Döhmann, mid

Wiesmann Roadster MF3 Fahrbericht: Kurvenfresser aus Dülmen. Der Wiesmann Roadster MF3 lässt britische Sportwagen verblassen. (Quelle: Wiesmann)

Der Wiesmann Roadster MF3 lässt britische Sportwagen verblassen. (Quelle: Wiesmann)

Kaum denkbar, dass dieser so englisch wirkende Sportwagen aus Deutschland kommt. Derzeit werden die letzten Modelle des Wiesmann Roadster MF3 südwestlich von Münster gefertigt. Wir sind den auffälligen Zweisitzer gefahren und haben gemerkt, dass die Qualität made in Germany den Wiesmann Roadster MF3 deutlich von der englischen Konkurrenz wie dem Morgan +8 abhebt – nicht nur in Kurven.

Kompakt duckt sich der Wiesmann Roadster MF3 über der Straße und bei flüchtigem Blick könnte er mit einem Austin-Healey verwechselt werden. Seit 1993 baut Wiesmann in Dülmen Sportwagen wie den Roadster MF3 sowie die Modelle MF4 und MF5 im Geiste der Ikone AC Cobra. Dies sind allesamt potente automobile Sportler mit der Antriebstechnik von BMW. Derzeit entstehen in der Manufaktur die letzten Exemplare des Wiesmann Roadster MF3, mit dem das Unternehmen seine Fahrzeugproduktion begonnen hatte. Denn von dem legendären BMW-Reihensechszylindermotor mit 3,2 Liter Hubraum stehen nur noch wenige Exemplare zur Verfügung. 18 verschiedene Vorschläge für Farbgebung und Ausstattung haben die Designer Christian und Michael Sieger für den Zweisitzer entwickelt, doch der Wagen ist nach persönlichen Vorstellungen frei konfigurierbar. Kein Wiesmann ist mit einem anderen identisch.

Einsteigen wird zur sportlichen Herausforderung

Eine Variante der "final edition by Sieger" des Wiesmann Roadster MF3 heißt "Polar Bear". Passend zur äußeren Farbgebung ist der Innenraum mit hell- und dunkelblauem, rotem und weißem Leder großzügig ausgekleidet. Das Ambiente korrespondiert nicht wirklich mit den frostigen Temperaturen am Tag der Testfahrt, vor der es einige Hinweise zur Bedienung gibt. Zunächst muss sich der Fahrer förmlich in das Fahrzeug einfädeln. Das gelingt vor allem jenen Zeitgenossen gut, die bei durchgedrückten Beinen die Fußspitzen mit den Händen erreichen können. Also: rechtes Bein über den hohen, breiten Schweller in den Fußraum stecken, Kopf einziehen und Körper in den Sitz schieben, linkes Bein nachziehen. Schon umklammert die Sitzschale den Fahrer, die linke Schulter hat nach dem Zuziehen der Tür mittels Lederschlaufe fast Kontakt zur Seitenscheibe. Wer einmal im Wiesmann Roadster MF3 sitzt, muss erstaunt feststellen, dass das Cockpit trotz des knappen Zuschnitts genug Platz für 1,95 Meter lange Passagiere gewährleistet.

Cockpit des Roadster MF3 lässt Qualität erleben

Faszinierend sind die vielen liebevoll detaillierten Bedienelemente wie der Entriegelungsknopf für die Gepäckraumklappe, der ganz versteckt liegt. Dagegen wirft die Klimatisierung über den Drehschalter keine Fragen auf. Die Schaltgeschwindigkeit ist mit einer Taste hinter dem Gangwahlhebel einstellbar, und Puristen dürfen das ESP abschalten. Die Sitzverstellung erfolgt mechanisch, die Fenster werden gekurbelt und die Spiegel von Hand justiert. Zur Probe wird das mechanische Verdeck geöffnet: zwei Riegel entsichern und die Stoffmütze nach hinten klappen – fertig. Schalter und Hebel aus Aluminium und Edelstahl scheinen nicht nur, sondern sind tatsächlich aus dem Vollen gedreht. Alles ist erlebbare Qualität statt Massenware.

Golfspieler brauchen Extra-Ausstattung

Hinter den Sitzen gibt es etwas Platz für Gepäck, zusätzlich finden sich im Heck 175 Liter Stauraum. Eine Gepäckbrücke aus Edelstahl ist als Extra für den Wiesmann Roadster MF 3 erhältlich – Kostenpunkt knapp 2000 Euro. Sie wird über dem Heckdeckel montiert und kann dann das vielzitierte Golfbag aufnehmen. Auf Wunsch sind Kartentaschen am Getriebetunnel lieferbar, und neben dem Handschuhfach bietet die Mittelkonsole weitere Ablagemöglichkeiten.

Sonores Blubbern

Wir drehen den Zündschlüssel, positionieren den Wählhebel des automatisierten Getriebes so, dass im kleinen Display vor dem Fahrer eine "0" erscheint und drücken bei getretener Bremse den Startknopf. Der 3246 ccm große Langhuber erwacht spontan zum Leben. Seine mechanischen Komponenten tickern vernehmbar, aus den zwei Endrohren blubbert es sonor. Der Gangwahlhebel wird nach rechts geschoben, im Display erscheint eine "1", es geht los. Wahlweise via Lenkradschaltwippen oder mit dem Wählhebel lässt sich die Gangwahl organisieren. Jeder noch so feine Dreh am kleinen, leichtgängigen Volant bewirkt eine direkte Lenkreaktionen.

Schneller Sprinter

Die Übersichtlichkeit nach vorne über die gefühlt längste Motorhaube seit dem seligen E-Type von Jaguar ist gut, das gibt schnell Vertrauen, die gebotene Leistung auch auszukosten. 252 kW/ 343 PS lassen den weniger als 1200 Kilogramm schweren Wiesmann Roadster MF3 bei Bedarf in knapp fünf Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h beschleunigen. Die Höchstgeschwindigkeit wird mit 255 km/h angegeben. Was wir wegen der winterlichen Temperaturen ungeprüft glauben. Gegen Aufpreis sind verschiedene kurze Hinterachsübersetzungen lieferbar, die noch druckvolleres Beschleunigen erlauben.

Kurvenfresser mit Gänsehaut-Garantie

Kurvige Landstraßen frisst der Wiesmann Roadster MF3 förmlich. Aber der gute Geradeauslauf verleiht auch schnellen Autobahnetappen Fahrvergnügen mit latentem Suchtpotential. Perfekt zu den hohen Fahrleistungen passen die bissigen Bremsen. Sieben zum Fahrer hin ausgerichtete Rundinstrumente in der Cockpitmitte informieren umfassend über die aktuellen technischen Befindlichkeiten des Roadsters. Noch sinnenfroher gebärden sich die Rückmeldung der Antriebseinheit: Sie orgelt, bratzelt und bollert, stets präsent, gelegentlich fast aufdringlich. Wegen der wohligen Gänsehaut, die diese Lebenszeichen des Wiesmann Roadster MF3 erzeugen, darf diese Feststellung nicht als Kritik verstanden werden.

Qualität made in Germany

Was generell schwer fällt, weil das Fahrzeug einen solch überzeugenden Qualitätseindruck hinterlässt und es auch auf schlechtester Wegstrecke keinerlei Knack- oder Knistergeräusche von sich gibt, selbst bei haarsträubenden Verwindungen: Handarbeitsqualität made in Germany. Das unterscheidet den Wiesmann dann doch ganz klar von den klassischen englischen Roadstern. Insgesamt rund 1500 Autos hat Wiesmann bis heute gefertigt und entsprechend routiniert verarbeitet präsentieren sich die aktuellen Fahrzeuge. Trotz rationaler Gründe bleibt der Kauf eines Wiesmann Roadster MF3 doch eine emotionale Entscheidung für puren Fahrspaß. Schließlich müssen vor diesem Vergnügen wenigstens 119.900 Euro locker gemacht werden.

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