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Leander Haußmann kritisiert übersteigerte Fürsorge von Eltern

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Polizeiruf "Kinderparadies"  

Leander Haußmann: "Viele Kinder werden verzärtelt"

27.09.2013, 17:06 Uhr | Interview von Cordula Dieckmann, dpa

Leander Haußmann kritisiert übersteigerte Fürsorge von Eltern. Regisseur Leander Haußmann (Quelle: imago/Vienna Report)

Regisseur Leander Haußmann (Quelle: Vienna Report/imago)

Als Vater von zwei Kindern wusste Leander Haußmann, worauf er sich einließ, als er die Regie der "Polizeiruf"-Folge "Kinderparadies" übernahm. In dem Krimi ermittelt Kommissar von Meuffels (Matthias Brandt) im Umfeld einer überfürsorglichen Elterninitiative. Im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa kritisiert Haußmann die Tendenz heutiger Eltern, die eigenen Interessen für die Kinder völlig zurückzustellen.

Frage: In "Kinderparadies" geht es um eine überambitionierte Elterninitiative, für deren Kinder das Beste gerade gut genug ist. Bei den Elternabenden geht es deshalb oft richtig zur Sache. Haben Sie als Vater selbst solche Treffen erlebt?

Leander Haußmann: Das würde ich so nicht sagen. Aber es ist schon eine Tendenz da, dass man das eigene Glück, den eigenen Erfolg, die Karriere, auch die Sexualität, hintanstellt, um sich um die Kinder zu kümmern. Das ist eine Last, die die Kinder zu tragen haben, wie wir sie in unserer Kindheit nie hatten. Andersherum kann man sagen, dass es Kindern heute viel besser geht. Zu meiner Zeit galt ja noch die Ohrfeige als okay. Und als meine Eltern klein waren, war der Rohrstock noch da. Insgesamt ist die Tendenz natürlich positiv, wir klagen auf hohem Niveau.

Werden die Kinder heute Ihrer Ansicht nach zu sehr verwöhnt?

Haußmann: Viele Kinder sind so umsorgt, das geht fast bis zur Verzärtelung, sie können fast keine Antikörper mehr aufbauen. Wenn ein kleiner Wind weht, sehen sie aus, als ob sie auf den Mars fliegen wollen. Sie haben Anzüge an, da kommt gar nichts mehr durch. Und wenn man fragt, was macht ihr, wenn es kalt ist, gibt es da noch eine Steigerung, dann kann das nur verneint werden.

Wie halten Sie das bei Ihren beiden Kindern?

Haußmann: Ich bin ein ganz schlechter Erzieher, ich will mich hier nicht als Pestalozzi aufspielen. Meine Kinder haben noch nie Mützen tragen wollen, meine Kinder konnten noch nie Mittagsschlaf machen. Wenn die Mittagsschlaf gemacht haben, hatte ich sie bis 24 Uhr am Hals. Also muss ich im Kinderladen sagen, nein, mein Kind macht keinen Mittagsschlaf. Das muss nicht unbedingt sein. Aber es gibt so eine Art Mittagsschlafwahnsinn. Der war schon zu meiner Zeit da.

Wie wirkt sich diese Konzentration auf das Kind auf die Beziehung aus?

Haußmann: Die Kinder liegen im Bett zwischen den Eltern, es gibt kaum noch Erotik. Man entfernt sich. Wenn ein Kind da ist, wird plötzlich alles daran ausgerichtet. Und es wird laufend experimentiert. Es gibt sicher Kinder, die wollen vielleicht Japanisch lernen. Aber nicht alle. Es gibt übrigens auch unmusikalische Kinder, die müssen nicht unbedingt Klavier spielen, die wollen vielleicht lieber auf den Fußballplatz.

Wie war das in Ihrer Kindheit?

Haußmann: Das kann ich meinen Eltern sehr zugutehalten, dass sie mich in nichts reingezogen haben. Dass ich machen konnte, was ich wollte. Das ging fast bis zum Desinteresse. Aber wie sagt Schiller: Ein Talent bildet oft im Stillen sich.

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