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Rollenklischees in der Kindererziehung

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Süße Mädchen, harte Jungs - brauchen wir solche Rollenklischees wirklich?

17.10.2011, 09:55 Uhr | dapd

Rollenklischees in der Kindererziehung. Rollenklischees schränken Kinder in ihrer Entwicklung ein. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Rollenklischees schränken Kinder in ihrer Entwicklung ein. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

"Was wird es denn? Junge oder Mädchen?": Von der Antwort auf diese Frage hängt häufig nicht nur ab, in welcher Farbe das Kinderzimmer gestrichen wird. Die Geschlechterrolle eines Kindes prägt seinen Lebensweg von Anfang an.

"Durch traditionelle Rollenklischees werden bestimmte Erwartungen an eine Person herangetragen", sagt Miguel Diaz vom Projekt "Neue Wege für Jungs", das sich bundesweit für flexiblere Rollenbilder einsetzt. So gelten Mädchen als süß und sanft, Jungen hingegen als Fußball spielende Rabauken, die keine Gefühle zeigen. "Dabei gibt es innerhalb der Geschlechtergruppen eine große Vielfalt an Charakteren - und es gibt zwischen Jungen und Mädchen auch diverse Gemeinsamkeiten", betont der Soziologe.

Erziehe man Kinder trotzdem den Rollenklischees entsprechend, schränke dies ihre individuelle Entwicklung erheblich ein. "Oft werden aus diesem Grund persönliche Potenziale nicht ausgeschöpft. Mädchen denken bei der Berufswahl beispielsweise, handwerkliche Tätigkeiten kämen für sie nicht infrage", sagt Diaz. Jungen hingegen zögen soziale Berufe für sich gar nicht als Möglichkeit in Betracht.

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Vertrauen in die Vielfalt der Fähigkeiten

"Natürlich sind Jungen und Mädchen biologisch verschieden und haben daher eine unterschiedliche Ausgangssituation im Leben", sagt die Münchner Pädagogin Melitta Walter. Ein Großteil des Handlungsspielraums eines Menschen sei jedoch anerzogen und habe nichts mit seinem biologischen Geschlecht zu tun. "Es ist daher wichtig, Kindern zu ermöglichen, ihren Handlungsspielraum auszudehnen, ihnen ein Vertrauen in die Vielfalt ihrer Fähigkeiten beizubringen", betont die Autorin des Ratgebers "Jungen sind anders, Mädchen auch".

Dabei gehe es nicht darum, Kinder zu geschlechtsneutralen Wesen zu erziehen. "Kinder müssen die Möglichkeit bekommen, eine positive Geschlechtsidentität zu entwickeln", betont Melitta Walter. Es spreche auch nichts dagegen, dass Jungen den Kraftprotz spielen und Mädchen sich von Kopf bis Fuß in Rosa kleiden. "Es ist normal, dass Kinder sich erst einmal ihrer Geschlechtergruppe anpassen möchten - und das muss auch erlaubt sein", so die Expertin für geschlechtergerechte Pädagogik.

Jungs sollten Gefühle äußern dürfen

Wichtig ist jedoch, sowohl Mädchen als auch Jungen alle Verhaltensoptionen offen zu halten. "Einem Jungen, der weint, sollte man beispielsweise niemals sagen: 'Ein Indianer kennt keinen Schmerz'", meint Miguel Diaz. Stattdessen sei es wichtig, Jungen zu zeigen, dass sie ihre Gefühle auch äußern dürfen.

Generell wird über die Sprache die Geschlechtsidentität eines Kindes stark geprägt. "Wenn Mädchen immer nur 'süß' sind und Jungen 'stark', verfestigt man das Rollenklischee", sagt Melitta Walter. Erwachsene sollten daher darauf achten, zu Mädchen auch mal zu sagen: "Wow, du kannst aber schnell laufen!". Und auch ein kleiner Junge freue sich über das Kompliment: "Hast du aber einen hübschen Pulli an."

Eltern sollten ihre eigenen Klischees überdenken

Die Pädagogin empfiehlt Eltern, sich mit ihren eigenen klischeehaften Vorstellungen der Geschlechterrollen auseinanderzusetzen. "Wir begegnen Kindern automatisch mit den geschlechtertypischen Erwartungen, die wir erlernt haben", erklärt Walter. Es sei wichtig, dass man sich dieser Mechanismen bewusst werde, um sie umgehen zu können.

Zudem sei das Vorbild der Eltern für die Geschlechtsidentität des Kindes wichtig. "Wenn eine Mutter ihre Bedürfnisse äußert und mit Freude arbeiten geht, bietet sie ein positives Rollenvorbild für ihre Kinder", sagt die Expertin. Auch Väter, die für die Familie kochen und sich ganz selbstverständlich um die Kinderbetreuung kümmern, beeinflussten ihre Kinder positiv und ermöglichten ihnen, ein individuelles Rollenverständnis zu entwickeln. "Allerdings lässt der Einfluss der Eltern mit zunehmendem Alter auch nach", so Miguel Diaz. Heranwachsende würden stärker von Gleichaltrigen geprägt - auch, was das Thema Rollenbilder angeht.

Mein Kind darf das!

Auch andere Erwachsene sind nicht immer so tolerant, wie man es sich wünschen würde. Wenn vom Umfeld Kommentare wie "Ein Mädchen brüllt nicht so rum" kommen, sollten Eltern sich auf die Seite ihres Kindes stellen, betont Melitta Walter. "Man könnte beispielsweise sagen: 'Doch, mein Kind darf das!'", schlägt die Pädagogin vor. Habe man den Eindruck, dass beispielsweise in der Kita Mädchen und Jungen in Rollenklischees gedrängt werden, sollte man sich notfalls auf die gesetzlichen Rahmenbedingungen berufen. "In den Bildungs- und Erziehungsplänen der Länder ist ganz klar festgeschrieben, dass die Institutionen stets auf Geschlechtergerechtigkeit achten müssen", so Walter. Mädchen und Jungen müssten in ihrer Vielfalt unterstützt werden.

Wichtig ist, dass Eltern ihren Kindern auch zutrauen, sich über tradierte Geschlechterrollen hinwegzusetzen. "Erwachsene befürchten oft, sie würden ihre Kinder mit etwas konfrontieren, was sie gar nicht interessiert", sagt Miguel Diaz. Bei der wissenschaftlichen Auswertung von "Neue Wege für Jungs" habe sich jedoch herausgestellt, dass der Großteil der Jungen beispielsweise an einem Nähkurs oder einem Schnupperpraktikum in der Kita durchaus gerne teilnimmt. "Es ist so schön zu sehen, welche Energien Kinder entfalten, wenn sie mal unkonventionell denken dürfen", weiß auch Melitta Walter.

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