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Erziehung: So lernen Kinder Geduld

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Erziehung  

Geduld ist nicht angeboren: So lernt Ihr Kind zu warten

10.05.2010, 11:47 Uhr | Jenni Zwick, t-online.de

Erziehung: So lernen Kinder Geduld. Kleiner Junge lässt sein Spielzeug-Auto über den Kopf seiner Mutter rollen.

"Mama, ich will jetzt spielen!" - Kinder sollten schon früh Geduld lernen. (Bild: imago)

"Mama, wann kommst du denn endlich spielen?" Geduld und Ausdauer ist Kindern nicht angeboren, sie müssen sie lernen. Eltern können jedoch schon früh begingen, ihren Kindern Begriffe wie "gleich" oder "später" beizubringen - wir sagen Ihnen wie.

"Ich will aber spielen!"

Maja rennt zu ihrer Mutter und greift nach ihrer Hand - obwohl diese telefoniert. "Warte noch fünf Minuten, bitte!" antwortet die Mutter. "Menno, ich will aber spielen!", Maja stampft wütend den Fuß auf und zerrt an der Hand der Mutter. "Spielen, spielen, spielen!" Entnervt beendet die Mutter das Gespräch und lässt sich von Maja ins Kinderzimmer ziehen. Sie fragt sich, wann ihre sechsjährige Tochter endlich etwas geduldiger wird.

Mit Routine zur Geduld

Mit etwa sechs Monaten fangen Babys an, zeitliche Abläufe im Alltag zu erfassen. Ohne einordnen zu können, was es genau heißt, lernen sie, dass auf eine Aktion die nächste folgt. Wissenschaftler sprechen von "Skripts". Hört das Baby das Wasser im Wasserkocher sprudeln, hat es gelernt: Gleich kommt die Milchflache. Wird der Rollladen zugezogen, ändert sich das Licht und Mama fängt gleich an zu singen. Durch diese Routineabläufe wird der Alltag der Kleinen strukturiert und sie lernen die ersten Formen von Geduld. Je älter die Kinder werden, umso komplexer werden die "Skripts". Sie kennen viele alltägliche Abläufe und haben sich gemerkt, was als nächstes kommt.

Wartezeit mit Erklären überbrücken

Tipp: Machen Sie einfache Dinge immer auf die gleiche Art und Weise und erklären Sie dabei, was Sie gerade tun. "Ich hole jetzt dein Fläschchen aus dem Schrank und mache den Wasserkocher an. Jetzt muss noch etwas Pulver in die Flasche - oh, das Wasser kocht. Das kommt zum Pulver in die Flasche. Danach muss ich es noch abkühlen lassen, jetzt gehen wir erstmal zum Wickeln." Erklären Sie Ihrem Kind den zeitlichen Ablauf Ihrer Handlungen, fördern Sie seine Geduld. Denn es lernt, dass dieser Verlauf notwendig ist, damit es sein Fläschchen bekommt. Außerdem kann es Sie bei Ihrer Tätigkeit beobachten, das überbrückt die Wartezeit zusätzlich.

"Noch einmal schlafen"  

Ab etwa zwei Jahren fangen Kinder an, Zeitbegriffe wie "gestern", "morgen" oder "später" zu verstehen. Es kann jetzt auch das Wörtchen "gleich" einschätzen. Vorausgesetzt, Sie verwenden es nicht zu oft. Heißt "gleich" immer etwa eine bis fünf Minuten, lernt Ihr Kind, dass es nicht zu lange warten muss. Verwenden Sie "gleich" allerdings inflationär für völlig unterschiedliche Zeiträume, wird es Ihrem "Gleich" nicht vertrauen und nörgeln, wann es denn endlich los geht.

Konkrete Zeitangaben helfen 

Tipp: Geben Sie Ihrem Kind konkrete Zeitangaben. Es weiß noch nicht, was fünf Minuten oder fünf Stunden sind. Sagen Sie deshalb nicht, "In fünfzehn Minuten geht es los", sondern erklären Sie ihm, was Sie noch zu tun haben, beispielsweise müssen Sie noch das Schwesterchen wickeln. Wenn es fragt, wann Sie die Oma besuchen, erklären Sie besser mit "Noch einmal schlafen" als mit "Morgen", wie lange es noch auf den Besuch warten muss.

Geduld wächst stetig  

Im Kindergartenalter sind Kinder (langsam) in der Lage, ihre Bedürfnisse aufzuschieben. Sie haben gelernt zu warten und geduldig zu sein - mit der Umsetzung hapert es trotzdem noch manchmal. Bei Dreijährigen muss die Wartezeit häufig noch mit Vorlesen oder Geschichten verkürzt werden. Geduldig sind sie am ehesten, wenn der Bauch voll ist und sie nicht müde sind. Erst ab vier Jahren entwickeln Kinder genügend Einfühlungsvermögen, um sich vorzustellen, was andere denken und fühlen. Ihnen fällt es nun leichter, einen kurzen Zeitraum auf etwas zu verzichten, denn sie verstehen, warum sie warten müssen. Ab diesem Alter entwickeln Kinder zudem die Fähigkeit, sich einer anderen Sache zuzuwenden, ohne ihr ursprüngliches Bedürfnis aus den Augen zu verlieren. Sie sind dann in der Lage, etwas anderes zu machen, bis Mama, Papa oder die Erzieherin im Kindergarten Zeit für sie haben.

Geduld im Kindergarten, aber nicht zuhause?

Theoretisch können Kinder geduldig sein, praktisch sieht es häufig anders aus. Oftmals ist die Geduld der Kinder im Kindergarten oder im Kindersport um einiges größer als bei den Eltern zuhause. In diesen Fällen haben die Eltern keine optimale Vorarbeit geleistet und ihrem Kind nicht gezeigt, dass es sich auch hier lohnt, zu warten. Im Kindergarten wird mit Ruhe die Selbstständigkeit der Kinder gefördert - dadurch auch die Geduld und Ausdauer. Sind Eltern ständig gestresst und hektisch, ziehen ihren Kindern die Jacke aus, weil sie schnell weg müssen, lernen ihre Kinder nur schwer, was es heißt geduldig und selbstständig zu sein. Zudem führen kleine Schritte zur Geduld. Wenn das Kind die Schokolade immer direkt im Laden bekommt statt zehn Minuten später im Auto, ist es nicht verwunderlich, dass es nicht lernt auf etwas zu warten.

Kindern Zeit lassen 

Tipp: Nehmen Sie Ihrem Kind nicht alles ab, sondern lassen Sie ihm die Zeit, Dinge selbst zu erledigen. Dazu gehört, dass es sich selbstständig anzieht, das Fahrradschloss alleine aufschließt und die Schuhe selbst bindet. Auch wenn Sie daneben stehen, dringend zur Arbeit müssen und es mit einem Handgriff erledigt hätten. Wenn Sie Geduld von ihrem Kind fordern, müssen Sie selbst geduldig sein. Auch wenn das gegebenenfalls heißt, eine halbe Stunde früher aufzustehen. Durch die Erfolgserlebnisse, zum Beispiel wenn die Strumpfhose endlich über den Popo rutscht, lernt Ihr Kind, dass es sich lohnt an einer Sache „dranzubleiben“ und nicht aufzugeben. Üben Sie Geduld bei alltäglichen Dingen: Gegessen wird erst, wenn alle Personen am Tisch sitzen. Das Mitbringsel der Tante darf erst aufgemacht werden, wenn sie ihren Mantel ausgezogen hat und sich alle begrüßt haben. Das Spielzeug bei MacDonald darf erst nach dem Essen aufgemacht werden. Die Überbrückung der kleinen Zeiträume hilft Ihrem Kind, später auch bei längeren Zeiten geduldig zu sein.

Freie Zeit um sich zu entfalten

Wenn Kinder wenig Durchhaltevermögen haben, kann das eine Folge davon sein, dass sie ständig aus ihrem Spiel "herausgerissen", in anderen Aktivitäten unterbrochen werden. Außerdem weisen Experten immer häufiger darauf hin, wie wichtig es ist, dass Kinder Zeit haben, sich selbst zu beschäftigen. Denken Sie deshalb nicht, dass Sie Ihrem Kind ständig ein Spielangebot geben müssen. Ein Kind, das sich langweilt und genug Zeit hat, sich eine eigene Beschäftigung zu suchen, hat die beste Chance kreativ zu werden. Durch die "freie" Zeit lernt es, frei zu spielen und sich neue Spiele einfallen zu lassen.

Spielen lassen statt bespaßen

Tipp: Ist Ihr Kind selbstvergessen in sein Spiel vertieft, stören Sie nicht, wenn es nicht notwendig ist. Gibt es gleich Abendessen, sagen Sie beispielsweise zehn Minuten vorher Bescheid, dann kann sich Ihr Kind darauf einstellen und das Spiel auf seine Art beenden. Außerdem lernt es so, die Zeitspannen besser einzuschätzen. Schon Babys schauen verträumt in der Gegend herum und beschäftigen sich damit selbst. Greifen Eltern ständig ein und stören, "verlernt" das Baby, dass es in diesen Momenten zufrieden ist und will langfristig ständig gespaßt werden.

Seien Sie konsequent 

Gerade, wenn Eltern telefonieren oder sich mit anderen Menschen beschäftigen möchten, werden viele Kinder ungeduldig und fangen an zu stören. Verständlicherweise sind viele Eltern genervt und reagieren ungehalten. Doch beim Beispiel von Maja und ihrer Mama ist ersichtlich, warum Maja in diesem Moment keine Geduld aufbringt - kommt sie doch mit ihrem Stören ans Ziel. Sie hat anscheinend gelernt, dass ihre Mutter eher das Gespräch beendet, als einen Konflikt mit ihr auszutragen und ihr zu zeigen, dass Stören nichts bringt oder das gemeinsame Spiel sogar herauszögert. Warum sollte sie also warten und sich alleine beschäftigen?

Nicht alles gleichzeitig machen

Tipp: Fangen Sie schon früh an, Ihrem Kind zu zeigen, dass Sie in gewissen Momenten nicht gestört werden möchten. Wenn Sie telefonieren sollte klar sein: Sie beenden das Gespräch, wenn Sie das möchten. Und Sie tun nebenbei nicht fünf Dinge gleichzeitig. Ihr Kind sollte die Erfahrung machen, dass Sie konsequent bleiben, auch wenn es quengelt und stört. Dies erfährt es aber nur, wenn Sie nicht beim Telefonieren beispielsweise versuchen, das Spielzeug zu reparieren oder das Butterbrot zu schmieren, oder ihm, um endlich Ruhe zu haben, das zweite Eis oder eine extra Runde Fernsehen erlauben. Führt Quengeln nicht zum Ziel und verlängert möglicherweise die Wartezeit für Ihr Kind, wird es irgendwann damit aufhören und versuchen, mit einem anderen Verhalten ans Ziel zu gelangen.

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