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Mutter-Sohn-Beziehung: Spagat zwischen Nähe und Erziehung

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Mutter-Sohn-Beziehung  

Mutter und Sohn: Spagat zwischen Nähe und Erziehung

15.04.2009, 13:04 Uhr | mmh, dpa

Mutter-Sohn-Beziehung: Spagat zwischen Nähe und Erziehung. Mutter hält ihren Sohn im Arm.

Mutter und Sohn: Enge Beziehung mit Langzeit-Risiko? (Bild: Imago)

Sie bauen stundenlang mit dem Sohn Legotürme, lesen Rittergeschichten vor, kennen alle Folgen der "Wilden Kerle" und stehen am Wochenende anfeuernd am Fußballplatzrand: Mütter! Die Beziehung zwischen Söhnen und ihren Müttern ist oft besonders innig. Passen Mütter jedoch nicht auf, kann aus dem Sohn schnell ein verwöhntes Müttersöhnchen werden.

Länger gestillt, mehr bekuschelt

"Am Anfang aller großen Dinge steht eine Frau" - dieses Zitat des französischen Dichters Alphonse de Lamartine ist ein Kompliment an alle Mütter. Sie schenken das Leben und begleiten und lenken die Entwicklung vom Dreikäsehoch bis zum Erwachsenen. Oft gibt es zwischen Müttern und Söhnen eine Bindung, zwischen die kein Blatt Papier mehr passt. "Studien haben gezeigt, dass die Bindung zwischen Mutter und Sohn besonders eng ist", sagt Martina Wirtz, Ärztin und Familienberaterin aus Aachen. So werden Jungs häufig länger gestillt als Mädchen. "Sie werden auch länger gefüttert und mehr bekuschelt", sagt Wirtz. Das bedeutet aber nicht, dass Söhne generell bevorzugt werden. "Die Beziehung zwischen Mutter und Tochter kann genauso intensiv sein, sie gestaltet sich aber anders."

Trotzdem männliche Vorbilder anbieten

Während Mütter an ihren Töchtern viele Parallelen zu ihrem eigenen Leben entdecken, ist die Welt eines Jungen neu: "Jungs sind lauter und wilder, verhalten sich in vielen Dingen anders als Mädchen - darin liegt für viele Mütter eine große Faszination", erklärt Roland Kopp-Wichmann, Diplom-Psychologe aus Heidelberg. Groß und stark, selbstbewusst und erfolgreich soll er werden. So lauten wohl die Wünsche der meisten Mütter an ihren Sohn. "Doch viele Jungs haben große Schwierigkeiten, ein männliches Rollenbild für sich zu finden", sagt Kopp-Wichmann. Zu Hause ist die Mutter Vorbild, und in Kindergarten und Grundschule erziehen überwiegend weibliche Pädagogen: "Im Blick auf die ersten prägenden Lebensjahre sind Frauen geradezu überpräsent", ergänzt Wirtz. Da männliche Rollenbilder aber wichtig sind, sollten Mütter, besonders wenn sie alleinerziehend sind, auf männliche Vorbilder achten - sei es Vater, Großvater, Onkel oder der Trainer im Fußballverein.

Mutter ist die erste große Liebe

"Die Mutter ist die erste große Liebe im Leben eines Mannes", sagt Martina Wirtz. Auch Alain Braconnier, Psychotherapeut und Autor aus Paris, schreibt in seinem aktuellen Buch: "Ein Mann wird sich immer an seine Mutter erinnern, an ein Kleid, das sie trug, an eine Frisur, die er bei ihr sah, an einen Duft, den er an ihr wahrnahm." Eine große Liebe, die bei vielen Müttern jedoch auch zu Bedenken führt: "Wie eng darf die Bindung zu meinem Sohn überhaupt sein?" Ganz anders als bei Mädchen fürchten Mütter, ihren Sohn zu sehr zu verhätscheln und ihn zu verweichlichen.

Mutterliebe ist Dopingmittel für das Leben

Die Balance zwischen mütterlicher Nähe und Erziehung zur Männlichkeit wirft tatsächlich Fragen auf. "Mütter müssen zugleich liebevoll und stark sein, um ihrem Sohn zu ermöglichen, gleichzeitig stark und sensibel zu werden", fasst Braconnier zusammen. Er will Müttern Mut machen, ihre Liebe nicht zu verstecken, denn: "Mutterliebe ist das beste Dopingmittel fürs Leben und wirkt wie ein Zaubertrank, jeder Schluck davon macht stark für das spätere Leben."  Auch wenn die Beziehung zum Sohn sehr innig ist, müssen Mütter loslassen können, sagt Wirtz. Und das schon früh: Ob die erste Übernachtung beim Kindergartenfreund, die Einschulung oder die erste selbstständige Tour mit dem Fahrrad - häufig hängen die Mütter stärker am Sohn als andersherum. "Natürlich möchten Mütter ihre Söhne am liebsten im geschützten Paradies der Kindheit festhalten, aber Jungen müssen eigene Wege gehen können."

Mädchen eher zu Selbständigkeit erzogen

"Mädchen werden viel eher zur Selbstständigkeit erzogen als Jungen", sagt auch Kopp-Wichmann und warnt vor der Gefahr, den Nachwuchs zum Muttersöhnchen zu erziehen: "Jungs brauchen Freiheit." Wichtig sei bedingungslose Liebe, verbunden mit klaren Grenzen und viel Verständnis für die Andersartigkeit eines Jungen. "Mütter sollten auch ihr eigenes Bild von Männlichkeit überprüfen", rät Wirtz. Wer in dem eigenen Sohn einen Partnerersatz sieht oder ewig das kleine Kind, läuft Gefahr, die gesunde Entwicklung zu stören. "Jungen können sich nicht ewig mit der Mutter identifizieren, sondern müssen die Chance bekommen, zum Mann zu werden."

"Hotel Mama" schadet auf Dauer

Ob lange Ausbildungszeiten oder fehlende Job-Aussichten: Für immer mehr junge Männer bleibt das "Hotel Mama" eine starke Burg in unsicheren Zeiten. "Mädchen packen viel schneller ihre Koffer und gehen eigene Wege", sagt die Familienberaterin Martina Wirtz. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden lebten im Jahr
2007 noch 14 Prozent der 30-jährigen Männer bei den Eltern, aber nur fünf Prozent der gleichaltrigen Frauen. Viele Mütter genießen es, wenn der Nachwuchs sie selbst im höheren Alter noch braucht: Die Wäsche sauber und gebügelt, das Essen immer pünktlich auf dem Tisch. Doch der Diplom-Psychologe Roland Kopp-Wichmann warnt: "Mit diesem Pampern leisten Müttern ihren Söhnen keinen Gefallen." Irgendwann sollten sie ihrem Nachwuchs den Schubs aus dem Nest geben: "Wenn erwachsene Männer keine Anstalten machen, auszuziehen, müssen Mütter und Väter die Initiative ergreifen." Denn jeder Nachwuchs müsse lernen, auf eigenen Füßen zu stehen.

Buchtipp: Alain Braconnier, "Mutterliebe. Warum Söhne starke Mütter brauchen", DVA, ISBN: 978-3-421-04202-6, 19,90 Euro.

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