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Jahrelang die falsche Hand benutzt - Rückschulungen für Linkshänder

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Jahrelang die falsche Hand benutzt - Rückschulungen für Linkshänder

12.08.2011, 11:45 Uhr | dapd

Jahrelang die falsche Hand benutzt - Rückschulungen für Linkshänder. Heute werden Kinder nicht mehr zur Benutzung der rechten Hand genötigt. (Foto: imago)

Heute werden Kinder nicht mehr zur Benutzung der rechten Hand genötigt. (Foto: imago)

Über die Zahl der Linkshänder in Deutschland gibt es keine zuverlässigen Angaben. In Statistiken ist von sieben bis zehn Prozent der Bevölkerung die Rede, aber manche Forscher gehen davon aus, dass es ebenso viele Links- wie Rechtshänder gibt. Die Händigkeit - also welche Hand bevorzugt benutzt wird - ist angeboren. Früher wurden Linkshänder zu Rechtshändern "umgeschult". Heute wird davon abgeraten. Eine Berliner Psychologin bietet nun Rückschulungen für Linkshänder an. Endlich die linke Hand zu benutzen, ist für viele wie eine Befreiung.

Kind sollte von Anfang an selbst wählen

Viele Kinder werden immer noch in ihrer Händigkeit beeinflusst, weil sie zum Beispiel andere nachahmen wollen oder weil zu ihnen vom "schönen", "richtigen" oder "guten" Händchen gesprochen wird. Eltern sollten also darauf achten, dass das Kind von Anfang selbst wählen darf, mit welcher Hand es etwas tut, und dies auch vor anderen Personen durchsetzen. Viele Eltern sind verunsichert, wenn sie feststellen, dass ihr Kind ein Linkshänder ist, dabei ist es heute völlig normal Linkshänder zu sein. Anfangs benutzen viele Kinder beide Hände etwa gleich häufig. Bis zum Schulbeginn sollte die dominante Hand bekannt sein. Im Zweifelsfall kann ein Experte die Händigkeit des Kindes abklären.

Berliner Psychologin bietet Rückschulungen für Linkshänder an

Doch wie ergeht es Menschen, die eigentlich Linkshänder sind, als Kind aber zu Rechtshändigkeit genötigt wurden? Die Berliner Psychologin Marina Neumann kennt das Problem aus eigener Erfahrung: Viele Jahre lang benutzte sie die für sie falsche Hand, brachte sich dann selbst das Schreiben mit der linken Hand bei und bietet heute Rückschulungen für unterdrückte Linkshänder an. "Für viele ist es wie eine Befreiung", erzählt sie. Sie verstünden endlich, warum sie sich jahrelang erschöpft, überfordert oder sogar depressiv gefühlt hätten. Händigkeit sei etwas Angeborenes, sagt die Psychologin. "Es gibt nur eine dominante Hand. Sie ist geschickter als die andere und hat mehr Ausdauer." Linkshändigkeit könne man einem Menschen nicht abgewöhnen, nur sein Verhalten lasse sich verändern. "Aber es geht ihm nicht gut damit. Er wird gezwungen, gegen seine Natur zu leben."

Bis zum Grundschulalter "umprogrammiert"

In der Schule müssen Linkshänder heute nicht mehr mit der rechten Hand schreiben. Aber bis sie ins Grundschulalter kommen, sind sie oft schon "umprogrammiert": Kleinkinder lernten viel durch Nachahmung, sagt Neumann. "Wenn es für Linkshänder keine entsprechenden Vorbilder gibt, lernen sie zwangsläufig viele Tätigkeiten mit rechts. Dann denken sie, sie müssten alles mit rechts machen." Außerdem würden sie in bestimmten Situationen immer noch aufgefordert, die rechte Hand zu nehmen - bei der Begrüßung zum Beispiel oder beim Essen. Dies geschehe oft unbewusst, sei von Eltern oder Erzieherinnen gar nicht böse gemeint. "Unsere Sitten sind einfach so."

Erneute Umstellung für das Gehirn

Neumann hat in den vergangenen Jahren viele Menschen erfolgreich in ihrer Umstellung auf die linke Hand begleitet: "Wenn man mit der dominanten Hand schreibt, fühlt sich das viel besser an. Das Leben wird entspannter." Die Psychologin Johanna Barbara Sattler, Leiterin der Ersten deutschen Beratungs- und Informationsstelle für Linkshänder und umgeschulte Linkshänder in München, ist vorsichtiger. "Eine Rückschulung der Händigkeit auf die dominante Hand vornehmlich zum Schreiben ist - wie die Umschulung der Händigkeit auch - wieder ein Eingriff in das Gehirn", erklärt sie in ihrem Buch "Der umgeschulte Linkshänder". Während sich manche Menschen danach weit besser fühlten, könne es bei anderen zu neuen Schwierigkeiten kommen. Eine Rückschulung sollte unter fachlicher Betreuung erfolgen, empfiehlt sie. Sie nehme auch einige Zeit in Anspruch.

Anfangs eine Handschrift wie ein Kind

Rückschulung bedeutet zunächst, der Betroffene lernt wieder mit links zu schreiben. Da das Schreiben ein besonders komplexer Vorgang ist, sollte man nicht gleich losschreiben, sondern mit Vorübungen zum Schreiben anfangen. Ein bis anderthalb Jahre dauere es, bis ein Erwachsener seine eigene Schrift entwickele, berichtet Neumann. "Zu Beginn ist die Situation ähnlich wie die eines Erstklässlers, der schreiben lernt. Erwachsene haben am Anfang eine Handschrift wie ein Kind", sagt sie. Es sollte regelmäßig geübt werden, aber ohne Leistungsdruck.

Mit Rückschulung am besten in den Sommerferien beginnen

Neumann rät Erwachsenen, mit der Rückschulung möglichst im Urlaub zu beginnen. Sei dies nicht möglich, lasse sich der Prozess auch in den Arbeitsalltag einbauen: So könne in vielen Berufen vorübergehend der Laptop zum Schreiben benutzt werden. Für Schulkinder seien die Sommerferien am besten für den Beginn der Rückschulung geeignet. Hilfsmittel erleichterten das "Neu-Schreiben-lernen" - zum Beispiel eine Schreibunterlage oder Linkshänderstifte. Die Psychologin wünscht sich, dass die Linkshänderproblematik stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rückt. Für Rechtshänder, die einem Linkshänder etwas zeigen oder erklären wollen, hat sie einen Tipp: sich nicht danebensetzen, sondern gegenüber.



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