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Erziehung: Sanfte Super-Nanny contra harte Tiger-Mutter

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Wende in der Erziehung: Sanfte Ex-Super-Nanny contra harte Tiger-Mutter

03.05.2013, 14:55 Uhr | Anna Schürmann, dpa

Erziehung: Sanfte Super-Nanny contra harte Tiger-Mutter. Supernanny contra Tigermutter - lieber Beziehung als Erziehung?  (Quelle: dpa)

Supernanny contra Tigermutter - lieber Beziehung als Erziehung? (Quelle: dpa)

Als "Super-Nanny" setzte Katharina Saalfrank früher störrische Kinder auf die "stille Treppe", um sie zur Besinnung zu bringen. Davon hält die Pädagogin inzwischen nichts mehr. In einem Buch fordert sie nun sogar das Ende der Erziehung. Damit steht sie in absolutem Gegensatz zu den Methoden der Tiger-Mutter Amy Chua, die absolute Disziplin fordert.

Ehemalige "Super-Nanny" fordert eine Wende in der Kindererziehung

Mitgestaltung, Selbstbestimmung, Dialog: Die als "Super Nanny" bekanntgewordene Pädagogin Katharina Saalfrank fordert eine Wende in der Kindererziehung. Genauer gesagt: Das Ende der "ERziehung" und stattdessen eine "BEziehung" zwischen Eltern und Kind. Denn bei der Erziehung nutzten Eltern ihre Machtposition, um eigene Interessen durchzusetzen, schreibt sie. "Erziehend schneiden wir Kinder passfähig für die Welt der Erwachsenen, wir berauben sie vieler ihrer Potenziale und Möglichkeiten." Saalfranks Botschaft ist zugleich der Titel ihres Buches: "Du bist ok, so wie du bist."

"Der Erzogene ist der Ohnmächtigere"

Diese Position sei nicht neu, sagt der Diplom-Psychologe Andreas Engel. Vieles spreche für Saalfranks Sicht. "Bei der Erziehung schwingen Machtverhältnisse mit - der Erzogene ist der Ohnmächtigere", erläutert der stellvertretender Vorsitzende der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung. Dies stehe einer guten Beziehung zwischen Eltern und Kind im Wege.

"Förder-Irrsinn" hat Einzug gehalten

Doch wie erziehen Eltern ihre Kinder heute? "Die wenigen Kinder werden immer wertvoller", sagt Engel. Das habe Vor- und Nachteile. Kindliche Bedürfnisse würden stärker wahrgenommen. Allerdings habe ein "Förder-Irrsinn" Einzug gehalten, bei dem Kinder im Krippenalter schon Förderpläne mit Musik, Sport und Sprache von ihren Eltern erhielten.

"Beschleunigungspädagogik" in der Kritik

Ulrich Wehner von der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe beschreibt die "Beschleunigungspädagogik": "Wir haben nicht nur versucht, Fahrzeuge immer schneller zu machen, sondern auch Köpfe", sagt der Professor für Frühe Bildung, Elementar- und Grundschulpädagogik. Als Beispiele nennt er das Abitur nach zwölf Jahren und frühere Einschulungen. Kritiker hätten bereits zu viel Stress bei Kindern nachgewiesen - denn der Ehrgeiz der Eltern könne Leistungsdruck erzeugen.

Erziehungsmethoden enden in der Beziehungskatastrophe

In den vergangenen Jahren kam zudem die autoritäre Erziehung scheinbar wieder in Mode. Die "Tigermutter" Amy Chua pries in ihrem Bestseller "Battle Hymn of the Tiger Mother" Zwang und Drill bei der Erziehung ihrer Töchter. "Die Tiger-Mama hatte ein besonderes Bild, wie Kinder werden sollen. Diese Erziehungsmethoden enden in Beziehungskatastrophen", sagt Psychologe Engel.

Verantwortungsvolle Führungsrolle statt Machtmissbrauch

Auch Saalfrank kritisiert diese Entwicklung. Und sie schlägt eine Alternative vor: "Anstatt Gehorsam, Unterordnung und Respekt von Kindern zu erwarten, übernehmen die Erwachsenen eine verantwortungsvolle Führungsrolle, üben keine Macht aus beziehungsweise missbrauchen ihre elterliche Rolle nicht, um ihre Interessen durchzusetzen, sondern setzen sich ernsthaft mit den Anliegen der Kinder auseinander."

Wichtig sei eine offene Haltung dem Kind gegenüber. "Die Kinder werden um ihrer selbst willen geachtet und geliebt und nicht, weil sie sich anpassen oder etwas tun, was wir von ihnen verlangen", schreibt sie. Von ihrer Erziehungsmethode der "stillen Treppe" aus der RTL-Sendung "Die Super Nanny" ist Saalfrank inzwischen weit abgerückt.

Buchtipp: Katharina Saalfrank. Du bist ok, so wie du bist. Kiepenheuer&Witsch, Köln, 288 S., 16,99 Euro, ISBN: 978-3-462-30694-1

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