Sie sind hier: Home > Digital > Internet & Sicherheit > Internet > Facebook >

Facebook & Co.: Bonität leidet unter den falschen Freunden

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Kein Kredit wegen Facebook  

So beeinflussen Facebook und Co. künftig Ihre Bonität

31.10.2013, 18:21 Uhr | Sebastian Weber

Facebook & Co.: Bonität leidet unter den falschen Freunden. Nach den Plänen einiger Auskunfteien, sollen soziale Netzwerke künftig die Bonität von Kreditnehmern bestimmen. (Quelle: imago/McPHOTO/Montage)

Nach den Plänen einiger Auskunfteien, sollen soziale Netzwerke künftig die Bonität von Kreditnehmern bestimmen. (Quelle: McPHOTO/Montage/imago)

Sie sind in sozialen Netzwerken aktiv und haben sich mit Freunden, Bekannten oder Geschäftspartner auf Facebook, Xing, Linkedin oder wkw vernetzt? Dann schauen Sie ab jetzt genau hin, mit wem Sie dort befreundet sind – in Zukunft könnte Ihre Kreditwürdigkeit davon abhängen.

Was kauft jemand regelmäßig? Mit wem verkehrt derjenige? Zahlt derjenige seine Rechnungen pünktlich? Wer all diese Datensätze einsehen würde, könnte von jeder Person ein genaues Bild zeichnen. Was wie der Albtraum eines jeden Datenschützers klingt, könnte in Zukunft Realität bei der Ermittlung der Bonität werden.

Weltweit gibt es mehrere Firmen, die bereits soziale Netzwerke in ihre Kreditentscheidungen einbeziehen. Eine davon ist die Firma Kreditech mit Sitz in Hamburg. Das Start-Up-Unternehmen wurde 2012 gegründet und möchte in Zukunft anhand von sozialen Netzwerken den Banken die Entscheidung erleichtern, ob ein Antragsteller kreditwürdig ist.

Einkäufe und Freunde spielen eine Rolle

Das System, das die Bonität festlegt, durchleuchtet die Online-Persönlichkeit des potenziellen Kreditnehmers und erstellt anhand von mehr als 8000 Datenpunkten ein Profil.

Die Informationshäppchen bezieht Kreditech aus verschiedenen Quellen – darunter Konto- und Kreditkartenbewegungen, aber eben auch das Kaufverhalten in Online-Shops, das Surfverhalten oder die Einträge in sozialen Netzwerken und sogar die Kreditwürdigkeit von Freunden. Voraussetzung ist, dass der Kreditnehmer dem Unternehmen Zugriff auf diese Daten erlaubt.

Deutsche hinterlassen reichlich Facebook-Daten

Banken verlassen sich im Normalfall auf die Finanzhistorie des Kunden. Sie verwenden automatisierte Bonitätsermittlungen aufgrund von Daten aus den vorliegenden Geschäftsbeziehungen oder Auskünften der Schufa. Kreditech hingegen schaut sich auch die Amazon- und eBay-Konten an. Eventuell verrät das Amazon-Konto, dass der Antragsteller Sachbücher zum Thema Schuldenberatung gekauft hat.

Oder die Freundesliste auf Facebook setzt sich zum Teil aus Erwerbslosen zusammen und die Beiträge des Antragsstellers im sozialen Netzwerk weisen extreme Schwächen in der Grammatik auf, die für jemanden mit vergleichbarer Ausbildung unüblich sind. Immerhin 25 Millionen Deutsche sind aktive Nutzer bei Facebook, da dürfte eine lohnenswerte Datenmenge zusammenkommen.

Viele Mosaiksteine ergeben die Bonität

"Viele dieser Datenpunkte haben isoliert betrachtet eine geringe Aussagekraft, sondern erhalten ihre Prognosefähigkeit erst im Gesamtkontext", erklärt Kreditech-Chef Diemer. Die einzelnen Faktoren des Beispiels würden insgesamt betrachtet also die Kreditwürdigkeit in Frage stellen. Deshalb besitzen sie aus Sicht von Kreditech mehr Aussagekraft, als ein reiner Blick auf die Finanzhistorie des Kreditnehmers wie es beispielsweise bei der Schufa der Fall ist.

Kreditech betont, dass sie Daten verwenden, die vom User freiwillig und optional freigegeben werden, darunter Daten aus sozialen Netzwerken oder den eBay-Nutzernamen. Rohdaten würden nicht gespeichert, ebenso wenig personenspezifische Daten. "User, die diese Daten nicht freigeben, werden nicht benachteiligt, sondern werden anhand sogenannter 'Similarity Scores' eingeschätzt," sagt Diemer.

Freiwilligkeit mit Beigeschmack

Allerdings hat diese angepriesene Freiwilligkeit einen faden Beigeschmack. Ein Antragsteller muss in der Tat nichts von sich preisgeben. Doch diejenigen, die Daten über sich freigeben, erhalten laut Diemer bessere Konditionen für ihren Kredit. Kurz gesagt: Der gläserne Bürger wird belohnt – ob sich der potenzielle Kunde dann für seine Privatsphäre entscheidet?

Davon abgesehen ruft Kreditech die Informationen von Facebook über die Funktion "Facebook Connect" ab. Der Kunde gibt mit dem Klick auf den Bestätigungsknopf sein Einverständnis, dass Kreditechs Datensammler loslegt. Welche Details dann ausgelesen werden, das lässt sich nicht beeinflussen.

Schufa startete ähnliches Vorhaben

Auch die Schufa, Deutschlands größte Auskunftei, hatte Mitte 2012 mit dem Gedanken gespielt, ob soziale Netzwerke für Aussagen über die Bonität genutzt werden könnten. Nach Bekanntwerden des Vorhabens geriet die Schufa in die Kritik der Öffentlichkeit und von Datenschützern und nahm davon Abstand.

Doch auch ohne solche Daten gilt das Bewertungssystem der Schufa als eines der genauesten. Die Auskunftei sammelt alle relevanten Finanzdaten in Deutschland und kann so zu jedem Kreditnehmer eine Einschätzung liefern.

Diese basiert auf Daten über die gesamte Finanzgeschichte einer Person. Solche Daten hängen jedoch stark davon ab, ob die Schufa die Informationen von Banken und Unternehmen erhält. Doch selbst wenn, kann es eine gewisse Vorlaufzeit brauchen, bis das Profil einer Person aktualisiert wird.

Kreditech kritisiert Schufa-Methode

Sebastian Diemer von Kreditech kritisiert dieses System: "Zukünftiges Zahlungsverhalten aufgrund von historischem Zahlungsverhalten zu prognostizieren, gibt ein falsches Bild über Kunden, da sich Lebenssituationen etc. immer schneller verändern. Jemand, der gegebenenfalls vor wenigen Jahren nicht kreditwürdig war, ist es nun oder eben anders herum. Die Entwicklung von Aktienkursen anhand der historischen Entwicklung vorherzusagen, ist ähnlich ungenau."

Zweifel an neuen Systemen sind angebracht

Das Argument, dass die traditionellen Systeme nicht immer in der Lage sind, die Lebens- und Finanzsituation eines Kreditnehmers aufzuzeigen, ist nicht von der Hand zu weisen. Die Daten stammen zum größten Teil aus der Vergangenheit und bilden nicht unbedingt die Gegenwärt akkurat ab.

Es stellt sich jedoch die Frage, ob die Informationen, die in sozialen Netzwerken abgefragt werden, tatsächlich Aussagekraft haben. Denn warum sollte ein Kreditnehmer bei der Ratenzahlung unzuverlässig sein, weil Freunde von ihm arbeitslos sind? Und sagen das Surfverhalten oder das Betriebssystem tatsächlich etwas über die eigene Kreditwürdigkeit aus?

Während Kreditech in Osteuropa und Spanien selbst Kleinkredite vergibt – Australien und südamerikanische Länder sollen bald folgen – will das Unternehmen in Deutschland zukünftig vor allem Banken beraten. Vor dem Hintergrund, dass deutsche Banken immer häufiger Teile ihrer Kreditbearbeitung extern vergeben, könnten die Scoring-Methoden von Kreditech vielleicht bald auch hier Verwendung finden.

Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von t-online.de Digital.

Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.
Neue Kommentare laden
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
SOZIALE NETZWERKE BEEINFLUSSEN BONITÄT
Würden Sie Wirtschaftsauskunfteien Zugang zu Ihren Nutzerkonten in sozialen Netzwerken gewähren, um Ihre Bonität ermitteln zu lassen?
Video des Tages

Shopping
KlingelBabistabonprix.deLidl.deStreet OneCECILMADELEINEdouglas.deBAUR
Mehr zum Thema
Sie sind hier: Home > Digital > Internet & Sicherheit > Internet > Facebook

shopping-portal
Das Unternehmen
  • Ströer Digital Publishing GmbH
  • Unternehmen
  • Jobs & Karriere
  • Presse
Weiteres
Netzwerk & Partner
  • Stayfriends
  • Erotik
  • Routenplaner
  • Horoskope
  • billiger.de
  • t-online.de Browser
  • Das Örtliche
  • DasTelefonbuch
  • Erotic Lounge
Telekom Tarife
  • DSL
  • Telefonieren
  • Entertain
  • Mobilfunk-Tarife
  • Datentarife
  • Prepaid-Tarife
  • Prepaid-Aufladung
  • Magenta EINS
Telekom Produkte
  • Kundencenter
  • MagentaCLOUD
  • Homepages & Shops
  • De-Mail
  • Freemail
  • Mail & Cloud M
  • Sicherheitspaket
  • Hotspot
  • Telekom Fotoservice
  • Hilfe
© Ströer Digital Publishing GmbH 2017