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Erziehung: So lernen Kinder soziale Toleranz

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Jeder ist anders - und das ist gut so! So lernen Kinder soziale Toleranz

05.02.2013, 16:33 Uhr | Nicola Wilbrand-Donzelli, t-online.de

Erziehung: So lernen Kinder soziale Toleranz. Kinder kennen noch keine Vorurteile. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Kinder kennen noch keine Vorurteile. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Im Märchen gibt es das oft: Das Königskind spielt mit dem Gänsehirten. Doch die Realität sieht anders aus. Häufig bestehen große Kluften zwischen Bevölkerungsgruppen, etwa wenn sie verschiedenen sozialen Schichten angehören oder aus einem anderen kulturellen Umfeld stammen. In vielen Fällen unterstützen auch Eltern diese gesellschaftliche Trennung und versuchen, den Kontakt ihrer Kinder etwa zu denen aus dem sogenannten "Problemviertel" oder zu denjenigen mit Migrationshintergrund zu vermeiden. Wie Kinder samt ihrer Väter und Mütter dennoch Toleranz gegenüber anderen im Alltag lernen und leben können, erklärt eine Sozialpädagogin.

Vorurteile sind für kleine Kinder noch ein Fremdwort. Sie nehmen nämlich etwa bis zum dritten Lebensjahr die Welt weitgehend über Emotionen wahr und beurteilen Menschen mehr danach, wie sie sich ihnen gegenüber verhalten als beispielsweise nach ihrem Äußeren: "Kleine Kinder beobachten sehr wohl Unterschiede zwischen den Menschen, sei es ein anderes Aussehen oder andere Verhaltensweisen. Sie fragen auch offen danach, gehen aber naturgemäß in diesem Alter noch unvoreingenommen auf andere zu. Und sie werten vor allem die Unterschiede nicht", erläutert die Geschäftsführerin und Projektleiterin Petra Strübel-Yilmaz vom Sozialkritischen Arbeitskreis Darmstadt (SKA) gegenüber der Elternredaktion von t-online.de.

Kinder übernehmen die Vorurteile ihrer Eltern

Trotzdem spürten die Kinder sehr schnell, so die Diplom-Sozialpädagogin weiter, wenn ihre Eltern Ängste oder Vorbehalte gegenüber anderen hätten und sich zurückhaltend verhielten: "Dann kann man davon ausgehen, dass auch der Nachwuchs verunsichert reagiert und die Skepsis und die Barrieren der Eltern unreflektiert übernimmt."

Solche latenten Vorbehalte müssen meist noch nicht einmal offen angesprochen werden. Da reicht es schon aus, negative Signale zu setzen, indem Eltern etwa beim Abholen im Kindergarten keinen Kontakt zu Eltern mit anderen kulturellen Wurzeln suchen, obwohl ihre Kinder regelmäßig miteinander spielen. "Passive Zurückhaltung der Erwachsenen, die von beiden Seiten ausgehen kann", kommentiert Strübel-Yilmaz, "wird sehr wohl von den Kindern wahrgenommen und färbt meist automatisch auf sie ab. Das macht es ihnen oft schwer, über diese Schranken hinweg Kontakte zu knüpfen." Um hier die Gräben aufzubrechen, ist es wichtig, dass Väter und Mütter sich bewusst vornehmen, ihren Kindern die Möglichkeit zu geben, Freundschaften zu schließen und zu pflegen und den lieb gewonnenen Spielkameraden beispielsweise auch nach Hause einzuladen - vorausgesetzt, auch die anderen Eltern sind damit einverstanden.

Öffentliche Plätze sind ideale Begegnungsstätten

So ähnlich hat es auch die zehnjährige Greta (alle Namen von der Redaktion geändert) erlebt. Sie wohnt mit ihren Eltern in einem Neubaugebiet mit hübschen Reihenhäusern. Nur einen Katzensprung entfernt liegt im selben Viertel ein Mehrparteienhaus, in dem unter anderem viele sozial schwache und Familien aus arabischen und nordafrikanischen Ländern leben. Auch die elfjährige Fatima aus Somalia ist hier seit einigen Jahren mit fünf Geschwistern und ihren Eltern zu Hause. Ihr liebster Ort, um Gleichaltrige aus dem Quartier zu treffen, ist der neue riesige Wasserspielplatz mit vielen Geräten, Bänken und einer großen Tobe- und Bolzwiese. Hier lernten sich auch Greta und Fatima kennen und sind nun befreundet. Sogar bei muslimischen Festessen der somalischen Großfamilie war Greta schon eingeladen und durfte mit Erlaubnis ihrer Eltern mitfeiern. Fatima geht ebenfalls ganz selbstverständlich bei Greta ein und aus. Gibt es hier etwa ein gemeinsames Abendessen, achten Gretas Eltern mittlerweile besonders darauf, dass dann nicht unbedingt Schweinefleisch auf dem Speiseplan steht.

Es gibt noch nicht genügend gemeinsame Orte für Nachbarschaftstreffen

Wie wichtig solche öffentlichen Begegnungsstätten wie der riesige Spielplatz im Wohnviertel von Fatima und Greta sind, weiß Sozialpädagogin Strübel-Yilmaz aus ihrer langjährigen Erfahrung: "Solche gemeinsamen, für jeden zugänglichen Orte draußen oder als Raum innerhalb von Gebäuden, die jederzeit die Option bieten, sich als Nachbarn gleich aus welcher Kultur oder aus welcher sozialen Schicht stammend, zu begegnen, gibt es hierzulande leider immer noch zu wenig. Da wird von den Verantwortlichen in den Kommunen meist noch nicht genug getan."

Jugendzentren arbeiten immer mehr zusammen

Neben solchen nachbarschaftlichen Treffpunkten, sind auch Kinder- und Jugendzentren geeignete Plätze, um Toleranz zu lernen und zu leben. Während sie früher wie in "kleinen Ghettos" ihre Türen fast immer nur für den Nachwuchs des jeweiligen Viertels öffneten, gibt es nun zunehmend die Tendenz "überregional" zu agieren: "Die Jugendtreffs in einer Stadt sind nun viel häufiger miteinander vernetzt, kooperieren und organisieren beispielsweise gemeinsame Aktivitäten über Stadtviertel und verschiedene soziale Strukturen hinweg", erklärt Strübel-Yilmaz. Solche übergreifenden Projekte auf die Beine zu stellen, sei jedoch häufig nicht leicht, da sie neben der normalen Arbeitszeit der begleitenden Sozialarbeiter viel zusätzliches Engagement und Aufwand bedürften. Hier müssten durch die Verantwortlichen noch mehr Kapazitäten und Freiräume geschaffen werden.

Soziales Lernen und Leben in der Schule

Eine Schlüsselfunktion, um Kindern den toleranten Umgang mit sozialen, religiösen und kulturellen Unterschieden zu vermitteln, hat vor allem die Schule. Davon ist Strübel-Yilmaz überzeugt, denn dort verbrächten Kinder einen großen Teil ihres Tages: "Schule darf nicht mehr nur als verpflichtender Lern-Raum begriffen werden, sondern als Lebensraum - als Ort der Begegnung, wo auch Freizeit stattfindet und damit ohne schulische Verpflichtungen soziales Lernen und Leben möglich wird. Das geht aber nur, wenn alle an einem Strang ziehen und die Pädagogen, Eltern und Schüler Hand in Hand agieren."

Erfolgreich umgesetzt wird diese Philosophie beispielsweise in der Integrierten Erich-Kästner-Gesamtschule (IGS) in Darmstadt-Kranichstein, wo unter anderem der Sozialkritische Arbeitskreis Darmstadt (SKA) mitverantwortlich ist für die Betreuung der Schüler, wenn sie sich etwa nachmittags in der Turnhalle austoben können oder bei anderen Spiel-und Freizeitangeboten aktiv sind und gemeinsam etwas unternehmen und gestalten können.

Elterliche Mitarbeit fördert den Zusammenhalt und baut Barrieren ab

"Gerade in der Schule", ergänzt die SKA-Geschäftsführerin Strübel-Yilmaz, "bietet sich auch Eltern mit anderen kulturellen Wurzeln und möglichen sprachlichen Barrieren die Gelegenheit, sich tatkräftig einzubringen. Hier haben wir die Erfahrung gemacht, dass sie vor allem dann sehr engagiert sind, wenn es gilt, konkrete Projekte wie etwa Kochen, Tanz-Workshops, Theateraufführungen oder gemeinsame Feste organisatorisch mit umzusetzen. Auch solche Aktionen schaffen für alle Beteiligten Zusammenhalt und können Vorbehalte abbauen."

Frühes soziales Lernen in Krippen und Kindergärten

Ob unsere "Multi-Kulti-Gesellschaft" in Zukunft tatsächlich mehr zusammenrückt, wird sich zeigen. Eine entscheidende Rolle wird dabei auf jeden Fall die nachfolgende junge Genration spielen und ihre Art mit dem "Anderssein" umzugehen. Dabei werden neben dem Elternhaus, der Schule oder Jugendtreffs, immer häufiger pädagogische Einrichtungen wie Krippen oder Kindergärten in der Verantwortung stehen: "Es ist wichtig, dass Kinder hier so früh wie möglich, eigenständig soziale Kontakte knüpfen können und etwa durch Lieder, Geschichten oder Spiele aus anderen Ländern lernen, unvoreingenommen und selbstverständlich mit Fremdem und zunächst Unbekanntem umzugehen", so Strübel-Yilmaz.

Verschmelzen sollten die verschiedenen kulturellen und sozialen Einflüsse auf jeden Fall nicht. Dies sei auch nicht erstrebenswert, meint die Sozialpädagogin weiter. "Es sollte doch eher die Stärke einer Gesellschaft sein, dass Unterschiede gleichberechtigt nebeneinander existieren können, sie irgendwann nicht mehr als solches wahrgenommen werden und die kulturelle Vielfalt zur Normalität wird."

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