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Modetrend: Kinder nicht wie das eigene Abbild kleiden

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Bedenklicher Modetrend "Mini me"  

Kinder nicht wie das eigene Abbild kleiden

04.03.2014, 10:52 Uhr | t-online.de, dpa-tmn

Modetrend: Kinder nicht wie das eigene Abbild kleiden. Kinderkleidung: Schick wie die Mama! Mütter sollten es nicht übertreiben, indem sie ihre Kinder zu Modepüppchen machen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Schick wie die Mama! Mütter sollten es nicht übertreiben, indem sie ihre Kinder zu Modepüppchen machen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Die Mama trägt es, die zehnjährige Tochter bekommt es auch. Was als eine Marotte von Hollywoodstars wie Katie Holmes und ihrer Tochter Suri anfing, hat längst den Massenmarkt erobert: Kindermode wird bestimmt von der Mode, die auch aktuell bei den Erwachsenen im Trend liegt. "Mini me" nennt sich diese Entwicklung, die Experten aus verschiedenen Gründen kritisieren.

Kinder sehen nicht mehr aus wie Kinder, sondern werden wie kleine Erwachsene eingekleidet. Dieser Modetrend ist in diesem Frühjahr angesagt. "Fast schon eins zu eins findet man die Trends für die Erwachsenen auch bei den Kindern im Handel", berichtet die Modeberaterin Sonja Grau aus Ulm.

Leggins und XXL-Oberteile sind für Mädchen wie für ihre Mamas zu bekommen. Außerdem sieht Grau häufig Kleider im Stil von Petticoat-Modellen für die Kinder - "fast schon ein kleiner Divenlook". Für Jungs gebe es Blousons sowie Bikerjacken, Sakkos, Poloshirts und Hemden, vor allem mit Blumenmuster oder Karos. "Und in Cardigans wirken sie sogar ganz wie der Papa." Für beide Geschlechter sind Trenchcoats in.

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Kussmund statt Comicfiguren

Auch die Motivwahl vieler Designer ändert sich allmählich: Statt Comic- und Kinderbuchfiguren wie Micky Maus oder niedlicher Motive wie Teddys sehe man immer häufiger zum Beispiel Lippen, Sterne oder Stadtbilder auf Shirts und Pullis, sagt Grau. "Diese sind gerade bei den Erwachsenen total in Mode."

"Absätze an Kinderfüßen gehen gar nicht"

Dieser Trend hat aber auch extreme, kaum kinderfreundliche Auswüchse. Angefangen hat die Entwicklung bei der kleinen Suri: Sie tippelte auf Absatzschuhen über die Straße. Die Kinder von Brad Pitt spielten in engen Röhrenjeans. Und der Nachwuchs von Victoria Beckham trug schon mal einen Nadelstreifenanzug. Das sind nur drei Beispiele von Promikindern, die für den neuen Modetrend stehen. Nicht kindgerecht, gar sexistisch seien die Klamotten, lautete die Kritik.

"Ich finde diesen Trend ganz, ganz schlimm", sagt auch die Modeberaterin Ines Meyrose aus Hamburg. Sie weist darauf hin, dass es hier oftmals nicht mehr um das Beste für das Kind geht, sondern um die Eltern. "Ich beobachte das viel bei den Eislaufmuttis. Da zählt nur, dass alles besser, schöner, toller ist." Die Expertin betont daher: "Absätze an Kinderfüßen gehen gar nicht. Das ist nicht verhandelbar." Und das nicht nur aus Gesundheitsgründen.

Bedenkliche Sexualisierung von Mädchen

Wichtig ist, dass Eltern Kleidungsstücke immer so auswählen, dass sie dem kindlichen Bewegungsdrang gerecht werden und obendrein eine kindgerechte Wirkung haben, erläutert Meyrose. "Wenn eine Dreijährige einen Triangel-BH trägt, finde ich das negativ sexualisierend." Auch für Zehnjährige sei das noch nicht in Ordnung, denn optisch verlege das die Pubertät vor. "Das spricht die Männer an, und Kinder wissen nicht, wie sie damit umgehen sollen."

Klamotten, in denen sich Erwachsene schon nicht wohlfühlen, weil sie zum Beispiel zu eng geschnitten sind, sollten auch Kinder nicht tragen: "Sie werden beim Spielen sonst ausgeschlossen, weil sie sich nicht schnell genug bewegen können", sagt Grau.

Stilsichere Kinder oder Marken-Junkies?

Aber die Modeberaterin weiß auch, warum die "Mini me"-Mode so gut ankommt: Während es in der Kindermode lange kaum darum ging, dass das Kind modisch angezogen war, haben die Eltern nun ein größeres Interesse daran. Und der Handel bedient das. Grau sieht darin einen Vorteil: Kindern wird frühzeitig Stilempfinden beigebracht. "Sie lernen grundsätzlich, auf sich zu achten und sich gut zu kleiden", sagt die Modeberaterin. In eine falsche, übertriebene Richtung gehe es aber, wenn Kinder schon auf Markenjagd gehen oder ein Lolita-Image pflegen.

Den Drang zur Selbstdarstellung bedient auch der Kanal "Fashionkids" auf der Bilderplattform Instagram: Kinder in Modelpose, gepostet von ihren modebewussten Eltern.

Trend zu nachhaltiger Kinderkleidung

"Das modische Bewusstsein der Erwachsenen setzt auch bei der Kleidung für Kinder an - und die Verantwortung letztlich auch", sagt Gerd Müller-Thomkins vom Deutschen Mode-Institut in Köln. Er verweist auf einen weiteren Trend: Umweltbewusste Mode, auch als "green fashion" bezeichnet, komme bei Eltern immer besser an. Sie achteten gerade bei Kinderbekleidung verstärkt auf schadstoffarm und ökologisch produzierte Stücke sowie auf den nachhaltigen Konsum und die Weiterverwertung. "Das liegt bei Kindermode ja in der Natur der Sache, dass sie weitergegeben oder aufgetragen wird", meint Müller-Thomkins.

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