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Film "Der entsorgte Vater" muss geändert werden

10.02.2010, 12:12 Uhr | sca, nak, dpa

Film "Der entsorgte Vater" muss geändert werden. Entsorgte Väter sind die Verlierer im Rosenkrieg.

Entsorgte Väter sind die Verlierer im Rosenkrieg. (Bild: www.douglas-wolfsperger.de)

Der Film "Der entsorgte Vater" darf nur in einer eingeschränkten Version gezeigt werden. Das hat das Düsseldorfer Oberlandesgericht jetzt entschieden. Film-Regisseur Douglas Wolfsperger hatte in dem Streifen für zwei Sekunden ein acht Jahre altes Foto seiner Tochter eingeblendet. Dagegen war die Mutter im Namen des damals drei Jahre alten Kindes gerichtlich vorgegangen.

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Kontakt wird verwehrt

In seiner Doku schildert der Filmemacher das Schicksal von vier Männern und seine eigene Geschichte. Vater sein und doch nicht für das eigene Kind sorgen dürfen: Das durchlebt der Regisseur und Produzent Douglas Wolfsperger seit vielen Jahren. "Der Kontakt zur eigenen Tochter wird ihm verwehrt. Anstatt sich rechtzeitig um eine Einigung zwischen den Parteien zum Wohle des Kindes zu bemühen, ordnet das Gericht schlussendlich an, dass sich der Vater von der Tochter verabschieden solle. Und zwar endgültig. Er macht sich auf die letzte Reise zu seiner Tochter“. Wolfsperger hatte argumentiert, das Foto, auf dem er selbst mit dem Kind zu sehen ist, verdeutliche seine emotionale Nähe zu seiner Tochter

Entscheidung des Gerichts

Nun gab der Senat unter Vorsitz von Richter Prof. Wilhelm Berneke der Mutter Recht: Schwerer als das Informations-Interesse der Öffentlichkeit wiege das Recht des Kindes am eigenen Bild. Der Film darf nur gezeigt werden, wenn das Gesicht des Kindes unkenntlich gemacht ist. Wolfsperger hatte keine schriftliche Erlaubnis der allein sorgeberechtigten Mutter für die Veröffentlichung vorlegen können.

Anwalt: Kind werde nach acht Jahren nicht wiedererkannt

Das Thema sei von öffentlichem Interesse und das Bild zweifellos eine starke Illustration des Anliegens, hatte Berneke dem Filmemacher zugestanden. Der Anwalt des Regisseurs hatte argumentiert, nach acht Jahren werde das Mädchen selbst von seinen Mitschülern nicht wiedererkannt. Da es auch einen anderen Namen als der Vater trage, sei das Kind nur für den engsten Familienkreis identifizierbar. Der Anwalt der Mutter entgegnete, nach einer Veröffentlichung des Fotos in einer Zeitung habe eine Bekannte in der Dreijährigen die Tochter wiedererkannt.

Männer sind die Verlierer

Tausende Kinder sagen "Tschüss Papa“ zu ihrem Vater, wenn ihre Eltern sich trennen. Die Männer sind die Verlierer im Rosenkrieg. In neun von zehn Fällen leben Scheidungskinder bei der Mutter. Der betreuende Elternteil, egal ob Mutter oder Vater, sitzt am längeren Hebel und nutzt das oft aus. so Familienrichter Rudolph vom Amtsgericht Cochem in "stern TV".

"Da ist ein tiefes Loch“

Vor dem Kinostart des Films schilderte Douglas Wolfsperger bei "stern TV", wie hilflos er sich oft gefühlt hat. Schließlich habe er immer empfunden, dass seine Tochter ein Teil von ihm sei und er sich um das Kind genauso kümmern müsse und wolle wie die Mutter. "Plötzlich ist das alles nicht mehr da“, alles was er gemacht habe, sei falsch gewesen. "Das ist ein tiefes Loch“.

“Ich möchte dich nicht sehen“

Nach jahrelangem Stress zwischen den Eltern und Versuchen der Mutter, den Umgang zu verhindern, rät ein psychologisches Gutachten, den Umgang auszusetzen, damit das Kind Ruhe habe und nicht einer dauerhaften Konfliktsituation ausgesetzt ist, die es nicht bewältigen kann. Als Wolfsperger Berufung einlegen will, erhält er einen Brief von seiner damals neunjährigen Tochter, mit dem Wortlaut "Hallo Douglas, ich habe dem Gericht schon gesagt, dass ich dich nicht mag. Und ich will dich nicht sehen. Und ich möchte auch nicht, dass mich das Gericht zu etwas zwingt.“ Seine Tochter besucht ihn ein letztes Mal, bei dem sich der Vater von ihr verabschiedet.

Brief selber geschrieben?

Hat die Tochter den Brief alleine geschrieben oder steckt doch die Mutter dahinter, fragt sich Wolfsberger. Psychotherapeutin Ursula Kodjoie erklärte, dass sich die Kinder häufig irgendwann aus Verzweiflung auf die Seite desjenigen schlagen, bei dem sie wohnen. Meistens, weil sie sich als als Verräter gegenüber der Mutter fühlen, wenn sie gerne zum Vater wollen, erklärte Kodjoe bei Günther Jauch.

Es geht auch anders

Jürgen Rudolph ist seit 30 Jahren Familienrichter am Amtsgericht Cochem, das als Vorreiter in Deutschland in Umgangsfragen gilt. Hier werden Entfremdung und Ausgrenzung eines Elternteils einfach nicht geduldet und auch Druck auf die Eltern ausgeübt, wenn es nicht anders geht. Hier steht tatsächlich das Kind im Vordergrund. Beide Elternteile werden - zur Not mit Druck - zu einer Beratung gebeten, bei der sie sich einigen sollen. So sagte Rudolph dem betreuenden Elternteil beispielsweise, dass man an seinen Erziehungskompetenzen zweifele, wenn diese Beratungsangebote nicht wahrgenommen werden. Will der andere Elternteil ablehnen, wird unterstellt, sein Interesse am Umgang mit dem Kind sei nicht ausreichend. Eine Mutter berichtete bei Jauch, wie sie es mithilfe von Rudolph schaffte, ihre Einstellung zu ändern. Der Vater ihrer Zwillinge hat jetzt wieder regelmäßig Umgang und das Verhältnis der Eltern ist unkompliziert.

Oft kein Wendepunkt mehr

Ein Ansatz, der wohl wirklich mal den Kinder zugute kommt. Denn ist der Kontaktabbruch erstmal da, gibt es meistens kein zurück mehr. Wenn Kinder über so viele Jahre mit einem "dämonisierten Elternteil“ leben müssen, gibt es oft keinen Wendepunkt mehr, sagt Rudolph bei "stern TV". Kann das im Sinne der Kinder sein.


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